Desktop-Version

Start arrow Sozialwissenschaften arrow Wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung

< Zurück   INHALT   Weiter >

4.3 Säule 1. Kommunale Bildungslandschaften: Transferstelle Bildung

Die Transferstelle Bildung ist sowohl unter der ersten Säule Kommunale Bildungslandschaften als auch im Rahmen des Wissenschaftsjahres insgesamt eines der zentralen Projekte, um die formulierten Ziele der Stadt Mainz zu erreichen. Deshalb wurde die Transferstelle einer gesonderten Evaluation unterzogen. Im Antrag der Stadt Mainz, der im Rahmen der Bewerbung um den Titel Stadt der Wissenschaft eingereicht wurde, wird der Bildungsbereich bzw. die Förderung der Chancengleichheit in der Bildung als ein wesentliches Element der Wissenschaftsstadt Mainz herausgestellt.[1] U.a. sollen vor Ort gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, z.B. stadtteiloder schulbezogene Fragestellungen zu beantworten und Verbesserungen in der Praxis zu erreichen. Die Transferstelle Bildung trägt dem hierzu notwendigen Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis Rechnung, indem sie Akteuren beider Bereiche die Möglichkeit bietet, miteinander in Kontakt zu treten und sich stärker zu vernetzen. Angegliedert an das Zentrum für Bildungsund Hochschulforschung der JGU (ZBH) konnte die Transferstelle durch den Titelgewinn im Mai 2011 mit einer Mitarbeiterstelle (75 %), besetzt für drei Jahre, eingerichtet werden. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Evaluation der Transferstelle Bildung dargestellt. In zwei Befragungsrunden im November 2011 und November 2012 wurden die Initiatoren und der Koordinator der Transferstelle gebeten, zur Maßnahme Stellung zu nehmen (Untersuchungsansatz vgl. Kap. 4.1).

4.3.1 Ziele und Aufgaben der Transferstelle Bildung

Die Idee zur Einrichtung einer Transferstelle sei in der Antragsphase um den Titel Stadt der Wissenschaft entstanden, so wird im Rahmen der ersten Befragungsrunde berichtet. Vor dem Hintergrund der übergeordneten Ziele sei die Frage aufgeworfen worden, wie sich Bildungswissenschaften stärker mit dem regionalen Umfeld bzw. der Stadt Mainz vernetzen könnten. Hierbei sei deutlich geworden, dass eine nachhaltige Verzahnung von Wissenschaft und Bildungspraxis in der Region über die Einzelprojektebene hinaus durch die Zurverfügungstellung einer entsprechenden Infrastruktur strukturell verankert werden müsse. Eine Transferstelle könne aus der Vielzahl vorhandener Projekte Knotenpunkte identifizieren, an denen sich Bedürfnisse aber auch Kompetenzen ballten. Unter Einbezug regionaler Einrichtungen und Anbieter könne ein Mehrwert durch einen stärkeren Austausch bzw. Wissenstransfer zwischen wissenschaftlichen Institutionen und der Bildungspraxis erzielt werden. Netzwerke sollten sich verfestigen oder neu entstehen. Mit der Transferstelle werde eine Servicestelle geschaffen, ein Ansprechpartner für Kooperationsanfragen zur Verfügung gestellt, und zwar für Bildungseinrichtungen bzw. Einrichtungen im Bereich anwendungsorientierter Forschung und auch für Praxisprojekte. Die Transferstelle übernehme eine Vermittlungsund Vernetzungsfunktion und leite Anfragen weiter. Auf diese Weise sollten Hemmschwellen und Probleme von Praktikern, wie bspw. den richtigen Ansprechpartner zu finden, abgebaut werden. Der Transfer sei auf Wechselseitigkeit angelegt. Auch die Wissenschaft könne sich mit Anfragen an die Transferstelle wenden. Der Initiator erklärt:

„Es geht um Beziehungen wechselseitigen Interesses. Die Universität findet ja auch in der Gesellschaft ihre Untersuchungsobjekte, zumindest in den Sozialwissenschaften“ (TSB I).

Die Dienstleistung umfasse niedrigschwellige Transferangebote wie die Vermittlung von Bachelorbzw. Masterarbeiten sowie von Praktika bis hin zu wissenschaftlichen Begleitungen von Bildungsprojekten bzw. Evaluationsstudien. Die Transferstelle übernehme damit eine klassische Schnittstellenfunktion. Hierzu folgende Anmerkung:

„Die dezentrale Organisationsstruktur an der Hochschule liefert so eine Infrastruktur meines Wissens derzeit nicht […] es gibt keine Hotline für anwendungsorientierte Bildungsforschungsprojekte“ (TSB II).

Weitere Überlegungen gingen dahin, Einrichtungen, die ähnliche Angebote im Bereich anwendungsorientierter Forschung anbieten, mit ihren Wissensbeständen zu vernetzen.

Da die Effektivität von Transferprozessen „in hohem Maße von persönlichen Kontakten abhängig“ (TSB I) sei, solle eine informationelle Infrastruktur aufgebaut werden. Die Transferstelle könne auf diese Weise für eine passgenaue Vermittlung von Akteuren Sorge tragen:

„Man kann schnell irgendwelche Datenbanken aufbereiten, man kann Befragungen durchführen und diese dann auf einem allgemeinen Niveau auswerten […]. Will man schnell etwas erreichen, dann erzeugt man mit diesen Instrumenten eher totes Wissen. Man braucht lebendige Beziehungen zwischen Personen, Arbeitsgruppen und Instituten, die an einer dauerhaften Kooperation interessiert sind und diese Kooperation durchführen, auch wenn sie nicht immer und gleich die angemessenen Gelder dafür bekommen. Das ist die zentrale Bedingung“ (TSB I).

„Es hat z.B. keinen Sinn, dass ein Wissenschaftler eine Zusammenstellung aller Schulen erhält und sich dann eine aussuchen kann. Sondern es muss […] passgenau eine Vermittlung zwischen Interessen und Ressourcen von Wissenschaft und Interessen und Ressourcen von Praxis stattfinden“ (TSB I).

Zu den Hauptaufgaben der Transferstelle gehöre im ersten Jahr die Unterstützung von im Rahmen von Stadt der Wissenschaft laufenden Projekten im Bildungsbereich, bspw. durch die Koordination einer wissenschaftlichen Begleitung, den Aufbau bzw. die Verfestigung entsprechender Netzwerke sowie durch die Übernahme der Öffentlichkeitsarbeit, erklären die Befragten. So sollten viele kleine Projekte, die keine eigene Internetdarstellung haben, auf der Homepage der Transferstelle – die sich zur Zeit der ersten Befragung im Aufbau befinde – gebündelt und dokumentiert werden, um darzustellen, was im Bereich des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis vorhanden ist.

Zu den Projekten, die durch die Transferstelle unterstützt würden, zähle das Ferienprogramm Denksport, das 2011 als Pilotprojekt von Lehramtsstudierenden der JGU durchgeführt werde. Mithilfe des Projektes sollten die kognitiven und motorischen Fähigkeiten von Schülern durch spielerisches Lernen gefördert werden, insbesondere durch die Kombination von Mathematik und Sport. Zu nennen seien außerdem Bildungsfondprojekte, bei denen es unter dem Bildungsaspekt um Stadtteilprojekte bzw. soziale Stadtentwicklung gehe. Es stelle sich die Frage einer Verstetigung der Projekte und wie eine Weiterentwicklung gelingen und ein größeres Netzwerk entstehen könne. Um Projekten längerfristige Perspektiven zu ermöglichen, solle die Transferstelle zudem dazu beitragen, Projekte weniger von einzelnen Personen abhängig zu machen. Darüber hinaus sollten Folgerungen aus Studien in Mainz gezogen werden. Die Transferstelle werde auch die Aufgabe haben, Fragen von Folgerungen im Bereich Bildungsplan und Bildungsmonitoring zu begleiten oder öffentliche Veranstaltungen zu planen. So werde eine kleine Fachtagung organisiert, auf der Multiplikatoren und Partner Ergebnisse und Perspektiven einzelner Projekte aus dem Bereich der Förderung von Kindern und Jugendlichen durch Sport, die im Rahmen von Stadt der Wissenschaft entstanden seien, präsentieren sollen.

„Die Transferstelle hat jetzt die Aufgabe, die bestehenden Beziehungen zwischen Wissenschaftlern und Bildungseinrichtungen in der Stadt Mainz zu eruieren. Diese Beziehungen zu unterstützen und neue Beziehungen und Kontakte, Arbeitsbeziehungen, aufzubauen“ (TSB I).

Meilensteine für 2011 seien neben der Begleitung und Unterstützung von im Rahmen von Stadt der Wissenschaft laufenden Projekten und der Systematisierung von Bildungsangeboten in Mainz aus Sicht des Koordinators das Konzept, Ziele und Aufgaben der Transferstelle sowie eine Selbstdefinition weiterzuentwickeln bzw. zu konkretisieren und zu eruieren, welche Netzwerke zu knüpfen sind. Akteure, Multiplikatoren und Partner, die einen Beitrag leisten können, seien zu identifizieren, von der Stadt über Jugendeinrichtungen bis hin zu Ausbildungsbetrieben, Firmen, Schulen und Hochschuleinrichtungen.

  • [1] Dieser Ansatzpunkt wurde seitens des Stifterverbands als mit ausschlaggebend bei der Entscheidung für Mainz als Stadt der Wissenschaft 2011 hervorgehoben (vgl. Kap. 3.3; Stifterverband o.J.d)
 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics