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Bildungsund Wissenstransfer in die Gesellschaft

Neben dem klassischen Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sollte der Transfer von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft hinein zur Verbesserung der Lebensbedingungen ein zentrales Ziel einer wissensbasierten Stadtentwicklung sein. Diesem Ziel wird im Rahmen der konzeptionellen Ansätze wenig Bedeutung geschenkt. Die Stadt Mainz hat sich in ihrem Antrag mit der besonderen Betonung des Aspekts der Chancengleichheit jedoch diesem Ziel verpflichtet (vgl. Vision 2030; Kap. 3.3). Neben dem Einbezug von Ergebnissen wissenschaftlicher Studien in die Stadtplanung geht es dabei um die Berücksichtigung wissenschaftsferner Bevölkerungsschichten als Zielgruppe für wissenschaftliche Veranstaltungsformate. Zur Realisierung dieser Ziele wurden zahlreiche Veranstaltungen, Projekte und Studien sowie die Transferstelle Bildung initiiert.

Viele Befragte verschiedener Gruppen erhoffen sich insbesondere von im Rahmen des Wissenschaftsjahres durchgeführten Studien positive, nachhaltige Effekte auf die Stadtentwicklung. Die in den Studien behandelten Themen seien von gesellschaftlicher Relevanz. Zu nennen seien u.a. die Migrationsstudie, eine Wohnraumund Sozialraumsowie eine Studierendenanalyse, durch die verschiedene Problemfelder – wie benachteiligte Stadtteile und Lebenslagen der Bevölkerung in Mainz – wissenschaftlich untersucht würden. Darüber hinaus würden Studien in den Bereichen Gesundheit und Bildungsgerechtigkeit durchgeführt. Ein AK-Leiter erklärt:

„Gibt es gesellschaftliche Fragestellungen, die dazu führen, dass Menschen unterschiedliche Möglichkeiten haben, an Bildung heranzukommen? Und da sind genau diese Studien, die wir gemacht haben, die richtigen und wichtigen“ (AK I).

Aufgabe der Kommunalpolitik werde es sein, die Ergebnisse der Studien als Handlungsfelder zu begreifen, sie zu kommunizieren – auch um die Bevölkerung zu sensibilisieren –, umzusetzen und damit zur verbesserten Lebenssituation der Bürger der Stadt beizutragen. Hierzu folgende Aussagen:

„Ziel [der Teilnahme am Wettbewerb] ist es, das Wissen in die Stadt zu bringen, den Bürgern das Wissen zur Verfügung zu stellen sowie Bürgern in Funktion – sei es in der Wirtschaft, in der Kommune, im Sozialamt – die Möglichkeit zu eröffnen, eine wissensbasierte Stadtentwicklung voranzutreiben“ (LA I).

Stadt der Wissenschaft bietet eine Chance, dass das Leben in der Gemeinschaft besser, menschlicher, mitmenschlicher orientiert werden kann“ (LA II).

Vor der Durchführung der Studien sei mit der Stadt abgesprochen worden, ob Interesse besteht, ob die Studien unterstützt und befürwortet werden. Studien würden erstellt, weil sie Konsequenzen haben müssten, bis hin zu Beschlüssen im Stadtrat, so ein AK-Leiter. So seien die Ergebnisse der Übergangsstudie im Stadtrat vorgestellt worden. Diese Studie sei umstritten gewesen und habe viele Diskussionen auch bei den Schulleitungen hervorgerufen, was von Seiten des AK-Leiters Gesellschaft als positiv angesehen wird. Auch die Ergebnisse der

Migrationsstudie seien in der Stadt präsentiert worden. Die betreffenden Ämter würden die Ergebnisse bereits in ihre Arbeit einfließen lassen. So sei die Studie zur Wohnraumversorgung in ein entsprechendes Handlungskonzept eingeflossen, das den Gremien vorgelegt werde. Auch die Transferstelle Bildung, die in viele Studien involviert sei, pflege einen intensiven Austausch mit der Sozialplanung der Stadt. Der Kuratoriumsvorsitzende resümiert:

„Für Studien und wissenschaftliche Untersuchungen haben sich die Hochschulen als Kooperationspartner der Stadtverwaltung weiter empfohlen. Hier soll verstärkt auf das vorhandene Know-how zugegriffen werden. Eine neue Offenheit gegenüber den Anliegen und Bedürfnissen auf beiden Seiten ist entstanden, die zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger eingesetzt werden kann. Angebote der Hochschulen zur Vermittlung wissenschaftlicher Themen werden gut besucht“ (K II).

Die Befragten erachten die Fortschreibung von Studien, wie der Übergangsstudie, als sinnvoll, um neben dem Status quo durch einen zeitlichen Vergleich Dynamiken feststellen zu können:

„Das wäre eine Schwäche, wenn solche Studien, die für uns [Amt für soziale Leistungen] auch sehr viel Aussagekraft hätten, nicht fortgeschrieben werden“ (AK I).

Erlebbare Wissenschaft habe es in der Stadt schon vor dem Titelgewinn gegeben und werde es weiterhin geben, so die Projektkoordination. Mit Stadt der Wissenschaft werde aber unter dem Stichwort Chancengleichheit der Versuch unternommen, Angebote auf andere Zielgruppen im Bereich Soziale Stadt zu erweitern.

„Ein Großteil der Bevölkerung steht in irgendeiner Weise mit uns in Kontakt und ich denke, das sind die Leute, die unsere Angebote wahrnehmen. Aber es gibt darüber hinaus viele, die mit Uni nichts zu tun hatten und vielleicht auch keine Zeitung lesen. Das ist auch eine Zielgruppe, die wir erreichen wollen, indem wir jetzt mit Veranstaltungen in Grundschulen in der Neustadt gehen. Wir werden drei Kinderunis in der Neustadt veranstalten, wir werden ein Co-Projekt mit einer Grundschule in der Neustadt durchführen, zusammen mit der entsprechenden Beauftragten. […] Wir sind auch in den NeustadtRat gegangen, um zu schauen, wie sich eine Zusammenarbeit weiter ausbauen lässt“ (LA I).

Um bildungsfernen Schichten, insbesondere Kindern und Jugendlichen, Wissenschaft zugänglich zu machen, werden einerseits Beziehungen zwischen einzelnen Bildungsstätten (im engeren Sinne), andererseits zwischen Bildungsstätten wie Schulen und Einrichtungen wie Museen geschaffen. Auf diese Weise solle ein Zugang zu verschiedenen Themenfeldern, in denen sich Wissenschaft manifes-tiert, geboten werden. Der Einbezug von Schulen sei aber stark vom Vorhandensein engagierter Lehrender abhängig.

„Diese beiden Richtungen gibt es: Kinder und Jugendliche zu den Bildungseinrichtungen zu holen oder die Bildungseinrichtungen kommen in die Schulen oder in die entsprechenden Jugendzentren. Beide Richtungen sind möglich und das soll auch so geschehen“ (AK IV).

Auch im Rahmen der Zukunftskonferenz wurde die Frage diskutiert, welche Rolle Wissenschaftseinrichtungen spielen können, um diesen Bildungsund Wissenstransfer in die Gesellschaft hinein zu leisten und wie Bildungschancen optimiert werden können. Institutionalisierte Kooperationen von Bildungsanbietern und Bildungsempfängern seien hierfür wichtig. Eine stärkere Teilhabe der Bürger am Bildungsund Wissenstransfer könne durch ein höheres Maß an Institutionalisierung von Bildungsangeboten aller Bildungsträger erreicht werden. Bildungsferne Bürger gelte es besonders zu berücksichtigen. Als Möglichkeiten der Verortung von Angeboten des Bildungsund Wissenstransfers seien Ideen geäußert worden, wie ein Bildungscafé für Jugendliche, ein Haus der Wissenschaft, mobile Angebote für Kinder (z.B. Kinderuni vor Ort) sowie ein ScienceCenter. Hochschulen könnten gemeinsam mit Unternehmen Modelle der Berufsorientierung entlang des Bildungsweges kommunizieren. Qualitätssiegel sollten erfolgreiche Angebote kennzeichnen (OLDENBURG 2012: 15).

Die Ergebnisse der im Rahmen von Stadt der Wissenschaft durchgeführten Studien sind in stärkerem Maße in Konzepten der Stadtplanung und -entwicklung zu berücksichtigen, um die Chancengleichheit verschiedener Gruppen der Stadt und die Lebensbedingungen der Bürger zu verbessern.

 
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