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4.2.5 Kommunikation und Zusammenarbeit

In Kapitel 2 vorgestellte Konzepte, wie das Triple Helix-Modell, heben die Bedeutung der Kommunikation und Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Teilbereiche für eine erfolgreiche (innovationsund wissensbasierte) Stadtund Regionalentwicklung hervor. Die Einrichtung von Netzwerken, aktivierbare Netzwerkknoten sowie koordinierte Einigungsprozesse waren zudem eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung um den Titel Stadt der Wissenschaft und sind zugleich Ziele des Wissenschaftsjahres. Auch die im vergangenen Unterkapitel angeführten Äußerungen der Befragten weisen diesem Aspekt eine hohe Relevanz zu.

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres sind innerhalb und zwischen den verschiedenen Einheiten der Organisationsstruktur unterschiedlich starke Netzwerke entstanden, so bspw. innerhalb der AK und zwischen ihnen – insbesondere durch die Realisierung gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen. Hierdurch wurden verschiedene gesellschaftliche Teilbereiche vernetzt.

Im Vorfeld des Wissenschaftsjahres berichten die Befragten, dass innerhalb der Organisationsstruktur dafür Sorge getragen werde, Kommunikation, Austausch und Netzwerkstrukturen zu fördern. Ein Treffen aller AK-Leiter (gemeinsam mit der Projektkoordination) sei initiiert worden, weil es einige Projekte gebe, die zwei AK tangierten, viele Themen lägen nahe beieinander, erklärt die Projektkoordination. V.a. der AK Jugend weise mit seiner Zielgruppe Kinder und Jugendliche viele Verbindungen zu Projekten anderer AK auf. Austausch bestehe insbesondere mit Umweltpädagogen des AK Umwelt oder Museumspädagogen des AK Kultur. Zwischen AK Jugend und AK Gesellschaft habe ein besonders intensiver Austausch bestanden, z.B. durch das Projekt Farbe – die Welt ist bunt. Neben gemeinsamen Projekten seien die AK durch Doppelund Mehrfachmitgliedschaften von Akteuren in verschiedenen AK vernetzt. Ziel einer stärkeren Kommunikation und Zusammenarbeit sei es u.a., einen Überblick über Projekte und Schwerpunkte zu erlangen, Projekte ggf. zu clustern und besser nach außen kommunizieren zu können. AK-übergreifende Treffen werden als besonders wichtig hervorgehoben, um das Gesamtprojekt bzw. das Übergreifende, das in den meisten Themen angelegt sei, im Blick zu behalten. Der Austausch zwischen den AK erfolgt nach Darstellung eines Befragten jedoch noch unzureichend. Die Treffen der AK-Leiter dienten neben der Verbesserung des Austauschs untereinander dazu, Bericht gegenüber einzelnen Vertretern des Lenkungsausschusses zu erstatten. Einige Personen hätten Doppelfunktionen inne, indem sie sowohl in einem AK als auch im Lenkungsausschuss vertreten seien, wodurch die Gesamtkommunikation gefördert werde. Die Kommunikation zwischen AK und Lenkungsausschuss läuft nach Aussagen der Befragten des Lenkungsausschusses gut, ebenso die Kommunikation zwischen dem Lenkungsausschuss und der Projektkoordination. Zwischen allen Gremien gebe es einen engen Informationsaustausch. Alle Projektbeteiligten würden durch Berichte der Projektkoordination im Rahmen der AK-Sitzungen und über Rundmails regelmäßig über den aktuellen Stand informiert. Impulse von Seiten des Kuratoriums würden vom Lenkungsausschuss aufgenommen.

Bereits vor der Bewerbung um den Titel Stadt der Wissenschaft habe es in Mainz nach Meinung aller Befragten gute Netzwerke insbesondere zwischen Wissenschaft, Stadt und Kultur gegeben, besonders durch die Wissenschaftsallianz und die Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen. Diese bestehende Netzwerkarbeit sei Grundlage für die Bewerbung gewesen und habe den Bewerbungsprozess positiv beeinflusst. Vieles von dem, was im Wissenschaftsjahr durchgeführt worden sei, baue auf Bestehendem auf. Die Mainzer Wissenschaftsallianz sei maßgeblicher Motor und Anstoßgeber für die Bewerbung gewesen. In den bestehenden Netzwerken wird eine deutliche Stärke der Stadt Mainz gesehen. So wird berichtet:

„Als das BMBF uns 2009 zum Treffpunkt der Wissenschaft gemacht hatte[1], haben wir die bestehende Netzwerkarbeit erprobt und innerhalb kürzester Zeit ein Programm mit 150 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Das hat uns ermutigt weiterzumachen“ (LA I).

„Ohne das Bestehen gewisser Netzwerke hätten wir diesen Titel nicht gewinnen können. Irgendein Netzwerk hat das ja auch vorantreiben müssen. Aber das hat sich verdichtet, vergrößert und das ist gut“ (AK III).

„Man erfindet die Welt natürlich nicht neu. Man gewinnt so einen Wettbewerb, weil man schon auf vielem aufbauen kann“ (AK II).

In diesem Umfang hätten sich die Akteure allerdings erst im Rahmen von Stadt der Wissenschaft kennengelernt. Durch die Bewerbung bzw. den Titelgewinn haben sich nach Aussagen aller Gesprächspartner eine deutliche Verbesserung in der Zusammenarbeit und viele neue persönliche Kontakte ergeben. Dies habe

u.a. zu einer besseren Kenntnis der Arbeitsbereiche und Arbeitsweisen verschiedener Institutionen geführt. Eine viel engere Vernetzung sei aus Sicht mehrerer Befragter bereits in der Bewerbungsphase bspw. zwischen JGU und FH Mainz zu spüren gewesen. Die Befragten berichten, dass sie durch das Wissenschaftsjahr einen ganz anderen Zugang erhalten hätten, bspw. zur Universität, zur FH Mainz oder anderen Wissenschaftseinrichtungen und in der Folge bereits stärker zusammenarbeiteten. Die Verzahnung laufe besser als vorher und es sei der Wille, dies weiter zu betreiben.

„Es gibt eine ganze Reihe von Verzahnungen, die, glaube ich, früher so nicht möglich gewesen wären“ (LA V).

„Viele haben sich dort überhaupt erst einmal kennengelernt. Viele, die eigentlich mit den gleichen Themen befasst waren, nur in verschiedenen Funktionen, sind dann mal zusammengekommen“ (LA V).

Der Kuratoriumsvorsitzende resümiert:

„Die Zusammenarbeit hat sich extrem intensiviert: Insbesondere zwischen Stadt und Wissenschaft, aber auch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Der Bildungsbereich ist ebenfalls eng involviert […]. Die kulturellen Institutionen, hier vor allem die Museen, aber auch freie Kulturinitiativen wie PENG[2] arbeiten ebenfalls sehr intensiv und konstruktiv mit Stadt und Wissenschaft zusammen. Es freut mich besonders, dass auch immer mehr Anregungen und Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit kommen: Einige melden sich persönlich bei der Projektkoordination, andere äußern sich zu Projekten, Plakaten und Initiativen über unseren Facebook-Auftritt“ (K I).

Die Durchführung gemeinsamer Projekte führe zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit, so Befragte des Lenkungsausschusses:

„Was sich ergeben hat, ist eine neue Qualität der Vernetzung. Die Anbieter von außerschulischen Lehrangeboten haben sich in einem eigenen Arbeitskreis vernetzt und arbeiten seitdem zusammen, also vom Umweltamt, Umweltbildungszentrum und den Museen und unseren NaT-Lab[3]-Leuten. Alle, die in diesem Bereich tätig sind, treffen sich jetzt regelmäßig und tauschen sich aus. Es haben sich innerhalb der Stadtverwaltung neue Ansprechpartner identifiziert, die ein starkes Interesse an der Zusammenarbeit mit uns [JGU] haben […]. Die Umsetzung einer Transferstelle Wirtschaft ist seit Jahren in der Diskussion und wurde durch Stadt der Wissenschaft endlich realisiert. Das ist eine neue Qualität der Zusammenarbeit im Bereich Wirt-

schaft“ (LA I).

Die spezielle Netzwerkcharakteristik sei erst im Rahmen von Stadt der Wissenschaft entstanden: Aus eher bilateralen Kontakten habe sich ein Netzwerk entwickelt, das sich zum Zeitpunkt der ersten Befragung noch im Entstehen befinde.

Die beschriebenen Erfahrungen des Kuratoriumsvorsitzenden und des Lenkungsausschusses decken sich mit denen der AK-Leiter: Vor der Bewerbung um den Titel Stadt der Wissenschaft existierten die AK zwar nicht, aber es bestanden je nach AK mehr (z.B. AK Kultur, AK Medien) oder weniger (z.B. AK Umwelt) Kontakte in Richtung einiger der Partner (Institutionen und Personen), die sich in den AK bzw. Projektgruppen wiederfänden. Unter den bestehenden Kontakten gebe es auch langfristige Partnerschaften, die bereits in den Vorjahren gemeinsam Projekte oder Veranstaltungen realisiert hätten. Die Netzwerke haben sich auch aus Sicht der AK-Leiter bereits in der Bewerbungsund Vorbereitungsphase zu Stadt der Wissenschaft jedoch erheblich erweitert und die Zusammenarbeit intensiviert.

Die Netzwerke seien auch außerhalb der bereits vorhandenen, sich fachlich nahestehenden Bereiche enger geworden. Die Zusammenarbeit weite sich in verschiedene Richtungen aus, da die behandelten Themen viele Stellen und Institutionen innerhalb der Stadt berührten. Mit der Stadt als Veranstalter des Wissenschaftsjahres sind nach Aussagen mehrerer AK-Leiter alle Projektbeteiligten vernetzt gewesen. Insgesamt habe sich der Kontakt zur Stadtverwaltung für viele Akteure erheblich intensiviert. So berichtet der Leiter des AK Kultur, dass sich durch die gemeinsame Arbeit an einem Ziel die Kommunikation und Zusammenarbeit mit allen Ebenen der Stadt enorm verstärkt und verdichtet habe, auch in Ämter hinein, die zuvor nicht präsent gewesen seien.

In den neuen Kontakten und Netzwerken wird der zentrale Mehrwert des Gesamtprojektes gesehen. Die Akteure fühlen sich und ihre (Arbeits-)Bereiche stärker wahrgenommen. So berichten die AK-Leiter:

„Bereits das Bewerbungsverfahren hat enorm zusammengeschweißt. Es kamen viele Akteure zusammen, mit denen vorher nur ein sehr loser oder gar kein Austausch bestand. Den zentralen Mehrwert sehe ich nicht innerhalb des Sektors, der schon relativ stark vernetzt war, sondern im Austausch mit der Stadt Mainz in allen ihren Ebenen. Unsere Themen – Kultur, Geschichte, alles, was in diesem Bereich ist – haben enorm an Stellenwert gewonnen, auch für die Stadt. Als Gesprächspartner werden wir viel stärker wahrgenommen in diesem Netzwerk, was vorher so nicht bestanden hat oder nur projektebezogen“ (AK III).

Durch die Online-Befragung der AK-Mitglieder konnte auch deren Vernetzung im Rahmen von Stadt der Wissenschaft erfasst werden. 60 % der AK-Mitglieder geben an, dass sie bezüglich ihres eigenen Projektes von Kooperationen, die im Rahmen ihres AK entstanden sind, profitiert hätten. [4] 41 % der befragten AKMitglieder geben an, dass neue Projekte durch Kooperation innerhalb ihres AK entwickelt worden seien, viele Projekte seien auch durch AK-übergreifende Kooperationen entstanden (s.u.). [5] Mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Kontakte sind 68 % der befragten AK-Mitglieder zum ersten Befragungszeitpunkt der Meinung, dass im Rahmen von Stadt der Wissenschaft für sie persönlich Kontakte entstanden seien, die zukünftiges Kooperationspotenzial besitzen. [5] Befragt danach, um welche konkreten Kontakte es sich dabei handelt, werden sehr häufig solche zu Mainzer Museen aufgeführt, wie zum NHM, zum RGZM, zum Gutenberg-Museum, zum Landesmuseum und ferner zur Kunsthalle Mainz sowie Kontakte zu wissenschaftlichen Einrichtungen, allen voran zur JGU (inkl. Universitätsmedizin) und FH Mainz. Hier bestünden Kontakte zu einzelnen Wissenschaftlern oder Einrichtungen bzw. Instituten. Im Zusammenhang mit der JGU wird häufig der Botanische Garten als Kooperationspartner erwähnt, aber auch das Nat-Lab und die Grüne Schule; Kontakte zur FH Mainz sind häufig auf solche mit dem Institut für Mediengestaltung zurückzuführen. Zudem werden andere wissenschaftliche Einrichtungen erwähnt, wie die Akademie der Wissenschaften und der Literatur und das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. Mehrfach angeführt werden Kontakte zur Stadt Mainz, zu Ämtern wie dem Umweltamt, dem Amt für Öffentlichkeitsarbeit oder dem Stadtjugendamt sowie Kontakte zur Wirtschaftsförderung; ferner zur IHK, zu Handwerksbetrieben der Stadt, Kontakte mit Schulen in Mainz oder zu den Stadtwerken, aber auch zur Landesbausparkasse (LBS). Daneben seien viele Kontakte zu Unternehmen und Vereinen oder politischen Personen, aber auch zu Sponsoren und Kooperationspartnern der Stadt Mainz im Rahmen von Stadt der Wissen-schaft entstanden, die aus Sicht der Akteure zukünftiges Kooperationspotenzial besitzen.

Die Antworten der AK-Mitglieder zeigen, dass nicht nur zahlreiche, sondern durch die Einbindung verschiedenster Akteure der Stadt auch vielfältige Beziehungen im Rahmen des Wissenschaftsjahres entstanden sind oder verfestigt wurden.

Auch im Rahmen der abschließenden Befragungsrunde besteht die Auffassung, dass die Netzwerkbildung und Kommunikation zwischen verschiedenen Akteuren und Gruppen im Rahmen des Wissenschaftsjahres z.T. deutlich vorangetrieben wurde. Sie wird von Seiten der Akteure als besonders wertvoll geschätzt.

Nach Durchlaufen des Wissenschaftsjahres ist zu resümieren, dass die Netzwerkarbeit in den AK unterschiedlich ausgeprägt ist und auch zwischen Gruppen bzw. Akteuren innerhalb der AK variiert (s.u.).

Von Seiten des Lenkungsausschusses wird geäußert, die Akteure hätten sich innerhalb der AK in einem recht langen Zeitraum relativ häufig getroffen, weshalb es nun leichter falle, aufeinander zuzugehen. Viele unterschiedliche Institutionen mit Berührungspunkten hätten sich kennengelernt und seien interessiert, gemeinsam Projekte zu realisieren.

Im Vergleich zu den Interviews mit den Mitgliedern des Lenkungsausschusses und den meisten AK-Leitern, wird die Bildung neuer Netzwerke von Seiten der befragten AK-Mitglieder innerhalb der AK als mittelmäßig stark eingeschätzt, die Vernetzung zwischen den verschiedenen AK als gering. Über den AK sei v.a. die Weiterleitung von Informationen erfolgt, erklärt ein AK-Leiter:

„Das meiste war im Endeffekt ein riesiges In-Schwung-Halten von Kommunikationswegen […]. Und ich habe auch viele Rückmeldungen bekommen – immer so auf der persönlichen Ebene: ‚die Information können wir jetzt gut verwerten' oder ‚da haben wir jetzt einen interessanten Moment'“ (AK I).

Im AK Gesellschaft, der die Bereiche Gesundheit und Bildung umfasst, seien im Gesundheitsbereich der Vernetzungsbedarf nicht so groß bzw. die Vernetzungsstrategien nicht in dem Ausmaß zu beobachten gewesen, weil dort Akteure zwar an den AK angekoppelt seien, aber gearbeitet hätten, ohne dass es des AK bedurfte. Der AK sei v.a. für den Bereich Bildung interessant, weil unterschiedliche Ansatzpunkte bestünden, Bildungschancen zu definieren oder auch an diese heranzugehen, so der AK-Leiter. Dass Bildungseinrichtungen ein größeres Interesse an Netzwerkaktivitäten zeigten, wird auch auf die Verortung des Themas zurückgeführt: Außerschulische Bildung sei im Gegensatz zu Gesundheit kommunal organisiert. Bildungsfragen würden immer häufiger innerstädtisch geregelt – im Schulbereich bspw. bedingt durch Veränderungen wie den Ausbau von Ganztagsschulen; Schulsozialarbeit sei städtische Angelegenheit. Bei vielen Fragestellungen werde die Kommunale Bildungslandschaft als Schlagwort bereits greifbar. Deswegen seien die Anknüpfungspunkte und das Interesse von bestimmten Ämtern an diesen Themen größer gewesen als am Gesundheitsbereich, berichtet der Leiter des AK Gesellschaft.

Viele Vernetzungen sind auf Kooperationsprojekte zurückzuführen. AKMitglieder führen im Rahmen der Online-Befragung an, dass innerhalb des AK Gesellschaft viele Studien erstellt worden seien, in denen z.B. Stadt, Stiftungen und Universität zusammenarbeiteten, wie die Studierendenanalyse, die Migrationsstudie oder die Sozialraumanalyse, Gesundheitsprojekte wie Gesundheitsförderung in der Schuldnerberatung oder Gesundheitsteams vor Ort sowie Bildungsprojekte. Zudem seien Projekte zwischen dem AK Gesellschaft und anderen AK entwickelt worden, u.a. Fachtagungen im Gesundheitsbereich (z.B. Pränatale Diagnostik und Altersdemenz). Viele Projektideen seien nicht innerhalb des AK entwickelt worden, sondern seien von den Mitgliedern mit in den AK eingebracht worden, so der Leiter des AK Gesellschaft. Er habe bei einigen Projekten Kontakte zu Ämtern hergestellt, die als Informationsgeber hätten dienen können, bspw. bei der Übergangsstudie oder der Transferstelle Bildung. Der AK-Leiter verweist hierbei auf die Vorteile, die aus den persönlichen Kontakten entstünden, auch hinsichtlich einer künftigen Zusammenarbeit. Bereits vor 2011 hätten schon viele Kooperationen städtischer Ämter mit Wissenschaftseinrichtungen bestanden (z.B. zwischen dem Stadtentwicklungsamt und den Geographen der JGU). Durch Stadt der Wissenschaft hätten solche Kontakte intensiviert werden können. Dies wird als großer Gewinn erachtet. Der bei der Stadt beschäftigte AK-Leiter berichtet:

„Ich hatte schon immer wieder Kontakte mit der Universität, wir haben auch öfter Praktikanten hier in der Planung, die von der Uni kommen […]. Aber diese Stadt der Wissenschaft hat nochmal einen Punkt gesetzt. Das war eine Unmenge von Projekten, von denen wir vorher nie etwas gehört haben, die da auf uns zukamen und von denen wir immer noch zehren. Insofern würde ich schon sagen, das hat insgesamt sehr viel gebracht und das war ein richtiger Schub“ (AK I).

Gerade zwischen den Bereichen Bildung und Kultur seien viele neue Netzwerke aufgrund von Kooperationsprojekten zu erkennen. Eine nachhaltige Vernetzung sei zwischen verschiedenen Bildungseinrichtungen entstanden und ziehe wiederum Kooperationsprojekte nach sich. Ein stärkeres Zusammenwirken habe sich auch zwischen mehreren Bildungsinstitutionen in Kooperation mit Schulen ergeben. Zudem wird auf die Transferstelle Bildung verwiesen, die in verschiedene Netzwerke eingebunden sei und diese noch verstärken werde.

Von Seiten der Mitglieder des AK Kultur werden überwiegend Aktivitäten rund um das größte Kooperationsund Kernprojekt des AK – zeit.fenster – hervorgehoben. Das Projekt hat zum Ziel, möglichst viele Institutionen zusammenzuführen und die Bedeutung der Vergangenheit der Stadt Mainz und die moderne Forschung zu diesem Thema am Standort im öffentlichen Raum darzustellen. In geringerem Ausmaß seien Kontakte zwischen Kultur und Wirtschaft verdichtet worden oder neu entstanden, da Akteure aus der Wirtschaft weniger ins Tagesgeschäft involviert gewesen wären, sondern eher als Sponsoren aufgetreten seien. Die Vernetzung zwischen Kultur und Wissenschaft sei in vielen Bereichen bereits vor Stadt der Wissenschaft „enorm eng“ (AK III) gewesen und habe sich noch etwas erweitert. Insbesondere die Kooperation mit der FH Mainz (Fachbereich Gestaltung) habe sich für Museen und andere Einrichtungen durch das Wissenschaftsjahr verdichtet. Auch die Netzwerke unter den Museumspädagogen hätten sich verstärkt. Mit Blick auf die Öffentlichkeit hätten entsprechende Projekte zu einer erhöhten Wahrnehmung des Kulturbereichs geführt, wie Aktivitäten rund ums Schifffahrtsmuseum sowie die in der Innenstadt verteilten Würfel, die Ausschnitte moderner Forschung im Bereich Archäologie und Geschichte zeigten und einen enormen Wiedererkennungswert hätten. Kooperationen variierten: Je nach Projekt gebe es eine andere Notwendigkeit sich mit Wissenschaft, Wirtschaft oder Stadt zu vernetzen, so der Leiter des AK Kultur.

Die Netzwerkarbeit im AK Jugend wird von Seiten des Leiters als hervorragend gelobt. Dies sei auch primäres Ziel des AK gewesen. Der AK Jugend sei ein sehr großer AK, so ein Mitglied des Lenkungsausschusses, in dem sehr unterschiedliche Akteure vertreten seien, die ein großes Bedürfnis gehabt hätten sich auszutauschen. Bereits durch Zusammenkünfte des AK Jugend in der Vorbereitungszeit auf die Bewerbung habe sich der Unter-AK Farbe gebildet und sei sehr schnell in konkrete Projektplanungen eingetreten. Innerhalb des AK Jugend dominiere das Kooperationsprojekt Farben – die Welt ist bunt, berichten die AKMitglieder im Rahmen der Online-Befragung. Intensivere Kooperationsaktivitäten, z.B. zwischen den verschiedenen Museen der Stadt, seien durch die Familientage zu beobachten, die innerhalb des Wissenschaftsjahres in den Vordergrund gerückt seien und u.a. im Botanischen Garten oder dem NHM stattgefunden haben. Unter einem umfassenden Gesamtthema würden sich unterschiedliche Akteure mit ihren jeweiligen Ausrichtungen, ihrem Fachwissen und ihren Angeboten beteiligen und zusammenschließen und das Thema von unterschiedlichen Seiten her beleuchten. Vor dem Hintergrund des vom BMBF ausgerufenen Wissenschaftsjahres Zukunftsprojekt Erde habe der Unter-AK Farbe des AK Jugend auch für 2012 einen Familientag zum Thema Erde geplant. Die Fortführung der Kooperationsprojekte von Bildungseinrichtungen über 2011 hinaus verdeutlicht exemplarisch die Langfristigkeit einiger im Rahmen des Wissenschaftsjahres entstandener Netzwerke:

„Da ist etwas entstanden, was sicher auch jetzt schon – das zeichnet sich ab – eine Fortsetzung finden wird. Verschiedene Bildungseinrichtungen kooperieren miteinander – sie bieten also nicht immer nur jeder etwas für sich an, sondern planen etwas unter zusammenfassenden Themen“ (AK IV).

Auch aus den Reihen des AK Jugend seien Kontakte zu entsprechenden Ämtern der Stadt entstanden, z.B. zu Jugendoder Schulämtern, die mitgewirkt hätten. Neue Kontakte hätten sich auch besonders stark zu Schulen, Museen und Jugendeinrichtungen entwickelt. Von Seiten des AK-Leiters wird angeregt, in die Entwicklung von Projekten und Veranstaltungsformaten künftig die Jugend selbst stärker einzubinden. Dies sei im Rahmen von Stadt der Wissenschaft nicht geglückt. Über einen Fragebogen seien im Vorfeld des Wissenschaftsjahres Wünsche und Vorstellungen der Schüler einer Schule exemplarisch erfasst worden, wodurch einige wichtige Hinweise erfolgt seien.

In den AK Wirtschaft und Umwelt ist die Bildung neuer und die Intensivierung bestehender Netzwerke nicht in dem Ausmaß erfolgt wie in den AK Gesellschaft, Kultur und Jugend. Dies kann auf das Fehlen eines Gemeinschaftsprojektes (v.a. AK Wirtschaft) zurückgeführt werden sowie auf den Wechsel von AKLeitungen. Der Bereich Umwelt stellt zudem keinen Forschungsschwerpunkt des Wissenschaftsstandortes Mainz dar.

Im AK Wirtschaft seien verschiedene Netzwerke gebündelt, jedoch kein Gemeinschaftsprojekt entwickelt worden. Die Akteure hätten eigene Projekte durchgeführt bzw. einige Mitglieder hätten sich eher als Sponsor verstanden, so der AK-Leiter. In wichtigen Kompetenzfeldern der Stadt wie Medien, Gesundheit und IT bestünden bereits Netzwerke, damit wird begründet, dass sich neue aus Sicht des AK-Leiters Wirtschaft eher nicht entwickelt haben. Durch viele Veranstaltungen seien Kontakte jedoch enger geworden.

Im Umweltbereich existierten innerstädtisch bereits gute Netzwerke, weshalb die Neubildung von Netzwerken innerhalb des AK Umwelt von Seiten des Leiters als „nicht besonders gut“ (AK V) bewertet wird. Auch die Zusammenarbeit mit den Hochschulen sei durch den Titelgewinn nicht sonderlich gefördert worden. Die weniger gute Netzwerkarbeit innerhalb des AK wird auch auf die wechselnde AK-Leitung zurückgeführt. Die Konzeption des neuen Umweltbildungszentrums sei jedoch durch Kooperationen innerhalb des AK Umwelt und in Kooperation mit dem AK Jugend erfolgt. Der Leiter des AK Umwelt berichtet, er habe im Rahmen des Wissenschaftsjahres zudem sehr viele handelnde Personen kennengelernt, wodurch eine ganze Reihe von Ideen für das Umweltbil- dungszentrum entstanden seien, die im Laufe der Zeit umgesetzt werden könnten:

„Das eigentlich Bereichernde dabei war, Akteure kennenzulernen, von denen man gar nicht vermutet hat, dass sie Zugang zum Thema Umwelt haben, und dann, während man zusammenstand und diskutierte, ist eine ganze Menge entstanden“ (AK V).

Der AK Medien sei mit rund 20 Mitgliedern ein kleiner aber sehr produktiver AK gewesen. Hauptprojekt sei Skop – Kommunikationslabor für Wissenschaft und Gestaltung[7] gewesen, das als Idee in den AK Medien eingebracht worden sei. Der AK sei als Netzwerkknotenpunkt genutzt worden, wodurch sich das Projekt zu einem Kooperationsprojekt des AK entwickelt habe. Es sei zugleich als Kooperationsprojekt mit anderen AK zu nennen, da die Inhalte von Akteuren anderer AK eingebracht worden seien. Generell habe sich der AK Medien die Kommunikation von Wissenschaftsthemen zur Aufgabe gemacht und habe daher sehr eng mit anderen AK zusammengearbeitet. Von Seiten des AK Medien seien durch gemeinsame Ausstellungen neue Netzwerke zu Museen (z.B. zum Gutenberg-Museum), zur FH Mainz (Institut für Mediengestaltung) und zur JGU (Ge- owissenschaften) entstanden sowie zu Zeitungen und anderen Werbepartnern von Stadt der Wissenschaft. Auch sei die Realisierung vieler Projekte von Seiten des AK Medien durch das Herstellen entsprechender Kontakte unterstützt worden, bspw. bei Installationen im Stadtraum. Künftige Veranstaltungen mit den Projektbeteiligten seien trotz Auflösung des AK nach Beenden des Wissenschaftsjahres gut vorstellbar:

„Leider ist die Stadt in sehr schlechter Finanzsituation. Aber wir wissen, dass wir ein großes Potenzial haben, auch an ungewöhnlichen Ansätzen, was Medien und Kommunikation anbelangt“ (AK II).

Die AK-Mitglieder konnten sich nach Durchlaufen des Wissenschaftsjahres im Rahmen der Online-Befragung ebenfalls erneut zum Thema Netzwerke und Kontakte zwischen gesellschaftlichen Teilbereichen wie Stadt, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Öffentlichkeit äußern. Diese Netzwerke werden von fast zwei Drittel der befragten AK-Mitglieder (64 %) als sehr wichtig[8] für die Wissenschaftsstadt Mainz erachtet.[9] Die tatsächliche Bildung neuer Netz-werke zwischen diesen gesellschaftlichen Teilbereichen durch das Wissenschaftsjahr wird von den Befragten jedoch lediglich in mittlerem Ausmaß wahrgenommen. Netzwerke bzw. Kontakte sind den AK-Mitgliedern innerhalb von Mainz insbesondere zu Wissenschaftseinrichtungen sehr wichtig (64 %), aber auch zu Presse (55 %) und Bürgern (53 %). Stadt und Stadtverwaltung (für 45 % sehr wichtig) bzw. Politik (für 42 % sehr wichtig) nehmen ebenfalls einen wichtigen, aber nachgeordneten Stellenwert ein. Netzwerke und Kontakt zu Wirtschaftsunternehmen sind lediglich 30 % der Befragten sehr wichtig, wodurch die vorangegangenen Angaben zur geringen Netzwerkbildung mit Akteuren aus der Wirtschaft gestützt und begründet werden.[9] Befragt danach, in welchem Maße sich für die Befragten innerhalb des Wissenschaftsjahres Kontakte in Mainz intensiviert haben, zeigt sich, dass sich insbesondere zu Wissenschaftseinrichtungen, Presse und Bürgern Kontakte intensivieren konnten. Dies entspricht, wie oben gezeigt werden konnte, den Erwartungen an diese Bereiche. Gerade die Kontakte zu Wissenschaftseinrichtungen haben sich für 30 % der Befragten sehr stark intensiviert.[11]

In der Stadt Mainz sei die in Stadtentwicklungskonzepten geforderte stärkere Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Stadt, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit durch die Bewerbung und den Titelgewinn Realität geworden. Die persönlichen Kontakte führten zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit durch „kurze Wege“ (AK II). Sie würden auch nachhaltig bestehen und die Kontaktaufnahme vereinfachen. Die Befragten hegten die Hoffnung, dass auch über das Wissenschaftsjahr hinaus viele Beteiligte Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit bekundeten. Es bestehe der Wunsch, langfristig Netzwerke zu schaffen (vgl. Kap. 4.2.7), in denen Ansprechpartner bekannt sind und Wissen darüber besteht, mit welchen Akteuren zukünftig Projekte realisiert werden können. Durch künftige Netzwerkveranstaltungen sollten der Austausch, die Zusammenarbeit und das Verständnis der Akteure untereinander bestehen bleiben, so die Projektkoordination.

  • [1] Im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2009 wurde Mainz vom BMBF zu einem von bundesweit zehn Treffpunkten der Wissenschaft gekürt. Unter dem Titel Forschungsexpedition Deutschland wurde in Mainz ein Veranstaltungsprogramm zum Thema ZeitReise durchgeführt, mit dem Fokus auf historische Wissenschaften (Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2012)
  • [2] PENG – Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation in Mainz e.V
  • [3] Angebot naturwissenschaftlicher Fächer der JGU u.a. zur Förderung des Interesses von Schülern an Naturwissenschaften
  • [4] n = 55
  • [5] n = 56
  • [6] n = 56
  • [7] Im Rahmen dieses Projektes entwickelten Studierende der FH Mainz neue Formen der Wissenschaftskommunikation im Stadtraum durch die Nutzung verschiedener Medien wie Installationen (vgl. Landeshauptstadt Mainz 2011b: 36)
  • [8] n = 53. (5er Skala von 1 = sehr wichtig bis 5 = unwichtig.)
  • [9] n = 53
  • [10] n = 53
  • [11] n = 50
 
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