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Stadtplanung und -entwicklung, bauliche Maßnahmen

Mit den Ausführungen in Kapitel 2.3.4 wurde auch auf das Forschungsfeld der städtebaulichen Maßnahmen und wissensbasierten Siedlungsformen im Rahmen einer wissensbasierten Stadtentwicklung verwiesen. Die Agglomeration von Wissenschaftseinrichtungen auf dem Campusgelände der JGU und dem umgrenzenden Gebiet – mit Möglichkeiten eines weiteren Ausbaus – wird vor diesem Hintergrund als förderliche Struktur und enormer Standortvorteil wahrgenommen. Eine Expertenmeinung hierzu:

„Es gibt wenige Campi in Deutschland, die so aufgebaut sind und auch so strukturiert aufgebaut sind, wie jetzt hier bei uns. Dass die Geistesund Sozialwissenschaften mit der UB an einem Ort sind, die Chemie jetzt zusammengeführt ist mit der Physik und den Max-Planck-Instituten in Nachbarschaft, dann das HelmholtzInstitut und das Institut für Molekulare Biologie an einem Ort und die Fachhochschule sich anschließt – das ist schon toll“ (LA I).

Mehrere Befragte stellen in diesem Zusammenhang als wichtige Handlungsaufgabe heraus, das Campusgelände von JGU und FH Mainz Richtung Saarstraße – wie im Bebauungsplan vorgesehen / ausgewiesen – für die Ansiedlung von hochschulnahem Gewerbe zu nutzen, bspw. für Ausgründung aus Hochschulen, aber auch Unternehmen, die die räumliche Nähe zu Hochschulen bzw. Forschungsinstituten suchen. Dies sei seit Jahren in der Diskussion. Auch die Einrichtung eines Technologieparks wird als notwendige Voraussetzung für die Wissenschaftsstadt angesehen. Projektentwickler müssten gesucht, Investoren gefunden werden. Vorbild für diese Vorhaben seien forschungsstarke Universitäten in den USA. Auch im Rahmen der Zukunftskonferenz wurde bei der Diskussion räumlicher und planerischer Voraussetzungen des Wissenschaftsstandorts Mainz die Zurverfügungstellung universitätsbzw. innenstadtnaher Räumlichkeiten für gründungsinteressierte Hochschulabsolventen durch die Errichtung eines Gründerund Technologiezentrums als wichtige Handlungsaufgabe formuliert. Zudem sei die Aufenthaltsund damit Lebensqualität – ein zentraler Faktor um Hochqualifizierte an den Standort zu binden – in Mainz zu verbessern, insbe-

sondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Fluglärms und Rückgangs von Naherholungsflächen und Grünanlagen.[1] Die Öffentlichkeit sei für diese Thematik zu sensibilisieren und zu aktivieren, um eine Verbesserung zu erzielen (OLDENBURG 2012: 24).

Für längerfristige, zukunftsorientierte Stadtentwicklungsprozesse seien wissenschaftliche Arbeiten sinnvoll (bspw. Studien zum Klimawandel, zum demographischen Wandel, zum Zusammenleben in der Stadt sowie Bürgerbefragungen), trotz möglicher Gefahren, wie der Manipulation von Gutachten durch eine gezielte Auswahl von Gutachtern und die eigene Auslegung von Gutachten (OLDENBURG 2012: 25).

Als bauliche Maßnahmen, die aus dem Wissenschaftsjahr resultieren, wird der Anbau am NHM, der Bau des Umweltbildungszentrums und des Archäologischen Zentrums Mainz angeführt, die Effekte im Sinne einer wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung erkennen ließen. Die Stadt berücksichtige darüber hinaus – unabhängig vom Wissenschaftsjahr – die Belange der Hochschulen in vielen Projekten der Stadtplanung und -entwicklung, wie die Investitionen und Bauvorhaben am Campus zeigten. Der Kuratoriumsvorsitzende erklärt:

„Als Beispiele sind zu nennen der Bau der Studentenwohnheime auf dem Kisselberg, die Gewerbegebiete im unmittelbaren Anschluss an den Gutenberg-Campus, die Ausgründungen vorbehalten sind. Oder die Einrichtung des Technologiezentrums Mainz GmbH mit seinen Raumangeboten im Biotechnicum an der Goldgrube und der Etage mit Büroräumen in einem der Bonifazius-Türme am Hauptbahnhof. Hier betrachtet die Stadt Mainz stets die aktuellen Entwicklungen und wird auch in Zukunft flexibel auf die Anforderungen reagieren“ (K II).

Die Idee, ein Haus der Wissenschaften zu schaffen, hat sich seit dem Titelgewinn für viele Akteure zu einer wünschenswerten baulichen Maßnahme entwickelt. Eine Realisierung erscheint mit Blick auf die Haushaltslage jedoch unwahrscheinlich.

  • [1] Zur Freiraumentwicklung und -planung in der Stadt Mainz im Kontext einer nachhaltigen Stadtentwicklung vgl. FENDT 2010
 
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