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4.2.2 Regionale Öffnung und Bürgerbeteiligung

Da sich das Gesamtprojekt Stadt der Wissenschaft 2011 auf Mainz beziehe, hätten sich überwiegend Personen aus der Stadt Mainz dazu entschieden, das Projekt aktiv mitzugestalten, bzw. seien Partner insbesondere lokal oder regional gesucht worden. Hinsichtlich der Beteiligung von Hochschulen außerhalb der Stadt Mainz sei die Resonanz trotz offener Einladung relativ gering gewesen. Zwar gebe es einzelne Kooperationen, andere Hochschulen verfolgten allerdings eigene Projekte. Viele Themen könnten jedoch nicht lokal gedacht werden und bedürften einer regionalen Öffnung, wie bspw. der Bereich Umwelt. Die Einbindung externer Experten werde je nach Thema bzw. Veranstaltung angedacht. Ein intensiver Erfahrungsaustausch sei mit der Stadt Oldenburg erfolgt, die im Jahr 2010 den Titel Stadt der Wissenschaft getragen hat, berichten mehrere Befragte im Rahmen der ersten Befragungsrunde.

Die Bürger der Stadt Mainz seien zwar nicht direkt eingeladen worden, sich im Rahmen von Stadt der Wissenschaft zu beteiligen, die Organisatoren hätten jedoch Formen der Partizipation gesucht, indem sie z.B. bestimmten Gruppierungen die Ideen von Stadt der Wissenschaft vorgestellt und Feedback bekommen hätten. Dabei sei es allerdings weniger darum gegangen, Bürger für die aktive Mitarbeit zu gewinnen, als Impulse zu erhalten, welche Aspekte für die Bürger wichtig sind und realisiert werden können. Auch der Wissenschaftsmarkt 2009 sei dazu genutzt worden, die Bürger zu fragen, was sie von ihrer Stadt der Wissenschaft erwarten, welche Themen sie sich wünschen. Zudem sei Mainz als Stadt der Wissenschaft 2011 in den Neuen Medien, auf Facebook und Twitter aktiv, worüber Rückmeldungen aus der Bevölkerung erfolgten. Insgesamt sei der Prozess jedoch eher Top-Down erfolgt. Hierfür sind folgende Aussagen kennzeichnend:

„Richtige Mitwirkung im Sinne von Mitplanen, außerhalb der per Amt dazu Befugten, sehe ich jetzt nicht, außer einigen Ehrenamtlichen, die bei den Institutionen mitwirken – das kann man natürlich als Bürgerbeteiligung sehen“ (AK III).

Stadt der Wissenschaft war immer Thema in den Medien. Auch das Rathaus ist ein offenes Haus, im Prinzip kann jeder hierher kommen und mit uns in Kontakt treten“ (AK II).

4.2.3 Auswahl der Projekte

Das mit dem Titelgewinn verbundene Preisgeld ermöglicht der Stadt Mainz, zahlreiche Projekte, Veranstaltungen, Maßnahmen und Studien zu unterstützen, die ein vielfältiges Angebot während des Wissenschaftsjahres gewährleisten und dazu beitragen sollen, die Wissenschaftsstadt sichtbar zu machen und nachhaltig weiterzuentwickeln.

Im Rahmen von Stadt der Wissenschaft 2011 seien über 300 Projektanträge eingereicht worden. Als Entscheidungsgrundlage, welche Projekte gefördert werden, seien im Lenkungsausschuss Kriterien formuliert worden. So habe von Beginn an das Selbstverständnis bestanden, keine reine Eventkultur zu unterstützen, sondern Projekte, die zu einer wissensbasierten Stadtentwicklung beitragen, erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses im Rahmen der ersten Gesamtbefragung.

Als weiteres Auswahlkriterium sollten sich die Projekte einer der im Antrag der Stadt Mainz formulierten Säulen (Säule 1. Kommunale Bildungslandschaften, Säule 2. Arbeitswelten der Zukunft, Säule 3. Schauplätze des Wissens) zuordnen lassen, die das Selbstverständnis des Wettbewerbs definierten und die im Vorfeld des Wissenschaftsjahres eruierte Kompetenzfelder der Stadt, wie z.B. Gesundheit und Bildung, umfassen.

Ziel des Wissenschaftsjahres sei es, Wissenschaft in der Stadt sichtbar zu machen, Projekte zu entwickeln, die in verschiedener Weise in die Zukunft wirkten sowie Strukturen zu schaffen, die auch nach 2011 Bestand hätten und die Projektträger werden könnten. Der Aspekt der Nachhaltigkeit sei damit eine Auflage für alle 2011 geplanten Projekte gewesen.

Kongresse und Tagungen seien nicht finanziert worden, ebenso nicht Wissenschaftsveranstaltungen, die in den letzten Jahren bereits regelmäßig durchgeführt und von anderer Trägerseite finanziert worden seien. Solche Veranstaltungen seien jedoch in den Veranstaltungskalender aufgenommen worden und würden im Jahr 2011 im Rahmen von Stadt der Wissenschaft durchgeführt.

Von den ca. 100 eingereichten Projekten mit Finanzierungsbedarf konnten lediglich ca. zwölf nicht gefördert werden, berichtet die Projektkoordination. Unter den abgelehnten Projekten seien bspw. Messen und Tagungen gewesen, bei denen die Institution selbst im Vordergrund gestanden habe. Teilweise habe es auch inhaltliche Überschneidungen gegeben. In solchen Fällen sei versucht worden, die betreffenden Personen zusammenzuführen. Die restlichen ca. 200 eingereichten Projekte[1] ohne Finanzierungsbedarf seien allesamt angenommen worden, da sie alle thematisch in das Gesamtkonzept gepasst bzw. die Kriterien erfüllt hätten. Diese „Erfolgsquote“ wird auf die geleistete Vorarbeit zurückgeführt: Bereits vor der Bewerbung und in der Bewerbungsphase seien Treffen veranstaltet worden, auf denen ein intensiver Austausch und gemeinsames Brainstorming zu Stadt der Wissenschaft stattgefunden habe.

Den Auswahlprozess schätzen die Befragten unterschiedlich ein. Während ein Mitglied des Lenkungsausschusses die Auswahl und Zuordnung der Projekte als unproblematisch beschreibt, erklärt ein anderes:

„Es war nicht einfach, eine Kosten-Nutzen-Analyse zu machen: Welche Projekte wollen wir unbedingt durchführen? Welche Projekte kommen eher in die zweite Reihe?“ (LA III).

Die heterogene Zusammensetzung des Lenkungsausschusses habe sich als positiv auf die Auswahl der Projekte erwiesen.

  • [1] Einen Überblick über die im Rahmen des Wissenschaftsjahres durchgeführten Projekte (inkl. Kurzbeschreibungen) geben die beiden Veranstaltungskalender (Landeshauptstadt Mainz 2011a und 2011b)
 
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