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4 Evaluation des Gesamtprojektes Stadt der Wissenschaft 2011

Nachdem in Kapitel 2 die konzeptionellen Grundlagen gelegt wurden und in Kapitel 3 ein Überblick über die Ausschreibung und die bisherige Evaluation von Stadt der Wissenschaft sowie über den Untersuchungsraum und das Konzept der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt gegeben wurde, folgen die Beschreibung des Untersuchungsansatzes, der konzeptionellen und methodischen Vorgehensweise und im Anschluss daran die Darstellung der Ergebnisse der eigenen Untersuchung.

4.1 Untersuchungsansatz, konzeptionelle und methodische Vorgehensweise

Vor dem Hintergrund der Auszeichnung der Stadt Mainz zur Stadt der Wissenschaft 2011 und der Hauptannahmen der zentralen, konzeptionellen Ansätze wird im Rahmen der Dissertation untersucht, inwiefern der Titelgewinn als Motor für die Stärkung und Weiterentwicklung von Mainz als Wissenschaftsstadt beitragen kann. Es wird erfasst, inwiefern die im Antrag der Stadt Mainz formulierten Ziele sowie ferner die zentralen Ziele des Wettbewerbs erreicht wurden. Ausgehend von den konzeptionellen Ansätzen liegt ein besonderer Fokus auf der Untersuchung von Netzwerken. Zudem werden Handlungsaufgaben ermittelt.

Vorbereitend auf die eigene Untersuchung konnte bereits der Zusammenhang von Wissenschaft und Stadtentwicklung geklärt werden. So wurde beschrieben, auf welche Weise die Fokussierung auf Wissenschaft zur Entwicklung von Städten und Regionen im Allgemeinen beiträgt. Es wurde herausgestellt, welche Faktoren zur Herausbildung einer Wissensstadt beitragen bzw. welche Handlungsfelder bestehen, um Wissensstädte zu etablieren. Mit Blick auf die Stadt Mainz wurde aufgezeigt, welche Rolle Wissenschaft für die Entwicklung des (Wirtschafts-)Standorts Mainz spielt.

Forschungsleitende Frage der Untersuchung ist, welche Effekte und nachhaltigen Wirkungen sich im Sinne einer wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung durch den Titelgewinn für Mainz ergeben haben. Dies wird anhand verschiedener Indikatoren gemessen. Zur Feststellung von Entwicklungen im Bereich Netzwerke werden insbesondere die Kommunikation und Zusammenarbeit sowie Formen des Austauschs (informell, formell) unterschiedlicher Akteure herangezogen. So stellt sich die Frage, wie sich die Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren aus den Bereichen Stadt, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Öffentlichkeit durch den Titelgewinn weiterentwickelt und ob sich Netzwerke, die im Rahmen des Programms entstanden sind, etablieren bzw. institutionalisieren konnten. Zudem wird die Frage aufgeworfen, welche positiven Synergien durch Netzwerke entstanden sind und in welchem Maße diese genutzt werden. Im Bereich der Netzwerkbildung werden positive Effekte von den geplanten Vernetzungsund Transferstellen in den Bereichen Bildung und Wirtschaft erhofft. Es stellt sich die Frage, inwiefern die Transferstellen genutzt wurden und wie diese durch ihre Initiatoren sowie ihre Nutzer bewertet werden. Die Etablierung und nachhaltige Nutzung der Transferstellen sind darüber hinaus relevante Fragestellungen. Im Vernetzungsgedanken liegt ein wesentliches Ziel des Wettbewerbs sowie der damit verbundenen Gesamtstrategie der Stadt Mainz.

Im Rahmen der Untersuchung wird ermittelt, ob durch diese Auszeichnung die Wissenschaft verstärkt Eingang in die Stadtentwicklung, das Stadtimage (wie von Seiten des Stifterverbands prognostiziert) und das Stadtmarketing gefunden hat und ob die Stadt von Folgeinvestitionen profitiert.

Die Weiterentwicklung und Fortführung von im Rahmen des Wissenschaftsjahres initiierten Projekten und Veranstaltungsformaten werden zudem als Indikatoren für Nachhaltigkeit abgefragt.

Das in Kapitel 2.3.5 vorgestellte Urban Governance-Konzept thematisiert die Wichtigkeit der Partizipation und des Einbezugs verschiedener Gruppen wie auch der Bürger. Dieser Aspekt wird im Lübecker Katalog (vgl. Kap. 3.1) ebenfalls als wichtig für die Identifikation mit der Wissenschaftsstadt und ihrer Gestaltung hervorgehoben (Stifterverband 2012: 9). So stellt sich die Frage, in welcher Form die Mainzer Bevölkerung nach 2011 einbezogen und ihr Interesse für Wissenschaft geweckt wird und welche Maßnahmen dazu beitragen können, langfristig eine Wissenskultur zu etablieren.

Grundlage der Untersuchung bilden umfangreiche leitfadenorientierte Experteninterviews mit einer Reihe zentraler Akteure der Stadt [1] aus Stadtverwaltung, wissenschaftlichen Einrichtungen, den Bereichen Bildung und Kultur sowie ferner Online-Befragungen verschiedener Gruppen (Mitglieder der Arbeitskreise und Unternehmen). Die Auswahl der Befragten orientiert sich in erster Linie an der Organisationsstruktur von Stadt der Wissenschaft (vgl. Kap.

4.2.1 und Abb. 5).

Abbildung 5: Organisationsstruktur von Stadt der Wissenschaft 2011

(Design artefont nach Landeshauptstadt Mainz 2010: 24)

Die Organisationsstruktur besteht in Mainz aus folgenden sechs thematischen Arbeitskreisen (AK):

Ÿ Gesellschaft

Ÿ Kommunikation und Neue Medien (AK Medien)

Ÿ Kunst und Kulturelles Erbe (AK Kultur)

Ÿ Jugend und Wissenschaft (AK Jugend)

Ÿ Umwelt sowie

Ÿ Wirtschaft.

Die AK verfügen jeweils über einen Leiter mit besonderen Erfahrungen auf dem entsprechenden Gebiet. Im Lenkungsausschuss sind Hauptakteure der Stadt (aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Stadtverwaltung etc.) repräsentativ vertreten. Das Kuratorium setzt sich aus Persönlichkeiten der Stadt Mainz zusammen, die in die jeweiligen Bereiche als Multiplikatoren fungieren. Es wird vom Oberbürgermeister der Stadt Mainz berufen, der den Vorsitz innehat. Die Gesamtkoordination übernimmt ein Projektbüro mit einer Projektkoordination. [2] Die Untersuchung umfasst mehrere Phasen vor, während und nach Durchlaufen des Wissenschaftsjahres. Durch die Befragung zu verschiedenen Zeitpunkten können Entwicklungen im Tätigkeitsfeld (u.a. Zielerreichung, Netzwerkbildung) der beteiligten Akteure und deren Einstellungsveränderungen durch das Wissenschaftsjahr erfasst werden. Zudem setzt sich die Untersuchung aus Befragungen auf verschiedenen Ebenen zusammen (Gesamtbefragungen und Evaluationen von einzelnen Projekten / Maßnahmen, s.u.).

  • [1] Übersicht über die Gesprächspartner und Befragungszeitpunkte der Evaluation Stadt der Wissenschaft 2011 siehe Anhang Nr. 1
  • [2] Zu den Aufgaben der einzelnen Organisationseinheiten siehe Kapitel 4.2.1
 
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