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Fortführung von Maßnahmen, Projekten und Veranstaltungsformaten

Durch Maßnahmen, Projekte und Veranstaltungsformate in verschiedenen durch die Säulen des Wettbewerbsantrags definierten Themenfeldern sollen nachhaltige, positive Effekte des Wissenschaftsjahres auf die Stadt Mainz spürbar werden (vgl. Kap. 4.2.4). Hohe Erwartungen liegen auf Großprojekten, wie den themenbezogenen Transferstellen (Bildung und Wissenschaft: Transferstelle Bildung; Wirtschaft und Wissenschaft: Transfercafé), die über 2011 hinaus weitergeführt werden und dem Umweltbildungszentrum.

Viele AK-Leiter erklären, dass einzelne Projekte ggf. auch ohne den Titelgewinn realisiert worden wären. Der Titelgewinn habe jedoch den Prozess erheblich befördert, weil Ressourcen zur Verfügung gestanden hätten und entsprechende Partner hätten motiviert werden können.

Viele Aktivitäten, die im Rahmen von Stadt der Wissenschaft geplant worden seien, zögen sich in das nächste Jahr, viele würden aktiv fortgeführt, neue entwickelten sich aus den entstandenen Kontakten. Nach den Erfahrungen mit Stadt der Wissenschaft würden Projekte z.T. entsprechend inhaltlich und strukturell optimiert fortgeführt, so ein Mitglied des Lenkungsausschusses:

„Das ist ein Effekt von Stadt der Wissenschaft: Wir agieren jetzt einfach auf einem höheren Niveau. Die Aktivitäten sind viel stärker an den Bedarf angepasst und nutzen die Möglichkeiten der Kooperationen“ (LA I).

Fast die Hälfte der befragten AK-Mitglieder (49 %) führe ihre im Rahmen von Stadt der Wissenschaft entwickelten Projekte und Veranstaltungsformate nach 2011 weiter, so das Ergebnis der zweiten Online-Befragung.[1] Beispiele hierfür seien Ausstellungen wie Moving types, ein Projekt, das aufgrund des großen Zuspruchs bis August 2012 verlängert worden und zur Zeit der Befragung in Schwäbisch Gmünd zu sehen sei. Ein weiteres Projekt, das fortgeführt werde, sei die 3D-Visualisierung des mittelalterlichen Mainzer Kaufhauses am Brand. Darüber hinaus Studien, wie die Migrationsstudie und Projekte im Bildungsbereich. Im Gesundheitsbereich würden als Konsequenz aus dem Wissenschaftsjahr u.a. Fachtagungen zum Thema Demenz und Pränataldiagnostik durchgeführt.

Durch die im Rahmen des Wissenschaftsjahres entstandenen Kontakte seien bereits Folgeprojekte angestoßen worden, die eine Bereicherung für alle Beteiligten darstellten, bekräftigen auch andere Befragte. Im Bereich außerschulische Lernangebote habe es ein sehr großes Angebot des AK Jugend bzw. seines Unter-AK Farben gegeben, der aktiv weitergeführt werde. Die 2011 etablierten, von verschiedenen Institutionen zu einem Thema veranstalteten Familientage würden fortgeführt.

Auch über die Fortführung des sehr erfolgreich durchgeführten Großprojektes Elternalarm werde diskutiert. Im Rahmen dieser Initiative hätten über 3.000 Eltern von Studierenden drei Tage lang die Stadt Mainz besucht. Vorbild sei die Stadt Münster gewesen, die diese Initiative seit 2005 durchführe. Elternalarm sei ein Projekt, von dem neben der Universität die Stadt bzw. der Tourismus (aufgrund des kulturellen Rahmenprogramms) erheblich profitiert habe.

Künftige Projekte könnten von einer Struktur, wie sie im Rahmen von Stadt der Wissenschaft aufgesetzt worden sei, erheblich profitieren: Beim Aufkommen neuer Ideen werde nun unmittelbar überlegt, welche Akteure zum Mitwirken gewonnen werden könnten, um das Projekt breiter aufzustellen und eine größere Wirkung zu erzielen.

Aus dem AK Kultur wird geäußert, dass noch keine geordnete Diskussion zur Fortführung von Projekten und Veranstaltungsformaten stattgefunden habe, es gebe aber Überlegungen, z.B. einen gemeinsamen Flyer zum Themenschwerpunkt Kulturelles Erbe / Archäologie herauszugeben. Auch seien Kooperationen durch die Museumspädagogik angedacht. Durch Stadt der Wissenschaft sei eine ganze Menge von potentiellen Kooperationsprojekten denkbar. Verschiedene Projekte seien mit verschiedenen Akteuren in der Diskussion, so der Leiter des AK Kultur.

„Gemeinsame Projekte entstehen mit absoluter Sicherheit aus den entstandenen Kontakten […]. Was unsere Zusammenarbeit in Mainz auszeichnet: Wir sind alle insgesamt relativ klein, wir arbeiten hier wirklich in Netzwerken zusammen. Und die funktionierenden Netzwerke – jetzt operativ – sind nicht die, wo immer jeder alles machen muss“ (AK III).

Die Weiterführung einiger Veranstaltungen, wie des Wissenschaftlichen Mittwochs im Rahmen des Sommerprogramms Mainz lebt auf seinen Plätzen[2], wird vom Kuratoriumsvorsitzenden als erstrebenswert erachtet sowie der Science Slam, als innovative Veranstaltungsform der Wissensvermittlung.

Neben neuen Veranstaltungen würden aber v.a. etablierte Formate wie Universität im Rathaus, Wissenschaftsmarkt, Night of the Profs, Kinderuni und die Museumsnacht fortgeführt. Ziel von Stadt der Wissenschaft sei nicht die Entwicklung neuer Veranstaltungsformate gewesen. Durch Stadt der Wissenschaft hätten Aktivitäten eine höhere Qualität erhalten, seien gebündelt und sichtbar gemacht worden. Wesentlich sei die entstandene Netzwerkstruktur, so mehrere Befragte.

Vom Stadtrat sei beschlossen worden, einen Forschertag durchzuführen, in dessen Rahmen Wissenschaft barrierefrei in alle städtischen Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, zu bringen sei. Befragte berichten in diesem Zusammenhang von der Idee des Navi-Mobils[3]: ein naturwissenschaftlicher Truck mit Experimenten zu den Themen Nachhaltigkeit, Ökologie und Gentechnik, der nicht nur Schulen, sondern auch Jugendzentren und verschiedene Stadtteile anfahren und dort für Bürger offen sein solle. Mit den Experimenten würden Personen unterschiedlicher Altersstufen und mit unterschiedlichen Kenntnisständen angesprochen. Auch eine Kombination mit einem Besuch von Schülern an der Universität sei denkbar. Aufgrund der beschränkten finanziellen Ausstattungsmöglichkeiten sei der Bedarf von Schulen an solchen Angeboten sehr groß, gerade was die Naturwissenschaften betreffe. Netzwerke aus dem Wissenschaftsjahr würden im Rahmen der Entwicklung solcher Konzepte bereits genutzt. Maßnahmen wie das Navi-Mobil zeigten, dass Stadt der Wissenschaft auch politisch nach 2011 nicht beendet sei, da versucht werde, in Anschlussprojekten weiterzuarbeiten.

Viele AK-Mitglieder führen als Handlungsempfehlung die Fortführung von im Rahmen von Stadt der Wissenschaft entwickelten erfolgreichen Prozessen und Projekten an. Es gelte, einen Impuls zu setzen, wie es weitergehe, und zu signalisieren, dass Ideen zumindest teilweise umgesetzt würden. Auch bedürfe es einer Festlegung, welche Maßnahmen realisiert werden sollen. Hierfür müssten ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das Vorhandensein eines zentralen Ansprechpartners für die Fortführung von Maßnahmen wird als wichtig erachtet.

Im Rahmen der Zukunftskonferenz wurde mit Blick auf die Kommunikation von Projekten und Veranstaltungen festgehalten, dass Zielgruppen genauer definiert und zielgruppenorientierte Ansprachen entwickelt werden müssten. Bereits bei der Konzeption von Formaten seien Wirkungen und deren Messbarkeit zu berücksichtigen (OLDENBURG 2012: 17). Um die Zielgruppen unterschiedlicher gesellschaftlicher Teilbereiche zu erreichen, wurden folgende Ideen formuliert:

Ÿ „‚Haus/Schaufenster der Wissenschaft' in der Stadt“

Ÿ „Virtueller Markplatz/Börse von Dienstleistungen“, die Hochschulen der Wirtschaft anbieten könnten (z.B. Abschlussarbeiten)

Ÿ „Gezielte Ansprache der 14bis 18-Jährigen mit ‚self-directed' niedrigschwelligen Angeboten (Abenteuercharakter, projektbezogen, Beispiel

‚Wissenschafts-Camp')“ (OLDENBURG 2012: 18)[4].

Um die Wirtschaft stärker in Formate einzubinden, sollen nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer der Zukunftskonferenz weitere Unternehmen (auch nichtforschende) als assoziierte Mitglieder in die Wissenschaftsallianz aufgenommen werden. Neben der Einrichtung einer Börse für Abschlussarbeiten werden eine Dienstleistungsbörse bzw. Dienstleistungsscouts oder ein (aktives) Transferbüro angeregt, um insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen und größere Handwerksbetriebe zu kontaktieren. Auch regelmäßige informelle Gesprächskreise von Jungwissenschaftlern mit Firmenvertretern sowie Gründerbetreuung werden in diesem Zusammenhang angeführt (OLDENBURG 2012: 19). Der Fokus müsse auf der Zielgruppe „Youngster“ (14bis 18-Jährige) liegen, bspw. durch eine gezieltere Vorstellung der Hochschulen in Gymnasien mit aktiver Studienund Berufswahlberatung sowie offenen Angeboten (OLDENBURG 2012: 20).

Die Halbjahresprogramme im Rahmen von Stadt der Wissenschaft und der Internetauftritt seien wertvoll gewesen. Auch künftig sollte Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam betrieben werden (OLDENBURG 2012: 17). Ein einheitlicher Auftritt von Projekten, die fortgeführt werden, aber auch von neuen Projekten unter dem Logo Mainz – Stadt der Wissenschaft wird im Rahmen der Befragung von der Projektkoordination empfohlen.

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres hätten viele Akteure Maßnahmen, Projekte und Veranstaltungen in Form von Sponsoring unterstützt, die zu einem anderen Zeitpunkt bzw. unter anderen Bedingungen hierzu vielleicht nicht bereit gewesen seien. Befragt nach Zusagen von Sponsoren, ihr Engagement nach 2011 weiterzuführen, wird berichtet, dass im Rahmen des Wissenschaftsjahres Kontakte zu z.T. bedeutenden Wirtschaftsakteuren geknüpft bzw. intensiviert worden seien, die nachhaltig Bestand hätten. Es sei eine große Offenheit zu spüren. Langfristige Kooperationsverträge seien nicht abgeschlossen, sondern Sponsoring nur für die Projekte des Wissenschaftsjahres vereinbart worden. Lediglich konkrete Projektideen könnten an die Wirtschaft herangetragen werden. Als positiver Effekt des Wissenschaftsjahres wird verzeichnet, dass bei künftigen Sponsoring-Anfragen bereits eine gemeinsame Basis vorhanden sei. Der Kuratoriumsvorsitzende resümiert:

„Die entstandenen Netzwerke und Bindungen, auch hinsichtlich des Sponsorings einiger Unternehmen, haben Bestand. So wurden im vergangenen Jahr sowohl im Gutenberg-Museum als auch im NHM Ausstellungsprojekte in Kooperation mit Wissenschaftseinrichtungen entwickelt, aber auch mit Unterstützung von Sponsoren aus der regionalen und lokalen Wirtschaft. Als Beispiele sind hier Boehringer Ingelheim zu nennen, die Stadtwerke Mainz AG oder auch IBM“ (K II).

  • [1] n = 51
  • [2] Mainz lebt auf seinen Plätzen wurde bereits 1976 vom damaligen Sozialdezernenten initiiert. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe findet in der Mainzer Innenstadt ein vielfältiges Programm statt (Landeshauptstadt Mainz 2014n)
  • [3] Entwickelt vom junior campus mainz zusammen mit zwei Biologen der JGU
  • [4] Alle Zitate wurden der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst
 
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