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4.2 Ergebnisse der Gesamtbefragungen

Im Rahmen der beiden Gesamtbefragungsrunden (2010/2011 und 2012/2013) wurden Akteure aller Einheiten der Organisationsstruktur von Stadt der Wissenschaft (AK, Lenkungsausschuss, Kuratorium, Projektbüro) in Form von leitfadenorientierten Gesprächen[1] oder einer Online-Befragung (AK-Mitglieder) befragt. Die Ergebnisse der beiden Erhebungen werden an dieser Stelle zusammenfassend dargestellt. Sie schließen mit den zu beobachtenden Effekten des Titelgewinns auf die Stadt Mainz sowie den erhobenen Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt Mainz (vgl. Kap. 4.2.11). Bei der Ergebnisdarstellung wird deskriptiv vergleichend vorgegangen. Eine bewertende Perspektive erfolgt in Kapitel 5.

4.2.1 Organisationsstruktur Stadt der Wissenschaft 2011

Die Organisationsstruktur[2] des Projektes Stadt der Wissenschaft 2011, die aus einem Kuratorium, dem Lenkungsausschuss, einem Projektbüro und verschiedenen thematischen AK besteht, soll eine möglichst breite Partizipation unterschiedlicher Akteure ermöglichen (vgl. Abb. 5).

Im Kuratorium sind verschiedene gesellschaftliche Bereiche bzw. Institutionen des Landes, insbesondere der Stadt Mainz, mit ihrer obersten Hierarchieebene vertreten: Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, größeren Kultureinrichtungen, Banken, aus Medienanstalten und den Kirchen. Das Kuratorium steht unter der Leitung des Mainzer Oberbürgermeisters.

In den Gesprächen der ersten Befragungsrunde wird erklärt, der repräsentative Kreis des Kuratoriums sei [3] berufen worden, um das Gesamtprojekt ab dem Bewerbungsprozess zu begleiten und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen. Die Mitglieder fungierten als Multiplikatoren. Sie sollten dafür Sorge tragen, Stadt der Wissenschaft in den jeweiligen Institutionen bzw. in ihrem Umfeld bekannt zu machen. Die Expertise dieser Personen solle zudem für den Wettbewerb nutzbar gemacht werden, erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses im Rahmen der ersten Gesamtbefragung vor Beginn des Wissenschaftsjahres. Die Mitglieder berieten den Oberbürgermeister und unterstützten Mainz als Stadt der Wissenschaft in Form von Ideen, Sponsoring und Hilfen strategischer Art.

Im Lenkungsausschuss sind repräsentative Personen der hauptsächlich durchführenden Institutionen vertreten, wie Hochschulen und kulturelle Einrichtungen, Land und Stadt. Durch Netzwerke wie die Mainzer Wissenschaftsallianz (vgl. Kap. 3.2) hätten bereits Kontakte zu geeigneten Personen zur Besetzung des Lenkungsausschusses bestanden, erklärt ein Mitglied desselben. Der Ausschuss repräsentiere die Entscheidungsund Arbeitsebene. Er tage regelmäßig und stelle eine Austauschplattform für die verschiedenen beteiligten Institutionen dar.

Weitreichende (wie alle Projekte betreffende) Entscheidungen würden in einem um den Präsidenten der JGU, den FH-Präsidenten, den Oberbürgermeister und die Ministerin bzw. den Staatssekretär für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur sogenannten erweiterten Lenkungsausschuss getroffen, um eine Legitimation nach außen zu gewährleisten. So sei der erweiterte Lenkungsausschuss hauptsächlich gebildet worden, um die Verteilung der Projektmittel zu legitimieren, d.h. durch ihn sei festgelegt worden, welche Projekte in welcher Höhe finanziert werden. Es handle sich somit um keine ständige Einrichtung.

Erste Aufgaben des Lenkungsausschusses hätten bereits in der Unterstützung der Bewerbung um den Titel Stadt der Wissenschaft sowie der Konzeption und dem Aufbau einer Organisationsund Prozessstruktur bzw. Projektsteuerung des Gesamtprojektes gelegen, erklärt ein Mitglied des Lenkungsausschusses. Über den Lenkungsausschuss seien auch die AK-Leiter (s.u.) eingesetzt und Vorschläge unterbreitet worden, wer im Kuratorium vertreten sein solle. Eine weitere zentrale Aufgabe des Lenkungsausschusses habe darin bestanden, über die Förderung der Projekte, die seitens der AK eingereicht wurden, zu entscheiden. Der Lenkungsausschuss übernehme anschließend eine Controllingund Koordinationsaufgabe und überprüfe, ob die AK sowie die Projektgruppen, die sich aus einzelnen AK heraus gegründet hätten, auch in dem ihnen gegebenen Auftrag arbeiteten und koordiniere Treffen der AK-Leiter. Neben allgemeinen Verantwortungsprozessen sei der Lenkungsausschuss für Vorschläge zum Thema Gesamtkommunikation über Stadt der Wissenschaft nach innen und außen sowie für Werbemittel zuständig. Ausgeführt würden diese anschließend von Seiten der Stadt. Ein Projektbüro arbeite dem Lenkungsausschuss zu.

Das Projektbüro sei (zunächst von 1. April 2010 bis 31. Januar 2012) als Koordinationsstelle für das Gesamtprojekt eingerichtet worden. Die Aufgaben der eingesetzten Projektkoordinatorin seien vielfältig; Schwerpunkte verlagerten sich je nach Phase des Gesamtprojektes. In erster Linie sei sie Ansprechpartner für alle Projektbeteiligten, zuständig für die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, für die Homepage und Erstellung der beiden Halbjahres-Veranstaltungskalender von Stadt der Wissenschaft 2011 und für sonstige Gestaltungsfragen. Unterstützt werde das Projektbüro insbesondere durch eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Mainz (Amt für Öffentlichkeitsarbeit) z.B. beim Fundraising und der Pressearbeit.

Im Rahmen des Vorbereitungsbzw. Bewerbungsprozesses, 2009, wurden sechs AK gebildet, die wichtige Kompetenzfelder der Stadt abbilden und gleichzeitig Verbindungen zur Wissenschaft aufweisen (vgl. Kap. 4.1). Die AK gliedern sich wiederum in themenund projektbezogene Teil-Arbeitsgruppen bzw. Unter-AK.

In den AK seien Personen der Stadt Mainz vertreten, die in den jeweiligen Themenfeldern (Umwelt, Bildung, Wirtschaft, Kultur, Medien etc.) tätig seien und / oder Interesse an der jeweiligen Thematik hätten. Diese Organisationseinheit biete damit allen Interessierten, Einrichtungen und Einzelpersonen, die Möglichkeit, sich zu treffen, zu bestimmten Themen miteinander ins Gespräch zu kommen, die Netzwerkbildung anzustoßen, allgemeine Informationen auszutauschen und sich mit Projektideen in das Gesamtprojekt einzubringen. Bestehende Projekte bzw. Projektgruppen und Initiativen könnten vernetzt, unterstützt und ausgebaut, neue gemeinsam entwickelt werden. Im Wissenschaftsjahr setzten die Mitwirkenden ihre Projekte eigenständig in kleineren Teams um. Bei den AK handle es sich damit nicht um eine Gruppe, die nach außen als solche auftrete. Viele AK-Mitglieder seien in mehreren AK tätig, zudem würden Projekte auch AK-übergreifend entwickelt und durchgeführt. Die AK entsprächen demzufolge der Arbeitsebene. Ein AK-Leiter beschreibt die AK folgendermaßen:

„Die AK dienen dazu, auch im kleineren Kreis zu Themen zu finden und eine dezentralere Struktur aufbauen zu können. D.h. nicht, dass nur innerhalb der AK Projekte entstehen können oder Leute zusammenarbeiten sollen. Nehmen Sie mal das Beispiel AK Jugend: Es ist klar, dass Jugend überall vorkommt, weil das eine Zielgruppe ist, die wir überall ansprechen“ (AK III).

Die AK seien als Teil der Organisationsstruktur zunächst thematisch in Anlehnung an die Dezernate[4] der Mainzer Stadtverwaltung gebildet[5], die Leitungen der AK vorübergehend in erster Linie Dezernenten übertragen worden. Die Dezernenten sollten als Leitfiguren für die Beteiligung möglichst vieler Personen aus den jeweiligen Bereichen Sorge tragen. Die AK-Struktur habe sich bereits in der Vorbereitungsphase verändert und entspreche thematisch nicht mehr ganz den Dezernaten. Auch sei mit Blick auf die Verschiebung der AK-Tätigkeit auf die Arbeitsebene die Leitung anderen zentralen Personen der Stadt anvertraut worden, die über besondere Erfahrungen in dem jeweiligen Themenfeld verfügten. Z.T. leiteten zwei Personen einen AK.

Die AK-Leiter hätten die Aufgabe, die AK zu moderieren und zu koordinieren. Sie übernähmen Routineaufgaben wie die Weitergabe von Informationen über den E-Mail-Verteiler und Einladungen zu AK-Treffen. Die AK-Leiter seien Ansprechpartner für die Projekte, die in den AK entwickelt würden und fasten geplante Projekte und Veranstaltungen in Strukturen zusammen. Zudem stellten sie Informationen über andere AK bereit oder Kontakte zu anderen AK her. Dies betreffe neben organisatorischen Aspekten insbesondere inhaltliche Überschneidungen, die durch die Treffen aller AK-Leiter sichtbar geworden seien. Sie gäben Informationen an das Steuergremium, den Lenkungsausschuss, weiter und spiegelten Entscheidungen, die in den Lenkungsgremien getroffen werden, in ihren AK zurück.

  • [1] Der Kuratoriumsvorsitzende beantwortete den Leitfaden schriftlich
  • [2] Zur personellen Besetzung der Organisationsstruktur Stadt der Wissenschaft 2011 siehe Anhang Nr. 13
  • [3] Die Darstellung der Untersuchungsergebnisse erfolgt im Konjunktiv, um zu verdeutlichen, dass es sich um die Wiedergabe der Expertenaussagen handelt. Eigene Anmerkungen und Zusammenfassungen werden im Aktiv dargestellt
  • [4] AK Gesellschaft: Dezernat für Soziales, Kinder, Jugend, Schule und Gesundheit; AK Kultur: Dezernat für Bauen, Denkmalpflege und Kultur; AK Umwelt: Dezernat für Umwelt, Grün, Energie und Verkehr und Brandschutz; Wirtschaft: Dezernat für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Liegenschaften und Ordnungswesen
  • [5] Der AK Jugend sei aus dem ersten Zukunftskongress im September 2009 hervorgegangen (vgl. Kap. 4.2.1). Auch der AK Medien habe sich nicht an der Dezernatsstruktur orientiert
 
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