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Imagegewinn als Wissenschaftsstadt – Innenund Außenwahrnehmung

Der Titelgewinn trägt laut Stifterverband dazu bei, das Image der Gewinnerstädte als Wissenschaftsstadt zu stärken (vgl. Stifterverband o.J.: 3). Der Imagegewinn als Wissenschaftsstadt nach außen und die stärkere Wahrnehmung sowie der gestiegene Stellenwert von Wissenschaft innerhalb der Stadt Mainz werden von vielen Befragten als wichtige Effekte der Auszeichnung angeführt und von einem Mitglied des Lenkungsausschusses als „Hauptgewinn“ (LA V) bezeichnet. Als Indikatoren hierfür werden herangezogen:

Ÿ die hohe Präsenz der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt in den Medien,

Ÿ der erhöhte Stellenwert der Wissenschaft bei lokalen Akteuren, der auch zu einer Bekanntmachung der Wissenschaftsstadt über die Grenzen der Stadt hinaus führt,

Ÿ die Erhöhung des Bekanntheitsgrads von Forschungsschwerpunkten der Stadt sowie

Ÿ der stärkere Einbezug von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Stadtentwicklung.

Die hohe mediale Aufmerksamkeit, die die Stadt im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2011 erzielt habe, werde an den rund 3.600 Berichten in Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen sichtbar, die sich nach Angaben der Stadt Mainz wie folgt verteilen: [1]

Ÿ Printmedien und Agenturmeldungen in Mainz: 1.529

Ÿ Printmedien und Agenturmeldungen in Rhein-Main: 690

Ÿ Printmedien und Agenturmeldungen überregional: 683

Ÿ TV: 52

Ÿ Hörfunk: 44

Ÿ AZ-Videos: 48

Ein Mitglied des Lenkungsausschusses berichtet vom gesteigerten Interesse der lokalen Medien am Thema Wissenschaft:

„Was mich sehr gefreut hat, war die Beilage in der AZ, die am 31.12.2010 erschienen ist. Seit Jahren habe ich mich bemüht, eine Beilage zum Thema Wissenschaft auf den Weg zu bringen. Nur hieß es immer, es gebe an Inseraten kein Interesse.

Doch wenn man sieht, wer sich alles beteiligt hat, erkennt man, wie mobilisiert die Bevölkerung bei diesem Thema ist.“ (LA I).

Die öffentliche Wahrnehmung der wissenschaftlichen Institutionen habe durch das Wissenschaftsjahr deutlich erhöht werden können, berichten die Gesprächspartner. Mainz habe immer mit Stolz auf seine wissenschaftlichen Einrichtungen geblickt, so ein Interviewpartner. Im Fokus habe dabei die JGU, ferner die FH Mainz gestanden. Durch Stadt der Wissenschaft habe sich die Zusammenarbeit mit den anderen Wissenschaftseinrichtungen und deren Bekanntheit erhöht. Diese Aussage wird gestützt durch die Ergebnisse der Online-Befragung der AK-Mitglieder, nach denen beteiligte Einrichtungen und Unternehmen durch die Auszeichnung einen Gewinn insbesondere im Bereich des Imageeffekts und in der allgemein größeren Bekanntheit und Aufmerksamkeit für Aktivitäten der jeweiligen Einrichtung (58 %) sowie Marketingeffekts und der höheren Akzeptanz in der Bevölkerung (50 %) erzielen konnten.[2] Durch den Titelgewinn und das Wissenschaftsjahr sei vielen Akteuren bewusst geworden, von welch hoher Bedeutung Wissenschaft betreibende und produzierende Akteure in der Stadt seien und wie wichtig es sei, Wissenschaft weiter zu fördern, sich damit zu befassen und sie mit anderen Bereichen zu vernetzen, erklären die Interviewpartner. Wichtige Akteure seien im Bereich Wissenschaft zusammengeführt worden, die sich mit der Thematik bis zu diesem Zeitpunkt nicht in dem Ausmaß auseinandergesetzt hätten und sich in Mainz bislang in Kontexten wie Wirtschaft, Fußball oder Wein getroffen hätten. Das Thema Wissenschaft hat sich damit insgesamt nach Ansicht mehrerer Befragter aus verschiedenen Gruppen neben anderen Imageträgern (Gutenberg / Medien, Fastnacht, Dom, Römer, Rhein, Wein, Mainz 05) durch Stadt der Wissenschaft etabliert, wie folgende Aussagen belegen:

„Im Vergleich zu vielen anderen Städten, die den Wettbewerb genutzt haben, um einen Imagewandel herbeizuführen – wie Bielefeld oder auch Bremen – ging es uns nicht um einen Imagewandel, sondern uns ging es darum, zu den vielen berechtigten Attributen dieser Stadt die Wissenschaft mit auf die Agenda zu setzen. Und das ist uns gelungen. Und das Ziel ist, dass es auch so bleibt. Ich denke, so wie sich die Multiplikatoren hinter diesen Wettbewerb und hinter das Thema stellen, bleibt es auch so“ (LA I).

„Vorher habe ich die Stadt primär wahrgenommen als eine Stadt der Fastnacht, des Weines und von Mainz 05. Die Träger dieser Botschaften, die entscheidenden Persönlichkeiten der Stadt, haben eine Begeisterung für die Wissenschaft entwickelt. Insofern hat die Bewerbung absolut schon etwas gebracht“ (AK III).

Akzeptanz und Begeisterung der Gesellschaft für einzelne im Wissenschaftsjahr vertretene und für die Stadt charakteristische Wissenschaftsbereiche sind nach Meinung eines AK-Leiters durch den Wettbewerb gestiegen. Das Verständnis für Themenfelder wie Archäologie und Geschichte, als Stärke der Stadt, sei größer geworden und bilde eine Grundlage für den Ausbau weiterer Forschungsaktivitäten. Projekte in den Bereichen erhielten nun mehr Unterstützung und könnten daher leichter entstehen und wachsen. Mit einem gewissen Renommee werde es wiederum leichter, neue Forschungsprojekte zu akquirieren.

Insgesamt verzeichne Mainz zwar – ebenso wie Städte, die in den Vorjahren den Titel getragen haben – überwiegend einen lokalen Imagegewinn (wie auch der lokale Fokus der Berichterstattung sowie der Werbemaßnahmen zeigt), trotzdem sei auch eine überregionale Verbesserung in der Wahrnehmung der Wissenschaftsstadt erreicht worden, so die Meinung mehrerer Befragter. Der Titel Stadt der Wissenschaft sei zumindest im nationalen Kontext der Wissenschaftspolitik und all derer, die sich mit Wissenschaft befassen, bekannt, erklärt ein AK-Leiter. Die Auszeichnung werde – auch mit Blick auf die vielen Bewerberstädte – als Qualitätsmerkmal wahrgenommen. Dies wird u.a. für das Anwerben qualifizierter Arbeitskräfte als wichtig erachtet. Zur positiven Außenwirkung des Titelgewinns exemplarisch folgende Anmerkungen:

„Die ganze Bewerbung war für die Stadt Mainz ein Riesenerfolg – Imagebewegung nach außen hin. Man konnte bundesweit und regional wirklich darstellen, was man im Bereich Forschung / Wissenschaft zu bieten hat – und natürlich auch mit den entsprechenden positiven Effekten auf die Wirtschaft – Stichwort Fachkräfte“ (LA V).

„Wenn man mal sieht, wir haben 200.000 Einwohner, 40.000 davon sind Studierende, sind historisch gesehen eine der ältesten Städte Deutschlands, am Durchschnittsalter gemessen eine der jüngsten Städte Deutschlands. Das überhaupt mal ins Bewusstsein zu bringen, wäre ohne Stadt der Wissenschaft gar nicht so möglich gewesen“ (LA V).

Akteure der Stadt fungieren als Multiplikatoren: Sie würden in anderen Kontexten auf das Thema angesprochen und berichten wiederum bei entsprechenden Anlässen über Mainz als Wissenschaftsstadt. Dies stellt einen wichtigen Schritt dar, um Mainz auch bundesweit als Stadt der Wissenschaft bekannter zu machen.

„Mainz ist als Wissenschaftsstadt bekannter geworden. Auch unsere Dezernenten erzählen, dass sie, wenn sie unterwegs sind, z.B. beim Städtetag, auf Stadt der Wissenschaft angesprochen werden“ (SA I).

Die Bedeutung von Wissenschaft für Stadt und Menschen sei durch das Wissenschaftsjahr deutlich geworden. Das Umsetzen von wissenschaftlichen Erkennt-nissen in der Arbeit von Einrichtungen, Unternehmen und Verwaltungen sei in neuem Ausmaß erfolgt. So stellen die Befragten mit Blick auf den steigenden Stellenwert von Wissenschaft in der Stadt Mainz fest:

„Die Wichtigkeit von Wissenschaft und Forschung in dieser Stadt steigt. Die Rolle der Institutionen, die sich damit befassen, nimmt zu“ (AK III).

„Ich glaube, dass da auch in der Innenwirkung unglaublich viel Potenzial generiert wurde, dass sich Leute kennengelernt und vernetzt haben und stärker zusammenarbeiten, als das vorher der Fall ist. Man weiß voneinander, was bis dato immer nur punktuell der Fall war. Wir hatten ja innerhalb eines Jahres 300 Veranstaltungen – also faktisch jeden Tag eine Veranstaltung zum Thema Wissenschaft. Das hat natürlich auch dazu beigetragen, dass man sensibilisiert wurde für dieses Thema, mit all den positiven Potenzialen, die sich dann daraus ergeben“ (LA V).

Direkte Einwirkungen der Auszeichnung auf das Stadtimage ließen sich erst mit einem gewissen Abstand benennen, so die Einschätzung des Kuratoriumsvorsitzenden und Oberbürgermeisters. Der Titelgewinn wird jedoch als wichtiger Impuls angesehen, die Kompetenzen der Stadt auf dem wissenschaftlichen Sektor weiter auszubauen und bekannter zu machen. Wissenschaft solle in Mainz auch über 2011 hinaus im Stadtmarketing verankert werden. Die geplante Verstetigung des Themas in der Außenkommunikation und entsprechende Veranstaltungen sollten langfristig Wirkung zeigen.

[3]

  • [1] Übersicht über die Anzahl der Berichte über Stadt der Wissenschaft 2011 siehe Anhang Nr. 14
  • [2] n = 43–52, gemessen an den prozentualen Anteilen der Werte 1 und 2 auf einer Skala von 1 = sehr stark bis 5 = sehr schwach
  • [3] Die Handlungsempfehlungen zu diesem Abschnitt folgen gemeinsam mit denen des nächsten,

    Standortmarketing und Kommunikationsstrategie

 
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