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3.3 Konzept der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt

„Mainz hat eine lange wissenschaftliche Tradition, ein hohes wissenschaftliches Niveau in vielen Institutionen, sehr gute Kooperationsbeziehungen mit der lokalen Wirtschaft, v.a. aus gewählten Bereichen rund um die Medizin. Das war der Ausgangspunkt und darauf aufbauend haben die Mainzer eine ganze Reihe von interessanten Projekten vorgestellt, die in gemeinsamen Zielen mündeten und das war am Ende eine überzeugende Darstellung was die Mainzer bewegen wollen, vor allen Dingen auf dem Gebiet der Bildung und dort insbesondere der Chancengleichheit für diejenigen, die unserem Bildungssystem ein bisschen ferner stehen“ (General-sekretär des Stifterverbandes, Andreas Schlüter, Stifterverband o.J.d: 1:24–2:03 Min.).[1]

Mainz hat den Titel Stadt der Wissenschaft des Stifterverbandes für das Jahr 2011 erhalten. Der Titelgewinn wird als Grundlage gesehen, die Wissenschaftskommunikation zu fördern, die Stadt in ihrem Profil als Wissenschaftsstadt zu stärken und ihre nationale sowie internationale Bekanntheit zu steigern.

Im Antrag Mainz leidenschaftlich wissenschaftlich, Stadtlandschaft voller Kreativität, den die Stadt Mainz im Rahmen der Endauswahl im März 2010 einge-reicht hat, sind als übergeordnete Ziele formuliert: eine „nachhaltige Veränderung der Lebensbedingungen aller Teile der Bevölkerung“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 1) zu erzielen sowie ein „Netzwerk [zu] knüpfen, das weit über das Jahr 2011 Bestand hat und nachhaltig Wirkung entfaltet“ (ebd.).

Im Rahmen des Antrags formuliert die Stadt Mainz zudem ihre Vision für das Jahr 2030, bei der die Bereiche Bildung, Wirtschaft, Umwelt und Gesundheit berücksichtigt werden, jedoch die Chancengerechtigkeit bzw. Verwirklichungschancen im Vordergrund stehen. Dieser Aspekt wurde im Rahmen des Auswahlverfahrens als mit ausschlaggebend herausgestellt (s.o.). Ziele, die die Stadt Mainz für ihre Bürger anstrebt, sind im Einzelnen:

Ÿ „Zugang zur Bildung, Ausbildung und Weiterbildung“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 2f.),

Ÿ „Möglichkeiten zu wirtschaftlicher Betätigung“,

Ÿ „einen sinnvollen Umgang mit Energien“ sowie die

Ÿ „Förderung eines gesunden Lebensstils“ (ebd.).

Bei der Umsetzung der Ziele wird der Wissenschaft eine zentrale Rolle beigemessen: Auf der Grundlage von Forschungserkenntnissen und im intensiven Austausch mit den Bürgern sollen Maßnahmen implementiert werden, die insgesamt zu einer Verbesserung der Lebenssituation führen (Landeshauptstadt Mainz 2010: 3).

Vor dem Hintergrund dieser Vision 2030 basiert der Antrag der Stadt Mainz auf drei Säulen: Mit der ersten Säule, den Kommunalen Bildungslandschaften[2], hat sich die Stadt zur Aufgabe gemacht, mit Blick auf eine heterogener und älter werdende Gesellschaft, für mehr Chancengleichheit in der Bildung zu sorgen. Möglichst vielen Menschen soll Wissenschaft zugänglich gemacht werden. Zentrale Ziele stellen in dem Zusammenhang die Schaffung außerschulischer Lernorte für Kinder und Jugendliche dar sowie die Umwandlung der Bevölkerung in eine Lernende Gesellschaft. Die Unterstützung eines gesunden Lebensstils in der Bevölkerung durch eine aktive Gesundheitsvorsorge gilt als weiterer Themenbereich der ersten Säule (Landeshauptstadt Mainz 2010: 8ff.).

Die zweite Säule bezieht sich auf Arbeitswelten der Zukunft. Hierbei geht es um die Schaffung neuer Arbeitsplätze, insbesondere in den Schwerpunktbran-

chen Gesundheit / Medizin, Medien und regenerative Energien / Solar, durch eine stärkere Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Ziel ist es, die Forschungsleistung aus der wissenschaftlichen Infrastruktur für die regionale Wirtschaft zu nutzen und Innovationspotenziale aus der Forschungsleistung vor Ort intensiver und gezielter auszuschöpfen. Außerdem sollen Existenzgründer aus der Wissenschaft bestmöglich unterstützt werden. Die zweite Säule beinhaltet zudem eine ökologische Perspektive: Mainz soll sich bis zum Jahr 2030 als Solarcity[3] etablieren. Darüber hinaus gilt es, Mainz als herausragenden deutschen Medienstandort zu stärken und weiterzuentwickeln (Landeshauptstadt Mainz 2010:13ff.).

Mit der dritten Säule verfolgt die Stadt die Schaffung von Schauplätzen des Wissens und der Etablierung einer Wissenskultur in der Stadt (Landeshauptstadt Mainz 2010: 3). Hierzu sollen insbesondere die Mainzer Museen beitragen. Im Rahmen von Ausstellungen und Inszenierungen sollen sie zum „Schaufenster der Wissenschaft“ (vgl. ebd.:18ff.) werden und Wissensräume schaffen, die über Wissenschaft informieren und zu einem öffentlichen Dialog anregen (ebd.: 3).

Zur Realisierung der unter den Säulen formulierten Inhalte wurde eine Vielzahl von Veranstaltungen, Projekten und Initiativen geplant, die 2011 durchgeführt bzw. initiiert wurden und sich z.T. darüber hinaus etablieren sollen.

Auf übergeordneter Ebene liegt der Fokus des Antrags auf dem Thema Netzwerke, bestehende sollen unterstützt, neue geknüpft werden. Für die Bereiche Bildung und Wirtschaft ist jeweils die Einrichtung einer Transferstelle geplant, mit denen Strukturen für den Aufbau dauerhaft funktionierender Netzwerke mit der Wissenschaft geschaffen werden sollen. Die Transferstelle Bildung – bundesweit ein Pilotprojekt – soll dafür Sorge tragen, Wissenschaft und Bildungspraxis enger miteinander zu vernetzen. Eine Reihe entsprechender Projekte und Studien sind an diese Transferstellen geknüpft. Positive wirtschaftliche Effekte werden durch eine stärkere Zusammenarbeit von Hochschulen, Unternehmen und Verbänden erwartet. Hierfür wird ein Transfercafé eingerichtet, das als Plattform fungiert und Unternehmen den Zugang zu Wissenschaftseinrichtungen ermöglicht (Landeshauptstadt Mainz 2010: 4). Die Transferstellen stehen beispielhaft für den Nutzen und das Gelingen von Vernetzung mit Wissenschaft in den zwei zentralen Bereichen Wirtschaft und Bildung.

Das beschriebene Konzept der Stadt Mainz, das im Sinne einer nachhaltigen[4], wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung eine gesellschaftlich-soziale, ökonomische und ökologische sowie zusätzliche eine kulturelle Perspektive beinhaltet, wurde im Rahmen öffentlicher Treffen in einem partizipativen Verfahren entwickelt. Durch die aktive Einbindung, den intensiven Austausch und das Zusammenwirken zahlreicher Akteure aus Stadtverwaltung, wissenschaftlichen Einrichtungen, Wirtschaft, Kultur und der Mainzer Bevölkerung unter einer gemeinsamen Zielsetzung wird eine breite Identifikation mit der Wissenschaftsstadt erzielt. Die Stadt Mainz sichert sich die Unterstützung und Akzeptanz wichtiger Akteure und steigert ihre Motivation zur Teilnahme und Mitgestaltung. Mit der Beschreibung des Konzeptes zur Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Stadt der Wissenschaft sind die Grundlagen für die Evaluation des Gesamtprojektes gelegt, deren Ergebnisse im folgenden Kapitel präsentiert werden.

  • [1] Statement des Generalsekretärs des Stifterverbands, Andreas Schlüter, zum Titelgewinn der Stadt Mainz
  • [2] „Die Idee der kommunalen Bildungslandschaften beruht auf der […] Einsicht, dass Wohlstand und sozialer Zusammenhalt in entwickelten Gesellschaften maßgeblich vom Bildungsniveau der Bevölkerung abhängen“ (LUTHE 2009: 27). Das Aufkommen neuer Steuerungsformen (durch Netzwerke und Kooperationen) (vgl. Kap. 2.3.5) ist auch mit Blick auf Bildung zu beobachten. Dezentrale Steuerungsformen gewinnen an Bedeutung, bei denen bildungsförderliche Aktivitäten von kommunalen Akteuren ausgehen (LUTHE 2009: 27f.)
  • [3] Als Standort von bedeutenden Unternehmen im Bereich solarer Energieversorgung (z.B. die SCHOTT Solar AG) möchte Mainz durch verschiedene Maßnahmen und Projekte ressourcenschonend agieren und Themen wie erneuerbare Energien und Energieeinsparung in das Bewusstsein der Bürger rücken (Landeshauptstadt Mainz 2010: 15)
  • [4] Zum Konzept der nachhaltigen Stadtentwicklung vgl. BERGMANN et al. 1996
 
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