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Einbezug verschiedener Akteure

Zur Weiterentwicklung von Wissenschaftsstädten ist der Einbezug verschiedener Akteure aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie der Bevölkerung von hoher Relevanz. Insbesondere politische Akteure wie der Stadtrat können den gesamten Prozess mit entsprechenden Beschlüssen entscheidend stützen und sind daher stärker einzubeziehen. Auch im Rahmen der Evaluation der Fachhochschule Osnabrück werden Stadtratsbeschlüsse als zentral erachtet, um erfolgreich wissensbasierte Standortund Profilierungsstrategien zu verfolgen (HOHN und MEYER 2010: 24).

Eine AK-Leitung erklärt:

„Es ist wichtig, dass die Politik stärker in das Gesamtverfahren miteingebunden wird […], dass die Stadträte stärker über das informiert werden, was Stadt der Wissenschaft an Impulsen gebracht hat, denn auch sie müssen es weiterentwickeln. Politische Entscheidungen müssen jetzt folgen. Und ich habe immer noch das Gefühl, dass der Stadtrat zu wenig über das informiert ist, was da insgesamt in diesem Jahr gelaufen ist. Nur mal zu der einen oder anderen Veranstaltung zu gehen, reicht nicht, um im Grunde genommen hier auch politische Konzepte zu entwickeln: ‚Wie will ich was haben in dieser Stadt und wie will ich was weiterführen?' Dazu gehören politische Entscheidungen und da muss noch viel mehr passieren“ (AK V).

Ein entsprechender Stadtratsbeschluss sei in Mainz noch nicht erfolgt, wird jedoch als guter Ansatz erachtet. Bislang seien Stadtratsbeschlüsse nur in einzelnen Bereichen formuliert worden, z.B. für die Realisierung des Umweltbildungszentrums. Stadtrat und andere Gremien würden durch Sachstandsberichte jedoch stets informiert. Der 2012 gewählte Oberbürgermeister, der in seiner vorherigen Funktion als Staatssekretär für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur stark in Stadt der Wissenschaft eingebunden gewesen sei, habe während des gesamten Wahlkampfes akzentuiert, welche Chancen aus Forschung und Wissenschaft für Stadt und Region resultierten. Er wird von vielen Befragten als prädestiniert angesehen, um die wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung weiter zu begleiten und zu fördern. Hierdurch seien die Linie und die Nachhaltigkeit sowie der Stellenwert des Projektes gesichert.

„Herr Ebling hat – ganz entscheidend – im Hintergrund gewirkt, dass dieses Projekt umgesetzt wurde […]. Und von daher haben wir quasi unseren größten Promoter jetzt an der Stadtspitze stehen“ (LA I).

Die Haushaltslage sei jedoch schwierig. Insgesamt sei die Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt ein längerer Entwicklungsprozess:

„Es ist ein hohes Ziel. Das kann man natürlich nicht von heute auf morgen erreichen. Da gehört einfach noch viel Arbeit rein und ich denke, da muss man realistisch sein. Vielleicht ist die Euphorie vom Anfang bei einigen dem Realismus gewichen. Man muss sehen, dass es teilweise auch kleine Schritte sind“ (SA I).

Die Stadt könne sich immer darauf berufen, auf Stadt der Wissenschaft eine weiterführende Organisation gegründet zu haben, die sich entwickelt. Durch die 2011 erfolgten Wahlen befinde sich die Stadt zur Zeit der zweiten Befragungsrunde in einer Umbruchsituation. Der Stadtrat sei jedoch daran interessiert gewesen, was aus dem Jahr Stadt der Wissenschaft geworden sei. Viele Ämter arbei-ten in Studien mit der Wissenschaft zusammen. Das Bekenntnis und der Wille seien vorhanden. In einer Stadtvorstandssitzung sei einheitlich abgestimmt worden, dass die Stadt Mainz im Wissenschaftsjahr geschaffene Prozesse und Strukturen zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt unterstütze (vgl. Weiterführung der AK unter Netzwerke und Stadtentwicklung).

Neben dem Einbezug politischer Akteure sei es nach Ansicht eines Mitglieds des Lenkungsausschusses wichtig, den Dialog mit Unternehmen, Personalund Betriebsräten und den Gewerkschaften zu intensivieren und sie in den Gestaltungsprozess einzubeziehen.

Im Rahmen von Stadt der Wissenschaft und bei anderen Großprojekten (wie bspw. bei der Gestaltung der Innenstadt durch die Ansiedlung eines Einkaufszentrums) ließen sich neue Kommunikationsformen innerhalb der Stadt beobachten, die auch die Bürger einbeziehen – ganz im Sinne des Urban GovernanceAnsatzes (vgl. Kap. 2.3.5). Es werde ein Prozess der Teilhabe des Bürgers an Entscheidungen gewählt, an der Gestaltung seiner Lebensräume und der Zukunft seiner Stadt. Solche Prozesse führten zu Entscheidungen, mit denen versucht werde, verschiedene Interessenlager einzubeziehen und einen Kompromiss zu erzielen. Prozesse dieser Art würden sich weiter fortsetzen und seien sehr wichtig für das Gemeinwesen der Stadt, so ein Befragter des Lenkungsausschusses. Im Rahmen der Zukunftskonferenz wurden neue Möglichkeiten und Formen der Bürgerbeteiligung diskutiert und sich dafür ausgesprochen, keine neuen Instrumente der Bürgerbeteiligung zu schaffen, sondern vorhandene zu optimieren, bzw. besser und transparenter zu organisieren (OLDENBURG 2012: 26).

 
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