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4.2.4 der Wissenschaftsstadt und Projekte zur Zielerreichung

Im Antrag der Stadt Mainz sind unter den drei thematischen Säulen Ziele formuliert, die die zentralen Vorstellungen über die Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt darlegen und die mithilfe des Wettbewerbs erreicht werden sollten (vgl. Kap. 3.3). Der Antrag beinhaltet zudem die Beschreibung von Projekten zur Erreichung und nachhaltigen Sicherung dieser Ziele.

Befragt nach Projekten, die geeignet sind, die formulierten Ziele zu erreichen und nachhaltig zu sichern, wird von allen Befragungsgruppen bereits im Rahmen der ersten Befragungsrunde hauptsächlich auf die im Antrag formulierten Großprojekte wie die Transferstelle Bildung, das Transfercafé und das Umweltbildungszentrum (s.u.) verwiesen, die sich auf Dauer etablieren sollen. Daneben erarbeiten Akteure der Stadt in den AK eine Vielzahl kleinerer Veranstaltungen, Projekte und Studien, um unter den durch die Säulen definierten Themenfeldern ihre Ziele und Visionen einer Wissenschaftsstadt Mainz zu realisieren und damit das Gesamtprojekt auf breiter Basis zu unterstützen.

Die Stadt Mainz hat in ihrem Antrag unter der Säule 1. Kommunale Bildungslandschaften[1] als erstes Ziel formuliert:

„Die außerschulischen Lernangebote in Stadt und Region sollen systematisch erfasst, abgestimmt und altersund bildungsgerecht weiterentwickelt werden […]. Um gerade auch Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Teilen der Bevölkerung zu erreichen, werden neue Lehrund Lernformen an ungewöhnlichen Orten […] entwickelt“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 8).

Insbesondere dieses Ziel, mit Angeboten auch bildungsferne Schichten zu erreichen und bspw. über außerschulische Lernangebote die Chancengleichheit zu erhöhen, hat für viele Befragte von Anfang an einen hohen Stellenwert, wird aber zugleich in seiner Realisierung als besonders schwierig eingeschätzt. Der Transferstelle Bildung (vgl. Kap. 4.3) – als zentrale Maßnahme der ersten Säule – wird mit Blick auf dieses Ziel eine hohe Bedeutung beigemessen. Die Transferstelle betreibe Netzwerkarbeit zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis und systematisiere Bildungsangebote in Mainz. Zudem seien hier Bildungsprojekte und Studien angesiedelt. Die Transferstelle solle mit diesen Aktivitäten dazu beitragen, die Herausforderung der Chancengleichheit anzugehen.

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wird berichtet, dass die durch die Transferstelle unterstützten Projekte des AK Gesellschaft Denksport[2] und Sprint. Sprache und Integration[3] das Thema der außerschulischen Lernorte umrissen hätten. Sie seien z.T. im Neustadtzentrum, einem Jugendzentrum, veranstaltet worden. Projekte zur Realisierung außerschulischer Lernorte als Erlebnisräume für Kinder und Jugendliche hätten hervorragend funktioniert und seien Vorzeigeprojekte. Bzgl. der Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien seien gute Ansätze an der JGU erkennbar, die konsequent weiterzuführen seien, resümieren Mitglieder des Lenkungsausschusses. Studien, wie die an der Transferstelle angesiedelte Übergangsstudie, mit der erforscht werden solle, weshalb Schüler den Übergang in weiterführende Schulen schafften, die Studierendenanalyse[4] oder die Sozialraumanalyse[5], sind nach Meinung eines AK-Leiters „Puzzleteile um dieses Thema Bildungschancen überhaupt wahrnehmen zu können“ (AK I). Mit der auf drei Jahre eingerichteten Transferstelle Bildung habe sich eine Struktur entwickelt, über die eine gewisse Nachhaltigkeit und Kontinuität gewährleistet sei, mit Blick auf Projekte und auf Kooperationsbeziehungen. So pflege die Stadt über die Transferstelle eine enge Kooperation zur Universität, wodurch eine Grundlage bestehe, die Ziele nachhaltig zu sichern, wird im Rahmen der zweiten Befragungsrunde resümiert.

Zur Erreichung der Ziele der Säule Kommunale Bildungslandschaften wird zudem auf den AK Jugend verwiesen, in dem sich Kinderund Jugendpädagogen aus unterschiedlichen Bildungseinrichtungen zusammengeschlossen hätten. Der AK Jugend ziele darauf ab, insbesondere seiner Zielgruppe – Kindern und Jugendlichen – über alle Schulformen hinweg Wissenschaft zugänglich zu machen. Der „vorhandenen oder zu weckenden Neugierde“ (AK IV) von Kindern und Jugendlichen solle mit entsprechenden Angeboten begegnet werden, erklärt der AK-Leiter:

„Ein Anliegen ist es, wissenschaftliches Denken, wissenschaftliche Ergebnisse usw. für Kinder und Jugendliche zu erschließen. Sie sollen die Möglichkeit haben, gewisse Dinge zu erfahren und auszuprobieren und dadurch Erkenntnisse gewinnen“ (AK IV).

Die Ziele ihres AK beschreiben die Mitglieder des AK Jugend im Rahmen der ersten Online-Befragung wie folgt:

Ÿ „1. Jugendliche, Eltern und Lehrer auf wissenschaftliche Themen und bereits bestehende Angebote der Stadt und der wissenschaftlichen Einrichtungen aufmerksam machen und 2. nachhaltige Projekte entwickeln, die auch über das Jahr von Stadt der Wissenschaft hinaus stattfinden“.

Ÿ „Der breiten Öffentlichkeit Wissenschaft näher zu bringen“.

Ÿ „Junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern“ (AKM).

Auch der Netzwerkgedanke bildet aus Sicht der AK-Mitglieder ein zentrales Ziel ihres AK. Durch die nachhaltige Zusammenarbeit von unterschiedlichen Akteuren aus einem Themenfeld erhoffen sie sich eine Bündelung und größere Aufmerksamkeit für Aktivitäten, was folgende Aussagen auf die Frage nach Zielen des AK belegen:

Ÿ „Koordination der Angebote für Jugendliche und deren Sichtbarmachung, Vernetzung, Informationsaustausch“.

Ÿ „Ideen sammeln, Projekte anbieten, Vernetzen, Bekanntmachen“.

Ÿ „Netzwerkbildung, Formulierung von gemeinsamen Projekten, Durchführung von gemeinsamen Projekten“ (AKM).

Die Mitglieder des AK Jugend verweisen im Vorfeld des Wissenschaftsjahres mit Blick auf Projekte, die geeignet erscheinen diese Ziele nachhaltig zu sichern, insbesondere auf das Kooperationsprojekt Farben – die Welt ist bunt, ein Gemeinschaftsprojekt, das die Bedeutung von Farben aus Sicht unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen beleuchtet, aber auch auf „Ausstellungsprojekte in den Museen“ (AKM). Mit Projekten, wie der Ausstellung Mathematik begreifen[6], sei ebenfalls das Ziel der Förderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten oder mit Migrationshintergrund angegangen worden.

Auch im AK Gesellschaft stünden Fragen der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit und damit benachteiligte Bevölkerungsgruppen im Mittelpunkt. Durch die Zusammenfassung verschiedener Projekte unter einem Themenschwerpunkt solle die Vernetzung verstärkt werden, erklärt der Leiter im Rahmen der ersten Befragungsrunde. Die AK-Mitglieder möchten die „Situation der Bürger in Mainz erkennen und verbessern“, „Chancengleichheit durch Bildung forcieren“ sowie die „Aufklärung sozial Benachteiligter“ erreichen und eine „bessere[r] Integration sozial Benachteiligter und Migranten“ fördern (AKM). Der Netzwerkaspekt spiele auch im AK Gesellschaft eine zentrale Rolle, wie durch folgende exemplarische Angaben deutlich wird:

Ÿ „Kennenlernen der Vielfalt in diesem Bereich. Gute Koordination unterschiedlicher Träger“.

Ÿ „Zusammenführen unterschiedlicher Akteure, die zu Fragestellungen des Themenfeldes ‚Gesellschaft' arbeiten; Informationsaustausch, Vernetzung, Ausloten und ggf. Umsetzen von Kooperationsprojekten“.

Ÿ „Abstimmung der Einzelprojekte, Bedarfsklärung bei Kooperationsbedarf, Abstimmung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit“ (AKM).

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wird resümiert, dass der Bildungsbereich langfristig ein zentrales Thema der Wissenschaftsstadt Mainz bleibe. Eine Struktur sei neben der Transferstelle und Vernetzungen, wie sie innerhalb des AK Jugend entstanden seien, durch Initiativen wie den junior campus mainz[7] gegeben. Die vielen Netzwerke im Bildungsbereich müssten nach Meinung eines Mitglieds des Lenkungsausschusses nun sinnvoll zusammengeführt werden.

Zu den ebenfalls unter der ersten Säule verorteten Zielen, eine lernende Gesellschaft zu etablieren und Bürgern – vor dem Hintergrund einer älter und heterogener werdenden Gesellschaft – „Zugang zu schulischer und beruflicher Qualifikation [zu] ermöglichen“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 10), habe der entsprechende AK Gesellschaft weniger konkrete Projekte hervorgebracht, so sein Leiter. Aus Sicht der Projektkoordination sei zu diesem Ziel hauptsächlich durch Angebote für die Bevölkerung beigetragen worden, die (neben den etablierten Formaten wie dem Wissenschaftsmarkt oder Universität im Rathaus) z.T. weitergeführt würden. Die Themen schulische und berufliche Qualifikation würden nach Meinung eines Mitglieds des Lenkungsausschusses von der Transferstelle Bildung abgebildet.

Die Stadt Mainz möchte als drittes Ziel der ersten Säule mit entsprechenden Partnern in der Stadt durch entsprechende Formate und Angebote „das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil weiter unterstützen“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 11). In diesem Bereich erarbeite ebenfalls der AK Gesellschaft, der sich mit den Bereichen Bildung und Gesundheit in zwei Sparten gliedere, Projekte. Als Ziele des AK wurden im Rahmen der ersten Befragungsrunde entsprechend eruiert, eine „gesunde Stadt [zu] fördern“, „Hilfe zur Selbsthilfe“ anzubieten und „die Projekte in der Öffentlichkeit dar[zu]stellen“. Ziel sei zudem der „Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis [sowie die] wissenschaftliche Begleitung von sozialen und gesundheitlichen Projekten“. Als Projekte zur Erreichung dieser Ziele werden „Präventionsund Beratungsprojekte“ im Gesundheits/ Finanzbereich genannt (wie ElKiko, Willkommen in Mainz, Gesundheitsförderung in der Schuldnerberatung, Gesundheitsteams vor Ort) (AKM). Auch von der Evaluation von Bildungsprojekten sowie von Kooperationen bei der Erstellung von Studien (bspw. der Sozialraumanalyse) wird erhofft, dass sie dazu beitragen, die Ziele des AK und somit das übergeordnete Ziel langfristig zu sichern.

Im Gesundheitsbereich stehe neben dem AK Gesellschaft als Institution die Universitätsmedizin im Fokus. Sie führe 2011 ein Aufklärungs-, Präventionsund Informationsprogramm zum Thema Gesundheit durch, da 2011 zugleich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerufene Jahr der Gesundheit[8] sei. Von dieser Maßnahme wird bereits im Vorfeld des Wissenschaftsjahres ebenfalls eine langfristige Wirkung mit Blick auf die Unterstützung eines gesunden Lebensstils erwartet. Auch im Rahmen der zweiten Befragung wird die Erreichung dieses Ziel insbesondere durch Angebote der Universitätsmedizin angestrebt, durch eine Vielzahl an Informationsveranstaltungen, durch kleine Projekte mit unterschiedlicher Ausrichtung, Vorträge und Aktionen zum Mitmachen. Die Aktivitäten des Wissenschaftsjahres würden z.T. weitergeführt (s. Kap. 4.2.11). Es habe das Ziel bestanden, wissenschaftliche Themen aus dem Gesundheitsbereich verständlich zu kommunizieren, wie in Vorträgen zu den Themen Allergene, Wie viel Gentechnik ist in unserem Pausenbrot? oder zu homöopathischen Ansätzen. Die Stabsstelle Kommunikation und Presse der Universitätsmedizin sei durch Stadt der Wissenschaft sehr viel aktiver geworden und stelle für die Unterstützung eines Bewusstseins für einen gesunden Lebensstil in der Bevölkerung entsprechende Mittel bereit, hebt ein Mitglied des Lenkungsausschusses positiv hervor. Die Universitätsmedizin habe in verschiedenen AK mitgewirkt. Sie sei nach wie vor im Lenkungsausschuss vertreten sowie in der Wissenschaftsallianz und wirke bei Kooperationsprojekten mit. Als Projekte bzw. Veranstaltungen im Gesundheitsbereich werden zudem häufig der Science Slam[9], Chirurg für einen Tag[10] sowie Sozial Vital genannt, ein Kooperationsprojekt des Schuldnerfachberatungszentrums und des Instituts für Arbeits-, Sozialund Umweltmedizin der Universitätsmedizin. Mit der finanziellen Unterstützung durch den Titelgewinn hätten im Rahmen des Projektes Sozial Vital Broschüren und eine Homepage in unterschiedlichen Sprachen erstellt werden können, um Menschen mit niedrigerem Bildungsstand Zugang zum Gesundheitsund Krankenkassensystem zu ermöglichen oder darüber zu informieren, welche Rechte sie besitzen und welche Präventionsangebote bzw. (kostenfreien) Behandlungen ihnen pro Jahr zustehen. Die Broschüre werde über die Sachbearbeiter im Sozialamt regelmäßig an alle Klienten verteilt. Der AK-Leiter resümiert:

Sozial Vital ist für mich ein Beispiel dafür, dass es [die Kooperation von zwei Einrichtungen mit einem Ziel] sehr interessant war, auch für unsere städtische Verwertung. […] Das ist ein Beispiel, wo man ein ganz konkretes Ergebnis hat von einer Forschung, die hier angewandt wird“ (AK I).

Auch im Gesundheitsbereich sei es nun Aufgabe, bestehende Initiativen zusammenzuführen und dadurch eine höhere Aufmerksamkeit bzw. Sichtbarkeit zu erlangen.

Tabelle 11[11] gibt abschließend eine Übersicht über die unter der ersten Säule formulierten Ziele und benennt AK und Einrichtungen sowie eine Auswahl an Projekten, die maßgeblich zur Zielerreichung beitragen sollen.

Tabelle 11: Säule 1 – Überblick über Ziele sowie AK, Einrichtungen und Projekte zur Zielerreichung

Die Säule 2. Arbeitswelten der Zukunft[12] hat zum Ziel

„das Innovationspotenzial aus Forschungsleistungen vor Ort intensiver und gezielter [auszuschöpfen] […] [insbesondere] in der Wachstumsbranche Gesundheitswirtschaft mit Pharma, Biotechnologie und Gesundheitswesen, Medizintechnik und eHealth-Logistik / Medizininformatik“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 13).

Zur Erreichung dieses Ziels wird von vielen Befragten zu beiden Befragungszeitpunkten auf zentrale Maßnahmen wie das Transfercafé (vgl. Kap. 4.4) sowie das Gründungsbüro hingewiesen.

Aufgabe des Transfercafés sei es, den zur Erreichung des Ziels notwendigen Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft durch Förderung von Kooperationen zwischen diesen Teilbereichen zu unterstützen. Aus dem Pilotprojekt sollten neue Erkenntnisse gewonnen werden, wie ein Transfercafé aufgebaut sein sollte und wie es institutionalisiert werden könne, so wird im Rahmen der ersten Befragungsrunde berichtet. Mithilfe von Gesprächen müssten dafür zunächst Nachfrage und Bedarf festgestellt und dann eruiert werden, welche Projekte aufzusetzen seien oder wie die Institutionalisierung fortschreiten müsse. Zunächst wird als wichtig erachtet, die Partner kennenzulernen. Die Transferstelle müsse aufgrund der verschiedenen Forschungsprofile der am Standort Mainz angesiedelten Wissenschaftseinrichtungen ein großes Spektrum abdecken. Dies sei durch die Zusammenarbeit von Transferbeauftragten verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen im Rahmen des Transfercafés gewährleistet.

Mainz liege im Bereich des Technologietransfers im Vergleich zu anderen Städten zurück. Dies ist nach Meinung eines Gesprächspartners auf das Fehlen technischer Studiengänge am Hochschulstandort Mainz zurückzuführen. Der Technologietransfer könne jedoch aus der Universitätsmedizin heraus erfolgen oder z.T. aus den Naturwissenschaften. Insbesondere die Potenziale der Gesundheitsbranche, als einem Branchenschwerpunkt der Stadt, werden als wesentlich für die Zukunftsfähigkeit der Stadt Mainz angesehen. Eine weitere Stärke des Wissenschaftsstandortes liege – entsprechend der ersten Säule Kommunale Bildungslandschaften und der Transferstelle Bildung – durch den bestehenden Forschungsschwerpunkt Bildungsund Hochschulforschung an der JGU im Bil- dungsbereich, weshalb es nicht nur um Technologie-, sondern auch um Wissenstransfer[13] gehe. Zum Wissenstransfer innerhalb der Stadt Mainz folgender Standpunkt:

„Das Interessante daran ist, dass die Stadt ein wissenschaftliches Potenzial hat, das sie einfach abgreifen kann, ohne dass sie in hohem Maße investieren muss. Durch geschickte Partnerschaften, Vernetzungen und Projekte kann dieses Wissen abgerufen und nutzbar gemacht werden. Was hier definiert wurde, sind Bereiche, in denen unsere Wissenschaft stark ist und in denen so ein Wissenstransfer stattfinden kann“ (LA I).

Als nachhaltige Maßnahme, die ebenfalls zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes durch Nutzung wissenschaftlicher Potenziale beitragen soll, wird zudem das hochschulübergreifend eingerichtete Gründungsbüro[14] hervorgehoben, das – deutlich vorangetrieben durch den Titelgewinn – finanziert mit EU-Mitteln aus dem Programm EFRE[15] und kofinanziert vom Land Rheinland-Pfalz 2012 eingerichtet[16] worden sei. Das Institut für Unternehmerisches Handeln der FH werde hierfür fachbereichsübergreifend ausgebaut, um Studierende zu sensibilisieren, unternehmerisch tätig zu sein bzw. gründungsinteressierte Personen bera- tend zu unterstützen. Hochwertige Arbeitsplätze könnten hierdurch geschaffen werden. An der JGU gebe es ein solches Angebot jenseits des Gründungsbüros praktisch nicht. Im Rahmen des Gründungsbüros seien feste Kooperationsvereinbarungen zwischen FH Mainz, JGU und Universitätsmedizin getroffen worden. Das Gründungsbüro werde unter Federführung der FH aufgebaut. An JGU und Universitätsmedizin würden Außenstellen mit wissenschaftlichen Mitarbeitern geschaffen. Langfristig sei die Einbindung der MPI und der KH geplant. Das Technologiezentrum Mainz (TZM) und die IHK, die u.a. Startermessen sowie Gründungsberatung anböten, seien als Partner des Gründungsbüros angedacht, erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Zudem werde das Projekt durch eine Reihe von Institutionen unterstützt und begleitet, insbesondere durch die Kammern[17].

Unterstützt wird das übergeordnete Ziel zudem durch die Aktivitäten des AK Wirtschaft, dessen Mitglieder das Ziel ihres AK darin sehen, „Austausch, Kooperationen und Netzwerke[n] zwischen Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen“ zu initiieren sowie gemeinsame Projekte zu entwickeln (AKM).

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wird die Fortführung des Transfercafés – trotz weniger positiver Rückmeldungen u.a. im Rahmen der Zukunftskonferenz[18] – in modifizierter Form von Seiten der AK-Leiter und des Lenkungsausschusses als wichtig erachtet. Mit Blick auf die enttäuschten Erwartungen (vgl. Kap. 4.4.5) resümiert ein AK-Leiter:

„Dass man sich davon nicht gleich große Ergebnisse erhoffen kann, ist glaube ich jedem klar. Aber man hat die verschiedenen Akteure zusammen an einem Platz. Und es wurden viele Gespräche geführt und viele Visitenkarten ausgetauscht. Darum ging es in erster Linie, um überhaupt diesen Netzwerkgedanken fortzusetzen“ (AK VI).

Die mit der Säule Arbeitswelten der Zukunft verbundenen Themen Technologietransfer und Arbeitsmarkt seien zudem ein besonderes Anliegen bzw. Kernthema der Wissenschaftsallianz und ihres derzeitigen Sprechers, dem FH-Präsidenten, wodurch sie weiterhin im Fokus stünden. Arbeitswelten der Zukunft und Lernende Gesellschaft seien darüber hinaus Themen, die im Zukunftskonzept der JGU im Rahmen der Exzellenzinitiative unter Wissenstransfer abgedeckt seien (Johannes Gutenberg-Universität Mainz o.J.: 60ff.) und deren Entwicklung damit auch vom Ausgang der Exzellenzinitiative abhängig sei. Alle Angebote der Universität, die sich an die Bevölkerung wendeten – von Technologietransfer über wissenschaftliche Weiterbildung bis hin zu Schülerprojekten – seien in diesem Konzept zusammengefasst.[19] Die Zusammenführung und Abstimmung bzw. Koordination von Aktivitäten, die an einzelne autonom arbeitende Institutionen gebunden seien, müsse gelingen und dadurch das Potenzial verstärkt werden. Die verschiedenen Netzwerke seien in einen koordinierten Kommunikationsund Austauschprozess zu bringen, äußert ein Mitglied des Lenkungsausschusses.

Unter der zweiten Säule ist zudem das Ziel formuliert, im Rahmen eines umfassenden Umweltbildungsprogramms die Bevölkerung zu sensibilisieren, Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen. Neben dem Thema Müll bildeten regenerative Energien einen Schwerpunkt. So soll sich Mainz als Solarcity etablieren (Landeshauptstadt Mainz 2010: 15). Die Aktivitäten des AK Umwelt sollten dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen. Im Fokus stehe die Errichtung eines Umweltbildungszentrums im ehemaligen Steinbruch des Baustoffherstellers HeidelbergCement AG, den der Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz aufgekauft habe. Der renaturierte Steinbruch eigne sich in besonderem Maße für geologische Lehrfahrten. Durch Schaffung dieser Umweltbildungseinrichtung würden verschiedene Bereiche zusammengeführt: Verbände und die IHK sollten stark eingebunden werden sowie weitere Einrichtungen, die sich mit den Themen Energie und Umwelt beschäftigen, wie Hochschulen, Schulen und verschiedene Berufsgruppen. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres entstandene persönliche Kontakte würden genutzt, sobald das Umweltbildungszentrum in Betrieb sei. Durch die Einbindung dieser Akteure könne ein breit gefächertes Angebot zur Verfügung gestellt werden, so der AK-Leiter Umwelt. Damit werde der Nutzerkreis bisheriger Angebote erweitert: Bislang hätten der Naturschutz und Kinder im Vordergrund gestanden. Künftig sollten Möglichkeiten bestehen, Fachtagungen durchzuführen sowie Informationen und Beratung in unterschiedlichen Themenfeldern für verschiedene Zielund Altersgruppen der Bevölkerung anzubieten. Zur Erreichung des übergeordneten Ziels sei es bedeutend, dass das Umweltbildungszentrum von Schulen genutzt werde bzw. dass sich Schulen aktiv daran beteiligen, wofür Aufklärungsarbeit notwendig sei, so ein Gesprächspartner. Das Umweltbildungszentrum sei innerhalb des Wissenschaftsjahres noch geplant worden. Die Grundsteinlegung erfolge 2012.

Neben dem Umweltbildungszentrum seien weitere Ziele des AK Umwelt, eine Reihe von Veranstaltungen durchzuführen, die überwiegend vom NHM veranstaltet würden. Ein Mitglied des Lenkungsausschusses erklärt:

„Bei Umwelt sehe ich einen Fokus in der Umweltbildung – also, dass man das zum Bildungsthema macht, weil wir auch sehr viele Umweltbildungseinrichtungen in Mainz haben“ (LA I).

Projekte wie ÖKOPROFIT[20] seien darüber hinaus geeignet, die Ziele zu erreichen.

Des Weiteren sei geplant, sich dem Thema Verkehr zu widmen, zur Steuerung von Verkehrsflüssen und Verringerung von Emissionen, so wird im Rahmen der ersten Befragungsrunde berichtet. Seitens der AK-Mitglieder werden Ziele des AK in folgenden Punkten gesehen:

Ÿ „Nachhaltige Bildungsangebote mit wissenschaftlichen Inhalten vor allem für Kinder und Jugendliche zu entwickeln, durchzuführen und zu etablieren, interdisziplinäre Zusammenarbeit der Macher der unterschiedlichen Institutionen, Entwicklung von Eigeninitiative, Know-how und Phantasie durch Eigentätigkeit, Interaktion, Kommunikation und kreatives Handeln“.

Ÿ „Vernetzung umweltrelevanter Themen und Aktivitäten“ (AKM).

Maßnahmen im gesamten Umweltbereich basierten auf einem Stadtratsbeschluss, der vorsieht, das Klima in Mainz zu verbessern und die Stadt zu einer Solarcity zu entwickeln. Entsprechende Maßnahmen seien somit bereits vor dem Wissenschaftsjahr angestoßen worden, erklärt der Leiter des AK Umwelt in der abschließenden Befragung. Im Rahmen von Stadt der Wissenschaft sei diese Initiative jedoch aufgegriffen und gestützt worden.

Hinsichtlich des dritten Ziels der Säule 2. Arbeitswelten der Zukunft – „für Medienunternehmen wettbewerbsgerecht und zukunftsfähig Personal auszubilden […] [und] der führende Standort für die Ausund Weiterbildung in diesem Bereich zu sein“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 17) – wurde im Rahmen der ersten Befragungsrunde darauf verwiesen, dass sich der Bereich Medien neu konstituiere. So sei bspw. die Einrichtung eines Zukunftsbeirats Medien[21] geplant. Auch sei es die übergeordnete Zielsetzung des AK Medien, die Gutenbergstadt Mainz als ein Zentrum der Medien in Deutschland weiterzuentwickeln und zugleich die Tradition im Blick zu behalten, so die Leiterin des AK.

Rückblickend wird resümiert, dass der Titelgewinn auf den Medienbereich wenige Auswirkungen gehabt habe. Zwar sei dieser in das Konzept von Stadt der Wissenschaft integriert worden, Entwicklungen erfolgten aber unabhängig hiervon, da bereits professionelle, funktionierende Strukturen und die Finanzierung des Bereichs Medien als einem ausgewiesenen Forschungsschwerpunkt der JGU gegeben seien. Auch die Vernetzung in die Region hinein sei Teil dieses Schwerpunktes. Stadt der Wissenschaft habe, so die Meinung eines Mitglieds des Lenkungsausschusses, vom Medienschwerpunkt eher profitiert als umgekehrt. Der nächste Schritt sei das gemeinsame Medienhaus auf dem UniversitätsCampus, in das Wissenschaftler der JGU und FH Mainz einziehen würden. Diese Thematik laufe außerhalb der Strukturen, die im Rahmen von Stadt der Wissenschaft geschaffen worden seien, in den Forschungsförderungsstrukturen des Landes, der Universität und der FH Mainz. Das Medienhaus wird von Seiten eines Befragten des Lenkungsausschusses als wichtige Grundlage gesehen, Mainz perspektivisch zu dem Medienstandort in Deutschland und einem der führenden Ausbildungsund Qualifizierungsstätten für den Bereich Medien weiterzuentwickeln. Dies sei gefördert worden durch das Vorbereiten, Zusammenwirken und Weiterführen von Kooperationen zwischen JGU, FH und Medienwirtschaft.

Tabelle 12[11] stellt zusammenfassend die mit der zweiten Säule verbundenen Ziele sowie AK, Einrichtungen und Projekte zur Zielerreichung dar.

Tabelle 12: Säule 2 – Überblick über Ziele sowie AK, Einrichtungen und Projekte zur Zielerreichung

Unter der Säule 3. Schauplätze des Wissens[23] wurde als Ziel formuliert, eine Wissenskultur in der Bevölkerung durch die Schaffung von Schauplätzen des Wissens bzw. Wissensräumen, die über Wissenschaft informieren und zu einem Dialog einladen, zu etablieren (Landeshauptstadt Mainz 2010: 18). Aktivitäten zur Erreichung dieses Ziels gingen insbesondere vom AK Kultur, dem AK Medien und den Museen aus.

Im AK Kultur gehe es v.a. darum, statt vieler Einzelaktivitäten unter einem Themenschwerpunkt ein gemeinsames Kernprojekt umzusetzen, an dem sich viele Akteure der Stadt beteiligen und ihre Ideen einbringen könnten, so wird im Vorfeld des Wissenschaftsjahres berichtet. Ziel sei es, ein Netzwerk in einem Themenfeld zu bilden, das wichtig für die Stadt sei und wo zugleich eine ihrer Stärken liege, erklärt der AK-Leiter. Unter dem Titel Zurück in die Zukunft sollten an verschiedenen Wissensorten in der Innenstadt, unter Nutzung verschiedener Medien, Informationen – bspw. über Forschungsergebnisse zur Kulturgeschichte der Stadt – zur Verfügung gestellt werden. Zu den Zielen des AK Kultur folgende Aussage:

„Wir haben versucht, in dem AK genau das wahrzunehmen, was wir auch bei der Bewerbung [um den Titel] gesagt haben: Wir wollen kooperative Projekte, nachhaltige Projekte und wir wollen v.a. Kooperationen innerhalb der Stadt, auch zwischen den Sektoren, nachhaltig initiieren oder weitertreiben“ (AK III).

Auch die Mitglieder des AK Kultur sehen das Ziel ihres AK in der Sichtbarmachung ihres Themenfeldes (Kunst und kulturelles Erbe) innerhalb der Stadt Mainz und in der Wissensvermittlung an die Bürger. Die Zusammenarbeit solle zur Netzwerkbildung beitragen. Folgende Aussagen, die im Rahmen der OnlineBefragung formuliert wurden, verdeutlichen beispielhaft die Ziele des AK aus Sicht der AK-Mitglieder:

Ÿ „Die Bedeutung der historischen Kulturwissenschaften im städtischen Raum sichtbar machen“.

Ÿ „Vielfalt archäologischer Forschung zwischen technisch-naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Fragestellungen verdeutlichen“.

Ÿ „Vermittlung der wissenschaftlich-kulturellen Aktivitäten der Stadt an die Bürger und zugleich die Vernetzung der beteiligten Institutionen durch die enge Zusammenarbeit am zeit.fenster-Projekt[24]“ (AKM).

Die Ziele sollten insbesondere durch das zentrale Gemeinschaftsprojekt Zurück in die Zukunft, aber auch durch andere Projekte realisiert werden, wie das neue Archäologische Zentrum[25], Inschriften des Mainzer Domes, Namenforschung, die digitale Rekonstruktion des Kaufhauses auf dem Brand und mainz1184, so Nennungen der AK-Mitglieder.

Ziel des AK Medien sei es, das Projekt Stadt der Wissenschaft zu kommunizieren sowie das Thema Kommunikation und Neue Medien in das Jahresprogramm, aber auch in die nachhaltige Gestaltung der Wissenschaftsstadt Mainz einzubringen und neue Netzwerke zu knüpfen. Im Rahmen von Stadt der Wissenschaft stehe die Nutzung verschiedener Medien als Kommunikationsinstrumente für Wissenschaftsthemen bzw. Wissenschaftskommunikation im Vorder-grund. Unter dem Stichwort „Edutainment“ (AK II) gelte es, neue Formate zu entwickeln, mit denen wissenschaftliche Themen ansprechend für die Bevölkerung aufbereitet werden können. Der AK Medien habe damit eine spezielle Funktion inne, da er sowohl eigene Projekte realisiere als auch als „Katalysator“ (AK II) fungiere, um andere Themen zu kommunizieren, erklärt seine Leitung.

Der Etablierung einer Wissenskultur, der sich insbesondere der AK Kultur widmet, komme eine Sonderrolle zu, so eine Meinung: Durch die Dichte der Wissenschaftseinrichtungen nehme die Mainzer Bevölkerung viele öffentliche Veranstaltungen wahr, was dazu beitragen könne, eine „Kultur des Wissens“ (vgl. Landeshauptstadt Mainz 2010: 6, 18) zu etablieren. Folgende Aussage hierzu:

„So wie andere Städte für Musiktheater stehen oder für Ballett oder für Literatur, kann Mainz auch für die Wissenschaft stehen und die Bürger gehen mal ins Kino und dann mal zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung“ (LA I).

Die Projektkoordination hebt mit Blick auf die Ziele der dritten Säule Potenziale und Wirkungen der Mainzer Museen hervor, die es zu verstärken gelte. Die Museen könnten „Bildung und Wissen ausstrahlen und weitergeben“ (SA I). Ihnen solle es gelingen, ein niedrigschwelliges Angebot anzubieten, um alle Teile der Bevölkerung zu erreichen. Auch andere Befragte verschiedener Gruppen stellen die Museen als klassische Orte des Wissens bzw. der Wissensvermittlung heraus, die neben vielen anderen Orten eine „Stadtlandschaft voller Kreativität“ (vgl. Landeshauptstadt Mainz 2010: 5, 22) realisierbar machten. Das NHM solle nach seiner Neukonzeptionierung zu den führenden Institutionen in den Bereichen Umweltbildung und -kommunikation in Rheinland-Pfalz gehören, so der Kuratoriumsvorsitzende (vgl. ebd.: 19).

Ob sich eine Kultur des Wissens etablieren werde, sei davon abhängig, inwieweit es gelinge, dass sich die Museen nach Beenden des Wissenschaftsjahres weiterhin als Schaufenster der Wissenschaft begreifen und inwieweit sie ihre Zusammenarbeit mit Wissenschaftseinrichtungen verstetigen können, erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Hierzu folgende Einschätzungen aus der ersten Befragungsrunde:

„Es ist ein entscheidender Vorteil, dass sowohl das NHM als auch das RGZM in der Wissenschaftsallianz sind, sodass wir das Thema 2012 nochmal neu diskutieren können. Das NHM hat ein ausgesprochenes Interesse daran, auch künftig seine Flächen zu Präsentationszwecken für die Wissenschaft zur Verfügung zu stellen“ (LA I).

„Es gelingt uns, dass sich die Museen stärker als Träger der Kultur oder Wissenskultur begreifen und ein neues Selbstverständnis entwickelt haben. Das sind die Strukturen, über die wir dann auch nach 2011 Projekte aufsetzen wollen“ (LA I).

Für andere Befragte weisen die Schauplätze des Wissens eher Eventcharakter auf.

Großprojekte wie zeit.fenster oder die Ausstellung Spektrale[26] seien geeignet, „die Neugierde auf Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen hervorzuru-fen“ (K II). Auch die weiteren Projekte zum Thema Farben, durch die Wissen für alle Altersstufen stets neu aufbereitet werden könne, werden genannt. Insgesamt solle die Fortführung einzelner Veranstaltungen dazu beitragen, eine Wissenskultur zu schaffen. So erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses:

„Wenn das, was wir jetzt mit dem zeit.fenster ausprobieren – Geschichte in der Stadt zu inszenieren – ein Erfolg wird, fände ich das schön, wenn sich daraus ein neues Format entwickelt […]. In der Form, wie wir es jetzt machen, ist es ausgesprochen aufwändig […]. Insgesamt ist zu prüfen: Was hat besonders gut geklappt, was hat eine Resonanz bei der Bevölkerung gefunden? Dann nehmen wir ein, zwei, drei neue Formate künftig mit auf und bespielen die weiter; das Potenzial ist ja insgesamt da“ (LA I).

Befragt danach, welche der durchgeführten Projekte und Maßnahmen bereits dazu beigetragen haben, das Ziel, eine Wissenskultur zu etablieren, (nachhaltig) zu erreichen, erklärt der Leiter des AK Kultur im Rahmen der zweiten Befragungsrunde:

Stadt der Wissenschaft […] hat viel vorangetrieben und angestoßen. Aber ein Titel mit einer ganzen Menge Ad hoc-Projekten und verdichteter Netzwerke kann noch nicht dazu führen, eine andere Kultur in der Stadt zu erzeugen“ (AK III).

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres konnten die Museen nach Auffassung mehrerer Befragter ihrer Rolle als Schauplätze des Wissens und Wissensräume gerecht werden (vgl. Kap. 4.5):

„Die Museen, das ist dort, wo der Bürger in der Regel zunächst einmal auf Wissenschaft trifft. Da hat sich wirklich viel getan“ (AK III).

Das NHM habe sich selbst die Bezeichnung Schaufenster der Wissenschaft gegeben und agiere weiter, „als hätte das Jahr Stadt der Wissenschaft 2011 nie aufgehört“ (LA I), wie die Eröffnung neuer Ausstellungen in 2012 in Kooperation mit der JGU zeige. Das NHM habe innerhalb des Wissenschaftsjahres mehrere Sonderausstellungen in Kooperation mit Hochschulen (z.B. mit den Geowissenschaften der JGU und der Medienwissenschaft der FH Mainz) oder forschenden Unternehmen (wie Boehringer Ingelheim: Ausstellung Ein Medikament entsteht) durchgeführt. Solche Kooperationen werden als große Chance und Gewinn betrachtet, sowohl was die Inhalte betreffe als auch die Umsetzung bzw. zeitgemäße Präsentation von Forschungsergebnissen. Eine andere Museumspädagogik sei durch die Zusammenarbeit mit Kommunikationsund Mediendesignern der FH Mainz möglich gewesen. Neue Zielbzw. Altersgruppen seien auch im Gutenberg-Museum erreicht worden. Der Ruf der Museen ist aus Sicht der Projektkoordination durch Ausstellungen dieser Art nachhaltig verbessert worden.

„Und auch das gibt es jetzt inzwischen: der Opa geht mit dem Enkel ins GutenbergMuseum und der eine erklärt dann das [historische Ausstellungsstück], der andere erklärt das Neue. Da wurde auch viel für den Austausch der Generationen gemacht – für das gemeinsame, wissenschaftliche Erleben der Generationen“ (SA I).

Zwischen JGU und Museen wie dem RGZM habe es schon seit über zehn Jahren Aktivitäten im Bereich Wissenstransfer gegeben, bspw. in Form von Forschungsund Lehrkooperationen, Vorträgen oder im Rahmen des Wissenschaftsmarktes, die Intensität habe sich jedoch durch das Wissenschaftsjahr erhöht:

„Neu ist aber, dass man wirklich die Museen als Raum nutzt, um Wissenschaft darzustellen. Diesen Impuls gab die Stadt der Wissenschaft und das wird jetzt weitergeführt. Dies v.a. auch deshalb, weil es Synergien gibt in dieser Stadt, v.a. wenn es ums Geld geht. Durch diese Kooperationen gewinnt jeder“ (LA I).

Die Museen spielten bei der Erreichung und nachhaltigen Sicherung der Ziele der dritten Säule auch weiterhin eine zentrale Rolle. Viele seien beteiligt. Durch die Vernetzung der Museen, insbesondere ihrer Pädagogen, innerhalb des Wissenschaftsjahres, seien Ideen für weitere gemeinsame Programme entstanden. Vieles von dem, was im Rahmen des Wissenschaftsjahres entwickelt wurde, sei Teil von Dauerausstellungen geworden, so ein Mitglied des Lenkungsausschusses, einige Projekte würden weitergeführt.

Die Nachhaltigkeit der Kooperationen und damit auch des formulierten Ziels sei durch Zusammenschlüsse wie die Wissenschaftsallianz gegeben, in die Museen wie das NHM, das RGZM oder das Gutenberg-Museum als forschende Einrichtung aufgenommen worden seien.

„Die Idee, die Museen mit der Wissenschaft zu vernetzen, dieser Impuls wurde aufgegriffen von beiden Seiten und wird auch weiter gelebt“ (LA I).

Auch der AK Medien habe u.a. in Zusammenarbeit mit den Museen dazu beigetragen, die Schauplätze des Wissens zu etablieren und noch stärker zu kommunizieren. Die Kommunalen Bildungslandschaften bzw. die Schaffung außerschulischer Lernangebote sei ebenfalls durch die Zusammenarbeit mit Kommunikationsund Medienwissenschaftlern im Rahmen von Ausstellungen unterstützt worden. So habe es viele Angebote für Schulgruppen gegeben. Durch eine zielgruppengerechte Vermittlung könne Interesse für wissenschaftliche Themen geweckt werden. Durch Stadt der Wissenschaft sei nach Neukonzeptionen bzw. neuen Wegen der Wissensvermittlung gesucht worden, die Wissenschaftskommunikation habe „eine andere Qualität bekommen“ (AK II). Wissenschaftliche Erkenntnisse seien sichtbar gemacht, neue Bildsprachen entwickelt worden, um – in enger Rückkopplung mit Wissenschaftlern – Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu vermitteln.

Die Spektrale sei zwar ein einmaliges Projekt im Rahmen des Wissenschaftsjahres gewesen, aber eine Form, mit der das Interesse sehr vieler Menschen geweckt worden sei (20.000 Besucher). Die Möglichkeiten zum Mitmachen hätten die Besucher als spannend empfunden. Die Spektrale baue auf verschiedenen Initiativen auf. So habe bereits eine Ausstellung und eine Tagung zum Thema Licht und Farbe stattgefunden. Die Realisierung solcher Ausstellungen sei aber eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel, so ein Mitglied des Lenkungsausschusses.

Eine Zusammenfassung der unter der Säule Schauplätze des Wissens formulierten Ziele sowie eine exemplarische Auflistung der AK, Einrichtungen und Projekte, die zur Zielerreichung beitragen, folgt in Tabelle 13[11].

Tabelle 13: Säule 3 – Überblick über Ziele sowie AK, Einrichtungen und Projekte zur Zielerreichung

Säule 3. Schauplätze des Wissens

Primäre Zielsetzung

AK und Einrichtungen zur Zielerreichung (Auswahl)

Projekte zur Zielerreichung (Auswahl)

Etablierung einer Wissenskultur

AK Kultur, AK Medien, Museen

zeit.fenster, Spektrale,

neues Archäologisches Zentrum, Inschriften des Mainzer Domes, Namenforschung, digitale Rekonstruktion des Kaufhauses auf dem Brand und mainz1184, Sonderausstellungen in Museen

Die drei im Antrag definierten Säulen sowie die darunter formulierten Ziele umfassen unterschiedliche Themenbereiche und ließen sich aus Kompetenzfeldern der Stadt Mainz ableiten. Als kommunale Handlungsfelder seien sie nach Ansicht der meisten Befragten alle gleichermaßen bedeutend bzw. von Nutzen für die Stadt(entwicklung) sowie von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Auch seien sie auf Nachhaltigkeit angelegt. Einige Befragte verweisen auf den Zusammenhang der Säulen. So bildeten die Themen Bildung und Arbeitswelten der Zukunft eine Gedankenfolge, Schauplätze des Wissens stünden wiederum im Zusammenhang mit Bildung. Es wird erklärt: „für mich sind das keine drei Säulen, sondern eher ein Kreislauf“ (LA III).

Aufgrund des Titelgewinns konnten neben zentralen Initiativen eine Vielzahl von Maßnahmen, Projekten und Veranstaltungsformaten durchgeführt werden, die z.T. weitergeführt werden und dazu beitragen sollen, unter dem durch die Säulen gegebenen Rahmen, eine Wissenschaftsstadt zu realisieren. Durch Maßnahmen im Rahmen des Wissenschaftsjahres angestoßene Prozesse seien nicht innerhalb des einen Jahres zu realisieren. Stadt der Wissenschaft wird jedoch „als so eine Art Motor“ (LA III) angesehen, die Weiterentwicklung langfristig voranzutreiben. Die Umsetzung entsprechender Maßnahmen sei allerdings von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängig.

Den übergeordneten Rahmen zur nachhaltigen Sicherung der Ziele bilden nach Aussagen einiger Befragter Maßnahmen, wie die im Frühjahr 2012 veranstaltete Zukunftskonferenz (s. Kap. 4.2.11). Mit ihr sollten die Initiative und der Schwung aus 2011 erhalten sowie neue Personen gewonnen werden, die sich an der Weiterentwicklung von Mainz als Wissenschaftsstadt beteiligen. Die Zukunftskonferenz habe dazu gedient, dass sich die Akteure erneut zusammensetzen und sich gegenseitig im Weitermachen bekräftigen konnten. Inhaltliche Ergebnisse sind nach Auffassung eines Mitglieds des Lenkungsausschusses hierbei von nachgeordnetem Interesse gegenüber der erneuten Herstellung eines Gemeinschaftsgefühls. Die Zukunftskonferenz ist nach Auffassung vieler Befragter ein Indiz dafür, dass der Gedanke der Wissenschaftsstadt über 2011 hinaus weitergeführt wird und neue Ziele gesetzt werden.

Zur nachhaltigen Sicherung der formulierten Ziele werden neben Initiativen wie der Zukunftskonferenz auf übergeordneter Ebene zudem häufig die entstandenen Vernetzungen benannt. Positiv wird diesbezüglich die Fortführung von Elementen der Organisationsstruktur, v.a. der AK, bewertet (s.u.), ebenso bestehende Zusammenschlüsse wie die Mainzer Wissenschaftsallianz.

  • [1] Vgl. gesondertes Kapitel zu dieser Säule 4.3
  • [2] Ferienprogramm, das die kognitiven und motorischen Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern durch spielerisches Lernen fördern soll, insbesondere in Kombination von Mathematik und Sport. Es wird von Lehramtsstudierenden der JGU durchgeführt (KIMMIG 2012: 16; s. denksport.uni-mainz.de)
  • [3] Außerschulische Sprachförderung für Migranten bzw. Kinder mit Sprachproblemen, die von Lehramtsstudierenden der JGU durchgeführt wird. Durch eine Erhöhung der Sprachkompetenz sollen Integrationschancen erhöht werden. Die Lehramtsstudierenden profitieren von Praxiserfahrungen (Landeshauptstadt Mainz 2011a:128)
  • [4] Die Studierendenanalyse des Geographischen Institutes (JGU) in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung, Statistik und Wahlen (Stadt Mainz) beschäftigt sich mit der Wohn- situation, Nutzung von Infrastruktur, Kultur und Freizeitangeboten durch Studierende sowie ihrem Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung (Landeshauptstadt Mainz 2011a:131f.)
  • [5] Durch ihre zweite (2005 und 2010) Sozialraumanalyse möchte die Stadt Mainz Stadtgebiete aufzeigen, in denen soziale Benachteiligung zu verzeichnen ist. Die Analyse dient als Grundlage zur sozialen Stadtentwicklung (Landeshauptstadt Mainz 2011a:131)
  • [6] Die Wanderausstellung des Mathematischen Instituts (JGU) sowie des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz soll durch Beispiele mit Alltagsbezug Spaß am Fach Mathematik erzeugen (Landeshauptstadt Mainz 2011a: 28)
  • [7] „Der junior campus mainz […] ist eine Kooperation der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Fachhochschule Mainz an der Schnittstelle von Schule und Hochschule. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen und Schulformen über die schulische Ausbildung hinaus nachhaltig für ein wissenschaftliches oder künstlerisches Studium zu begeistern sowie individuelle Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler zu fördern“ (Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2014c)
  • [8] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011)
  • [9] Angelehnt an die Poetry Slams treten Wissenschaftler bei dieser Veranstaltung gegeneinander an, um ihre Forschungsergebnisse möglichst kreativ und verständlich einem Laienpublikum zu präsentieren (Stifterverband o.J.e)
  • [10] Ein Projekt der Universitätsmedizin, bei dem Schüler aus der Oberstufe einen Tag lang Einblicke in den Beruf des Mediziners bekommen. Das Projekt wurde bereits von der Initiative 365 Orte der Ideen ausgezeichnet: „Von 2006 bis 2012 prämierte die Initiative ‚Deutschland – Land der Ideen' in Kooperation mit der Deutschen Bank Ideen und Projekte, die einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. Die mehr als 2.500 ‚Ausgewählten Orte' stehen für den Ideenreichtum, die Leidenschaft und die Umsetzungsstärke der Menschen im Land und machen die Innovationskraft Deutschlands erlebbar. Die Preisträger aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Bildung und Gesellschaft sind seit ihrer Auszeichnung Teil des großen Netzwerks der Initiative ‚Deutschland – Land der Ideen'“ (Deutschland – Land der Ideen 2013)
  • [11] Bei den in der Tabelle benannten AK und Einrichtungen zur Zielerreichung sowie den Projekten, handelt es sich lediglich um eine Auswahl. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
  • [12] Vgl. gesondertes Kapitel zu dieser Säule 4.4
  • [13] Während Technologietransfer sich explizit auf den Austausch und die Nutzbarmachung von technologischem Wissen bezieht (vgl. GABLER 2013: 428), ist in Bereichen wie der Bildung von Wissenstransfer zu sprechen, der gleichzeitig als Oberbegriff bezeichnet werden kann
  • [14] gruendungsbuero-mainz.de
  • [15] Europäische Fonds für regionale Entwicklung
  • [16] Zunächst befristet auf dreieinhalb Jahre eingerichtet: 1. Dezember 2011 bis 30. Juni 2015
  • [17] Gründungsbüro: Liste der unterstützenden Institutionen siehe gruendungsbueromainz.de/netzwerk.html
  • [18] Die Zukunftskonferenz wurde im Mai 2012 im Anschluss an das Wissenschaftsjahr von der Stadt Mainz, dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur und der Mainzer Wissenschaftsallianz veranstaltet, um zu diskutierten, wie in unterschiedlichen Themenfeldern wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung weiter vorangetrieben werden kann und welche Maßnahmen und Strategien zu konzipieren sind (s. Kap. 4.2.11)
  • [19] Das Konzept eines Center for Knowledge Exchange (Johannes Gutenberg-Universität Mainz o.J.: 60ff.) wurde nach dem nicht erfolgreichen Ausgang der Exzellenzinitiative hinsichtlich des Zukunftskonzepts der JGU nicht weiterverfolgt
  • [20] „ÖKOPROFIT ist ein betriebliches Umweltberatungsprogramm, bei dem über einen Zeitraum von einem Jahr interessierte Betriebe, sämtlicher Branchen und Größe durch externe Fachleute geschult und beraten werden, wie Betriebsabläufe durch organisatorische und technische Maßnahmen umweltfreundlicher und zugleich rationeller und damit Kosten sparend gestaltet werden können“ (Landeshauptstadt Mainz 2014j)
  • [21] „Mit der Einrichtung eines Zukunftsbeirats aus Fachleuten der Wirtschaft und der Wissenschaft sollen Empfehlungen für zukunftsorientierte Qualifizierungsund Weiterbildungsmaßnahmen zusammengetragen und den ausbildenden Institutionen, Einrichtungen und Unternehmen kommuniziert werden“ (vgl. Landeshauptstadt Mainz 2010:17)
  • [22] Bei den in der Tabelle benannten AK und Einrichtungen zur Zielerreichung sowie den Projekten, handelt es sich lediglich um eine Auswahl. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
  • [23] Vgl. gesondertes Kapitel zu dieser Säule 4.5
  • [24] Im Rahmen des Projektes zeit.fenster. Vergangenheit hat Zukunft (vom 14.05.–19.11.2011) wurden in der Mainzer Innenstadt Informationen und Forschungsergebnisse der Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt, u.a. in z.T. begehbaren Würfeln
  • [25] Das Archäologische Zentrum wird am südlichen Ende der Mainzer Altstadt in unmittelbarer Näher zum Museum für Antike Schifffahrt errichtet. Das Gebäude soll durch das RGZM sowie die archäologische Denkmalpflege (Generaldirektion Kulturelles Erbe) bezogen werden (Landeshauptstadt Mainz 2014o)
  • [26] Ausstellung der Mainzer Wissenschaftsallianz zu Licht und Farbe in Wissenschaft und Kunst, 15.07.–14.08.2011 in der Rheingoldhalle Mainz
  • [27] Bei den in der Tabelle benannten AK und Einrichtungen zur Zielerreichung sowie den Projekten, handelt es sich lediglich um eine Auswahl. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
 
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