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Standortmarketing und Kommunikationsstrategie

Das Thema Wissenschaft habe im Stadtmarketing bereits vor der Bewerbung um den Titel eine zentrale Rolle gespielt und sei auf verschiedenen Wegen kommuniziert worden, wie z.B. über die Imagebroschüre oder die Internetseite der Stadt Mainz. Durch das Wissenschaftsjahr erhalte das Thema eine neue, höhere Intensität und eine neue Qualität im Rahmen des Stadtmarketings und der Stadtentwicklung.

Das mit dem Wissenschaftsjahr verfolgte Ziel, Mainz als Wissenschaftsstadt stärker nach innen und außen zu kommunizieren, werde weiterverfolgt. Im Standortmarketing und der Kommunikationsstrategie der Stadt werde der Aspekt der Wissenschaftsstadt auch künftig einen besonderen Stellenwert einnehmen, so die Leitung des AK Medien. Die am Wissenschaftsjahr Beteiligten setzten sich nach wie vor hierfür ein. Die Mitarbeiter im städtischen Amt seien entsprechend instruiert, erklärt ein Interviewpartner. Die Homepage des Wissenschaftsjahres werde als gemeinsame Plattform weitergeführt.[1] Der Veranstaltungskalender aller Wissenschaftsund Bildungseinrichtungen sei in den Auftritt integriert und werde mit den Homepages der großen Institutionen, wie der Wissenschaftsallianz, verlinkt, damit der Faktor Wissenschaft sichtbar bleibe. Der Gesamtveranstaltungskalender der Stadt Mainz erhalte eine eigene Rubrik Wissenschaft. Auch der Wissenskompass[2] der Projekt-Homepage, der im Rahmen des Wissenschaftsjahres Wissensorte in der Stadtkarte – strukturiert nach Wissensgebieten – angezeigt habe, werde beibehalten und durch die Institutionen weiterhin gepflegt. Die Online-Redaktion werde – mit Wissen um die Notwendigkeit einer nachhaltigen Kommunikation des Themas Wissenschaft – entsprechende Veranstaltungen immer wieder hervorheben. Das Thema Wissenschaft sei in der Imagebroschüre präsent. Auch das Stadtmagazin, das zweimal jährlich erscheine, werde sich wie in der Ausgabe vom Februar 2011 dem Thema Stadt der Wissenschaft widmen.

„Wir benutzen das natürlich im Stadtmarketing. So schreiben wir bspw. in unserer internationalen Great Wine Capital-Gewinnerbroschüre in dem kleinen Text ‚Was ist Mainz' […]: ‚Mainz wurde 2011 als deutsche Stadt der Wissenschaft ausgezeichnet.' Das sagen wir mit Stolz. Das ist so etwas, das in die Annalen unserer Stadtgeschichte eingeht“ (AK II).

Der Kuratoriumsvorsitzende und Oberbürgermeister berichtet, dass der Faktor Wissenschaft auch im Rahmen der Ansiedlungspolitik (z.B. auf der Immobilienmesse Expo Real) und der Tourismuswerbung künftig deutlicher kommuniziert werde. An einem geeigneten Angebot für die Zielgruppen werde bereits gearbeitet.

Die Beispiele zeigen, dass durch das Wissenschaftsjahr gute Grundlagen für eine auf Wissenschaft ausgerichtete Standortmarketingund Kommunikationsstrategie gelegt wurden, die eine nachhaltige Nutzung erfahren. Auch dürfe nach Abstimmung mit dem Stifterverband die Stadt Mainz den Titel Stadt der Wissenschaft ohne Jahreszahl weiterführen.

Den beschriebenen Effekten in den Bereichen Imagegewinn als Wissenschaftsstadt sowie Standortmarketing und Kommunikationsstrategie lässt sich folgende Handlungsaufforderung zuordnen: Wissenschaft auch über das Wissenschaftsjahr hinaus neben den anderen Imagefaktoren und Marketingfeldern der Stadt stärker zu positionieren. Die Herausstellung entsprechender Faktoren, die das Image der Wissenschaftsstadt stützen, sei für die gesamte Stadt entschei-dend. Auch die Universität benötige, als eine der zehn größten Universitäten Deutschlands, ein anderes Stadtimage, so ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Nach Meinung vieler Befragter seien die Potenziale der Wissenschaftsstadt nicht hinreichend bekannt. Erfahrungen im Rahmen von überregionalen Zusammenkünften – bspw. mit anderen Forschungsorganisationen – zeigten, dass Mainz noch nicht das Ansehen habe wie andere Orte der Wissenschaft. Das Vorhandensein großer forschender Unternehmen und namhafter wissenschaftlicher Einrichtungen oder auch die Größe der Universität und das daraus resultierende Fachkräftepotenzial seien stärker publik zu machen, ebenso Forschungsbereiche, in denen die JGU z.T. international führend sei (vgl. Kap. 3.2).

Um die stärkere Wahrnehmung der Stadt als Wissenschaftsstadt dauerhaft aufrechtzuerhalten, müssten – neben verstärkten Werbemaßnahmen – wissenschaftliche Akteure sich weiterentwickeln und in bestimmten Bereichen die Themenführerschaft erlangen, was viele Einrichtungen tun würden, bspw. die Universität mit der Exzellenzinitiative, so eine AK-Leitung.

„Es kann uns gelingen, weiterhin zu sagen: ‚Wir gehören zu den Städten, die führend sind bei der Wissensvermittlung aus der Forschung heraus'. Da sind wir z.B. ziemlich gut unterwegs. Aber das wird nicht so einfach bleiben. Das wird sofort vergessen, wenn man nichts tut – und zwar in großem Stil. Es hilft nicht, dass man die eine oder andere Veranstaltung macht oder einen Wissenschaftsmarkt dort und da. Es müssen sich z.B. die Museen erneuern oder das Archäologische Zentrum entsteht oder die Universität erhält ein neues Cluster und Sachen in dieser Größenordnung“ (AK III).

Zur besonderen Profilierung der Stadt Mainz im Rahmen ihrer strategischen Weiterentwicklung als Wissenschaftsstadt sind Forschungsschwerpunkte zu eruieren, zu stärken und bekannt zu machen. Neben der medizinischen Forschung, der Archäologie und den Geschichtswissenschaften seien die Medienund Kreativwirtschaft solche Schwerpunkte, so der Kuratoriumsvorsitzende und Oberbürgermeister der Stadt Mainz. Im Rahmen der Zukunftskonferenz wurde festgehalten, dass die personalisierte Medizin einen Forschungsschwerpunkt mit weltweitem Interesse darstelle. Der Bereich Bioinformatik sei außerhalb der Tumormedizin noch zu schwach besetzt. Zur Stärkung des Schwerpunktes seien eine internationale Zukunftskonferenz in Mainz und die Ausdehnung auf andere Bereiche der Medizin angeregt worden (OLDENBURG 2012: 12). Durch neue, groß angelegte Studien könne sich die Universitätsmedizin in Mainz noch stärker einfügen und Menschen dafür gewinnen, sich zu beteiligen. Forschungsprojekte dieser Art machten die Region interessant als Forschungs-, Wissenschaftsund Wirtschaftsregion, erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses im Rahmen der Befragung. Im Medienbereich bestehe aus Sicht der Diskussionsteilnehmer der Zukunftskonferenz Handlungsbedarf hinsichtlich einer Fokussierung auf Forschungsthemen sowie in einer besseren Vernetzung. Medien könnten zudem stärkeren Einsatz bei der Kommunikation anderer Forschungsbereiche finden (OLDENBURG 2012: 12).

Aus Sicht eines AK-Mitglieds sei die „Akzeptanz in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft“ (AKM) entscheidend, um eine Stärkung des Wissenschaftsstandortes zu erzielen. Zur weiteren Förderung des Zukunftsfaktors Wissenschaft wird eine „Erhöhung der Ausgaben in Wissenschaft, Bildung und Forschung“ (AKM) sowie die „betriebsfähige Stabilisierung städtischer wissenschaftlicher Einrichtungen“ (AKM) gefordert. Eine Profilschärfung als Wissenschaftsstadt müsse jedoch auch außerhalb der naturwissenschaftlichen Spitzenforschung erfolgen. Auch kleine Akteure seien bei Förderungen zu berücksichtigen, so die Forderungen einzelner AK-Mitglieder im Rahmen der OnlineBefragung.

Neben einer Stärkung der Forschungsschwerpunkte und einer Erhöhung der Außenwahrnehmung müsse die Sichtbarkeit von Wissenschaft im Alltag der Stadt gestärkt werden, „die Erlebbarkeit, die Sichtbarkeit von Universität und Fachhochschule und von der Wissenschaft ganz allgemein im Stadtzentrum“ (LA V). Wissenschaft müsse als Mainzer Tradition deutlicher kommuniziert werden, so Befragte verschiedener Gruppen. Aus Sicht eines Mitglieds des Lenkungsausschusses werde das Thema Wissenschaft aufgrund des am Innenstadtrand liegenden Campus in der Innenstadt nicht erlebbar. Es gelte, ein entsprechendes Angebot zu schaffen und auf die Forschungsbereiche am Standort zu verweisen, um das Interesse der Bevölkerung zu wecken. Im Sinne eines Wissenstransfers werden die Planung und die Umsetzung von kreativen, gut aufbereiteten Ausstellungen als wichtig erachtet. Orte des Wissenstransfers seien damit u.a. Museen der Stadt und ihrer Umgebung. Die Idee, eine Art Bürgerhaus der Wissenschaft zu schaffen (wie in den Wissenschaftsstädten Braunschweig und Bremen), ist für viele Akteure zur Sicherung der Nachhaltigkeit und Imagepflege wesentlich. Die alte Universität sei der ideale Standort, um ein Wissenschaftsmanagement aufzubauen. Hier könnten Ideen, die an den Universitäten des Landes entwickelt werden, zusammengeführt und auf ihre Umsetzbarkeit in die Wirtschaft überprüft werden, in unmittelbarer Nähe zu den Ministerien, den Kammern der Wirtschaft und in der Nähe des Rathauses „als Sinnbild der Einbeziehung der Bürger, des Bürgersinns“ (LA II), so ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Andere Befragte bezweifeln, dass solche Einrichtungen die richtige Maßnahme zur Fortführung darstellen und schätzen die Realisierung eines solch kostenintensiven Hauses als unwahrscheinlich ein.

Das Wissenschaftsjahr habe den Stellenwert von Wissenschaft für eine positive Weiterentwicklung der Stadt verdeutlicht. Ziel sei es, durch die entstande-nen Netzwerke gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Einrichtungen wie Museen weiter daran zu arbeiten, Wissenschaft am Standort voranzutreiben, Mainz als Wissenschaftsstandort weiter auszubauen und seine Wahrnehmung zu steigern.

  • [1] stadt-der-wissenschaft-mainz.de
  • [2] stadt-der-wissenschaft-mainz.de/wissenskompass.html
 
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