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Netzwerke und Stadtentwicklung

Die Kommunikation und Netzwerkbildung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen zu verstärken, bildet in den Konzepten zur wissensbasierten Stadtentwicklung – wenngleich vorrangig unter ökonomischen Gesichtspunkten – und im Rahmen des Wettbewerbs ein zentrales Element. Nachhaltige Wirkungen des Titelgewinns werden auch von Seiten aller Befragtengruppen zunächst im Bereich der Netzwerke zwischen Akteuren verschiedener gesellschaftlicher Bereiche der Stadt gesehen, die sich durch den Bewerbungsprozess und während des Wissenschaftsjahres neu gebildet oder verfestigt hätten und künftig bestehen würden (vgl. Kap. 4.2.5 bis 4.2.7).

Die neue Netzwerkbildung sowie die mit ihr verbundene Bündelung von Kompetenzen und Ideen an einem Tisch, die zwischenmenschlichen Beziehungen und der Aufbau von Vertrauen werden als besondere Stärken des Wissenschaftsjahres hervorgehoben. Eine neue Basis der Zusammenarbeit sei durch das Kennenlernen von Akteuren sowie der Möglichkeiten, die innerhalb der Stadt vorhanden seien, entstanden. Zuvor seien Akteure häufig nicht oder zumindest nicht persönlich bekannt gewesen. Folgende Aussagen sind hierfür kennzeichnend:

„Wenn ich weiß, wer sich womit beschäftigt, welche Möglichkeiten der Kooperation es gibt, ist das sicher eine Stärke – auch, dass Barrieren abgebaut werden“ (AK II).

„Dass man miteinander im Gespräch ist und kennenlernt, was in anderen Bereichen zu dieser Thematik läuft. Den Austausch halte ich zunächst einmal für das Entscheidende, dann das Sammeln und anschließend gemeinsame Entwickeln von Konzepten“ (AK V).

Zugleich wird von vielen Akteuren bestätigt, dass bereits vor dem Bewerbungsprozess gute Netzwerkstrukturen in Mainz etabliert gewesen seien. Insbesondere durch die Wissenschaftsallianz sei ein Netzwerk vorhanden, das sich regelmäßig treffe und erfolgreich Veranstaltungen wie den Wissenschaftsmarkt realisiere.

Insgesamt werden Netzwerke von Seiten der Akteure als Attraktivitätsgewinn für den Standort und damit als Standortfaktor erkannt und als wichtige Grundlage für eine positive Stadtentwicklung wahrgenommen, wie folgende Aussagen zeigen:

„Ich denke schon, dass z.B. Verbindungen der wissenschaftlichen Einrichtungen zu kommunalen Einrichtungen aufgebaut werden, die dann auch darüber hinaus Bestand haben werden und dadurch eine stärkere Durchdringung von Wissenschaft und städtischem Leben erfolgt. Und auch, dass wir die Wirtschaft hier am Standort stärker in dieses Geschehen mit den Wissenschaftsinstitutionen werden vernetzen können, was sich mittelund langfristig positiv auf die Stadtentwicklung und die Attraktivität des Standorts auswirken wird“ (AK II).

„Ich sehe die Chancen für eine neue Generation von kommunalen Politikern. Perspektiven ergeben sich für Mainz als Stadt der Wissenschaft im Ineinanderfließen von verschiedenen Netzwerken und für die Bedeutung der Stadt in der Rhein-MainRegion“ (LA II).

„Eine wichtige Erkenntnis ist sicher die Erfahrung, dass nur in der Bündelung von Aktivitäten und der Weiterführung und Entwicklung der aufgebauten Netzwerke gemeinsam ein Mehrwert geschaffen werden kann“ (K II).

Ein wichtiger Aspekt, der die zukünftige Stadtentwicklung bestimmen soll, ist aus Sicht der AK-Leiter, sich auf kurzem Weg begegnen zu können, wie im Rahmen der AK-übergreifenden Treffen. Ein solcher persönlicher Austausch, der auch in den konzeptionellen Ansätzen als wesentlich für eine positive Regionalentwicklung hervorgehoben wird, bedeute eine Qualität an sich und solle in Zukunft weiterentwickelt werden, auch, um neue Projektideen umzusetzen. Hierzu folgende Anmerkung:

„Trotz der ganzen neuen Kommunikationswege und Medien ist natürlich das persönliche Kennen und Zusammenarbeiten von anderer Qualität“ (AK II).

Neben der Bestätigung, dass sich im Rahmen von Stadt der Wissenschaft neue Netzwerke gebildet und bestehende verfestigt haben, werde durch das Engagement der Akteure und die gesamte Atmosphäre ein starkes Gemeinschaftsund Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Stadt wahrgenommen, dem in Konzepten wie dem Kreativen Milieu ebenfalls eine wichtige Bedeutung mit Blick auf eine positive Regionalentwicklung zugesprochen wird.

„Ich habe ein neues Wir-Gefühl in der Stadt wahrgenommen, damit meine ich v.a. die städtischen Verantwortlichen, aber auch etliche in diesem Randbereich Wirtschaft usw. […]. Das ist für uns ganz wesentlich, etwas, das Projekten in unserem Bereich neue Kraft gibt, neue Partner und neue Sympathie verschafft, die sie vorher nicht hatten“ (AK III).

„Ich glaube, dass alle Akteure in Mainz sehr stark zusammengewachsen sind. Wer bei der Bewerbung in Berlin dabei war: angefangen von Gundula Gause über viele andere, die sofort bereit waren, für die Stadt Mainz in die Bresche zu springen und die Visitenkarte abzugeben. Das hat dazu beigetragen, dass es einen unheimlich gro-ßen Zusammenhalt gab und nach wie vor gibt. Die Stadt Mainz zeigt sich dadurch als Wissenschaftsstadt vielleicht auch ein Stück weit selbstbewusster. Das hat für weitere Bewerbungen mit Sicherheit auch seinen Vorteil“ (LA V).

Das „Klima des Miteinanderredens“ (LA II) in Mainz habe sich im Rahmen des Wissenschaftsjahres verbessert:

„Wir reden miteinander. Und gewinnen daraus neue Erkenntnisse“ (LA II).

Die befragten Akteure zeigen sich optimistisch, dass die Netzwerke – zumindest

z.T. – über das Wissenschaftsjahr hinaus Bestand haben werden. Einige langfristig angelegte Maßnahmen, wie die Transferstellen oder das Umweltbildungszentrum, unterstützen dies, indem sie für eine entsprechende Struktur und Institutionalisierung der Netzwerke Sorge tragen:

„Das was sich hier entwickelt sollte Bestand haben und da komme ich aufs Umweltbildungszentrum zurück. Es soll allen, die an diesem Netzwerk mitwirken, auch zukünftig die Möglichkeit geben, das, was sie machen, zu präsentieren und auch darüber zu informieren“ (AK V).

Die Bereitschaft der Befragten, sich auch über 2011 hinaus an den Netzwerken und Projekten zu beteiligen, ist nach eigenen Aussagen sehr hoch, z.T. bedingt durch die berufliche Tätigkeit. Den meisten Akteuren sei es darüber hinaus ein persönliches Anliegen:

„Das, was wir hier aufbauen, sind nachhaltige Netzwerkstrukturen. Entscheidend für mich: möglichst breite Netzwerke und Koalitionen für bestimmte Themen zu finden und diese sollen nachhaltig sein“ (AK III).

Auch im Rahmen der Online-Befragung der AK-Mitglieder wurde die Frage nach den Effekten und nachhaltigen Wirkungen des Titelgewinns auf die Stadtentwicklung in Form einer offenen Frage gestellt. Hierbei überwiegen ebenfalls Aussagen zu Netzwerken und Kooperationen wie „Entwicklung von Partnerschaften“, „Intensivere Zusammenarbeit von Institutionen im Bereich Wissenschaft, Bildung und Kultur“ und „Entwicklung neuer kooperativer Arbeitszusammenhänge über die Laufzeit der Stadt der Wissenschaft hinaus“ (AKM).

Durch Stadt der Wissenschaft hat sich die Kommunikation, Zusammenarbeit und Netzwerkbildung innerhalb gesellschaftlicher Subsysteme der Stadt verstärkt, ein Gemeinschaftsgefühl ist entstanden, so berichten die Befragten. Diese Aspekte bilden in mehrfacher Hinsicht eine zentrale Grundlage einer Wissenschaftsstadt (vgl. Kap. 2.3.4). Mit Gründung der Wissenschaftsallianz im Jahr 2008 und den z.T. seit Jahrzehnten bestehenden Veranstaltungsformaten sei die wissensbasierte Stadtentwicklung bereits vor dem Wettbewerb angegangen worden. Die durch den Titelgewinn angestoßene bessere Kommunikation und die Schaffung neuer Strukturen (z.B. durch die Etablierung der Transferstellen) sollen für eine breitere Aufstellung und Optimierung der Entwicklung Sorge tragen. So plädieren die AK-Mitglieder mit Blick auf die Fortführung entstandener Kooperationsund Kommunikationsstrukturen im Rahmen der OnlineBefragung für die Beibehaltung der Aktivitäten zur Netzwerkbildung, insbesondere der AK, um Akteure auch künftig zum Erfahrungsaustauch zusammenzuführen und neue Projekte anzuregen. Für die AK-Treffen seien jedoch konkrete Zielvorgaben erforderlich. Der Austausch zwischen den AK solle zudem weiterhin gefördert werden. Ein Befragungsteilnehmer spricht sich für die Einrichtung einer gemeinsamen Plattform für kontinuierliche Kooperationsmöglichkeiten zwischen Stadt und Hochschule aus. Um die Kommunikation zwischen Stadt und Hochschule zu verbessern, wird zudem die Idee eines Runden Tisches formuliert. Auch die Wissenschaftsallianz wird in diesem Zusammenhang als Ansatzpunkt angeführt. Auffällig sei der Wunsch der Akteure nach Kommunikation und deren Verortung, so ein Mitglied des Lenkungsausschusses:

„Vielen reicht eben doch die elektronische Form der Kommunikation nicht. Sie möchten gerne einen persönlichen Austausch haben. Und ich glaube, das muss die Stadt auf jeden Fall im Auge behalten“ (LA IV).

Eine übergeordnete Struktur zur institutionalisierten Weiterführung und Bündelung der entstandenen Netzwerke wird gefordert. Des Weiteren wird eine stärkere Kommunikation mit Bürgern und Studierenden angeregt, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres aus Sicht einiger Befragter lediglich als Empfänger von Informationen betrachtet worden seien (vgl. Einbezug verschiedener Akteure).

 
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