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4.2.11 Resümee: Effekte des Titelgewinns sowie Handlungsaufgaben zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt Mainz

Forschungsleitende Frage der Untersuchung ist, welche Effekte und nachhaltigen Wirkungen durch den Titelgewinn auf die Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt Mainz zu beobachten sind. Die bisherigen Ausführungen beinhalten zum großen Teil bereits einzelne Aspekte dieser übergeordneten Fragestellung. So wurden Effekte beschrieben, die mit Blick auf die Ziele der einzelnen Säulen erzielt werden konnten (Kap. 4.2.4), auf die Netzwerkbildung (Kap. 4.2.7) oder das Stadtimage (Kap. 4.2.8). Darüber hinaus wurden die Akteure in beiden Befragungsrunden explizit nach positiven und negativen bzw. nicht intendierten Wirkungen des Titelgewinns auf die Stadt Mainz befragt. Wie aus den Konzepten in den Unterkapiteln von Kapitel 2.3 deutlich wird, sind die Themenund Handlungsfelder im Rahmen einer wissensbasierten Stadtentwicklung vielfältig (Anwerben von Wissensträgern, Gestaltung eines attraktiven Lebensumfelds, Unterstützung von Netzwerkstrukturen und Dienstleistungen sowie Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur etc.). Dies zeigen auch die unterschiedlichen Nennungen bei der Beantwortung der Leitfrage, wobei die Themenfelder Kommunikation und Netzwerke am häufigsten genannt werden; in den Bereichen beobachten die Befragten die stärksten Effekte. Sie werden zugleich als wichtigste Effekte herausgestellt.

In diesem Unterkapitel werden die von den Befragten beobachteten Effekte des Titelgewinns auf die Stadt Mainz nach den verschiedenen Bereichen gegliedert beschrieben und zugleich Empfehlungen ausgesprochen, wie in diesen Themenfeldern der Wissenschaftsstadt weiter gehandelt werden solle. Hinsichtlich der Handlungsempfehlungen ist zu sagen, dass der gesamte Prozess um den Titel Stadt der Wissenschaft – von der Bewerbungsphase bis hin zur Zukunftskonferenz 2012 – durch die Stadt genutzt wurde, um aus Sicht von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Bildung und Politik zu eruieren, welches zentrale Themenfelder der Wissenschaftsstadt Mainz sind und auf welche Weise sie weiterentwickelt werden können. So hat bereits im September 2009, in Vorbereitung auf die Bewerbung um den Titel, eine Art Zukunftskonferenz stattgefunden (initiiert vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, der Stadt Mainz und der Mainzer Wissenschaftsallianz), auf der Schwerpunktthemen zur künftigen Gestaltung der Wissenschaftsstadt Mainz erarbeitet wurden. Im Anschluss an das Wissenschaftsjahr, im Mai 2012, wurde eine zweite Zukunfts-konferenz veranstaltet. Auf dieser diskutierten verschiedene Akteure, wie in unterschiedlichen Themenfeldern[1] wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung, insbesondere durch das Wissenschaftsjahr angestoßene Dynamiken, genutzt und Aktivitäten weitergeführt werden können und welche Maßnahmen und Strategien zu konzipieren sind. Auch im Rahmen der abschließenden Phase der eigenen Untersuchung wurden alle Befragten um die Formulierung konkreter Handlungsaufgaben gebeten, die aus ihrer Sicht für die Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt besonders notwendig erscheinen. Die Komplexität einer Wissenschaftsstadt schlägt sich in der Vielfalt der Handlungsempfehlungen nieder, die sich unterschiedlichen Bereichen zuordnen lassen (s.u.). Die in einem Papier festgehaltenen Ergebnisse der Zukunftskonferenz (s. OLDENBURG 2012) werden an dieser Stelle mit den im Rahmen der eigenen Untersuchung erfassten Handlungsfeldern zusammengeführt und jeweils im Anschluss an die in den einzelnen Bereichen zu beobachtenden Effekte dargestellt.

Hinsichtlich der Effekte des Titelgewinns ist zunächst zu resümieren, dass alle Interviewten diese positiv beurteilen. Nicht intendierte, negative Effekte werden von keinem der Befragten genannt. Der Profit für die Stadt wird von einigen Befragten sogar als sehr hoch erachtet, wie folgende Aussagen aus der zweiten Befragungsrunde exemplarisch belegen:

„Prinzipiell ist zu sagen, dass dieses Jahr Stadt der Wissenschaft für die Stadt und für die Region eine außerordentlich hohe Bedeutung hatte, hat und für die Zukunft haben wird“ (LA II).

„Meine Einschätzung ist, dass dieses Jahr Stadt der Wissenschaft bereits unheimlich viel gebracht hat an positiven Dingen, die man manchmal gar nicht so beziffern kann. Es hat in den Köpfen sehr vieles bewegt. Alle, die da irgendwie mitgemacht haben, fühlen sich miteinander verbunden, wissen voneinander sehr viel mehr, haben viel mehr gelernt und auf vielen Ebenen arbeiten die Leute zusammen. Es hat die Vernetzung doch sehr stark vorangebracht“ (SA II).

Selbst ohne den Titelgewinn hätten sich die Investitionen gelohnt, da bereits in der Bewerbungsphase Akteure zusammengefunden und sich gemeinsam Gedanken gemacht hätten, wie sich die Wissenschaftsstadt Mainz darstellen könne. Auf den geschaffenen Strukturen könne aufgebaut werden.

Im Stadtrat sei der Wettbewerb im Vorfeld kontrovers diskutiert worden. Es hätten Befürchtungen bestanden, dass es sich bei dem Wissenschaftsjahr um eine „reine Prestigesache“ (LA V) ohne größere Effekte handeln könne, berichtet ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Die Umsetzung habe das Gegenteil bewiesen. In einer Ratssitzung im Frühjahr 2012 sei ein Sachstandsbericht gegeben und auch von Seiten der Stadt und ihrer Gremien das Wissenschaftsjahr als Erfolg verbucht worden.

Skeptische Anmerkungen hinsichtlich der nachhaltigen Wirkungen des Titelgewinns erfolgten im Rahmen der Online-Befragung der AK-Mitglieder. Ein Befragter stellt diese grundsätzlich in Frage, indem er formuliert, dass bei Stadt der Wissenschaft vollständig der Anspruch der nachhaltigen Stadtentwicklung und Wissenschaftskommunikation fehle. Eine andere Bemerkung – „sind hier realistische Einschätzungen gemeint oder Wünsche?“ (AKM) – kann als enttäuschte Erwartung interpretiert werden sowie als Hinweis auf die Problematik, dass die Euphorie der Akteure aufgrund ihrer Beteiligung am Gesamtprojekt ggf. zu einer zu positiven Einschätzung der Wirkungen führen könnte.

  • [1] Themen der Zukunftskonferenz, die sich an der Vision der Stadt Mainz für das Jahr 2030 orientierten: Forschung, Technologietransfer, Bildungsund Wissenstransfer, Kommunikation, kluge Köpfe, Stadtplanung / Stadtentwicklung, Bürgerpartizipation
 
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