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Branchenstruktur und Kompetenzfelder

Mainz ist Standort vieler Unternehmen verschiedener Branchen. Über 23.300 Gewerbebetriebe waren im Februar 2013 in der Landeshauptstadt registriert (Landeshauptstadt Mainz 2014h).

Ihren Schwerpunkt in der Wachstumsbranche Gesundheit verdankt die Stadt Mainz v.a. der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität (JGU). Von den 15.141 Arbeitnehmern in der Mainzer Gesundheitsbranche (Oktober 2011; Landeshauptstadt Mainz 2012a: 7) sind rund 7.500 als Mitarbeiter in den über 60 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen der Universitätsmedizin beschäftigt, womit diese einen der größten Arbeitgeber der Region und zugleich einen wichtigen Wachstumsund Innovationsmotor darstellt (Universitätsmedizin 2013). Spin-offs wie GENterprise Genomics oder Ganymed sowie Forschungsinstitute wie das Institut für Mikrotechnik Mainz[1] (IMM) und das Institut für Translationale Onkologie an der Universitätsmedizin der JGU (TRON gGmbH)[2] sind gemeinsam mit der Universitätsmedizin Teil eines erfolgreichen Gesundheitsclusters im Bereich immunologischer Forschung (Rhein-Main Immuntherapie-Cluster CI3) (Landeshauptstadt Mainz 2012a: 5).[3] Um der Gesundheitsbranche am Standort gute Bedingungen zu bieten, ihr Wachstum zu fördern und Kompetenzen zu bündeln, wurde 2006 das Gesundheitskompetenznetz Mainz gegründet, das von der Wirtschaftsförderung des Amtes für Wirtschaft und Liegenschaften betreut wird. Das Gesundheitskompetenznetz bietet u.a. Branchentreffen zum Erfahrungsaustausch und Netzwerken. Es verfügt über eine Unternehmensdatenbank, in der 136 Unternehmen bzw. Institutionen der Gesundheitswirtschaft eingetragen sind (Stand Januar 2012) (Landeshauptstadt Mainz 2012a: 7).

Neben ihrem Schwerpunkt in der Gesundheitsbranche zählt die Gutenbergstadt zu den wichtigsten Medienstädte Deutschlands. Über 630 Medienunternehmen sind in Mainz und der nahen Umgebung angesiedelt, mit rund 16.000 festen sowie bis zu 8.000 freien Mitarbeitern (IHK o.J.) (vgl. Tab. 4).

„Einen expansiven Boom erlebte die Medienbranche in den Jahren seit 1990. In den fünf Jahren bis 1995 wurden fast 22 Prozent der heutigen Firmen gegründet. Und annähernd 44 Prozent der heute bestehenden Unternehmen wurden seit 1995 eingetragen“ (IHK o.J.).

Tabelle 4: Anzahl der Unternehmen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den MIK-Branchen[4] in der Region Mainz / Rhein Main[5] (2011)

(Quelle: Nach WEBER et al. 2012: 32, 34)

Region Mainz

Unternehmen

Beschäftigte

MIK-Branchen (gesamt)

9.474

16.529

Print Medien

1.000

2.809

Audiovisuelle Medien

1.895

7.488

IT / Internet

3.843

4.132

Telekommunikation

247

1.086

Design / Werbung / Marktforschung

2.489

1.014

Eine besondere Bedeutung erlangte Mainz durch die 1961 beschlossene Ansiedlung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), der größten Fernsehanstalt Europas neben BBC (BIENER 2002: 131). Die Stadt verfügt zudem über bekannte Fernsehund Rundfunkanstalten wie SAT1, 3SAT, SWR oder das RPR Studio Rhein-Main. Hinzu kommen renommierte Verlage wie die Verlagsgruppe RheinMain oder Schott Musik (Landeshauptstadt Mainz 2014h), einer der weltweit führenden Musikverlage, dessen Stammsitz sich seit seiner Gründung 1770 in Mainz befindet (Schott 2013). Darüber hinaus tragen namhafte Buchverlage und Bibliotheken zur bundesweiten Wahrnehmung der Medienstadt Mainz bei.

Die Hochschulen der Stadt Mainz bieten im Bereich Medien hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten durch zahlreiche Studiengänge[6]. Durch die verschie-denen Fachrichtungen stehen Medienunternehmen gut qualifizierte Nachwuchskräfte zur Verfügung. Die Hochschulabsolventen tragen außerdem für die Gründung und Ansiedlung weiterer Medienund IT-Unternehmen Sorge. Zudem gibt es zahlreiche Forschungsprojekte im Bereich Medien an den Mainzer Hochschulen. So weist die JGU in ihrem Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz rund 4.800 Studierende und 34 Professuren aus den Bereichen Kommunikationswissenschaft, empirische Sozialforschung, Medienrecht, Medienmanagement sowie Theater-, Filmund Buchwissenschaft auf (Forum Mainzer Medienwirtschaft o.J.a). Darüber hinaus sind angewandte Forschungsinstitute angesiedelt, wie das Institut für Mediengestaltung und Medientechnologie Mainz, das Mainzer Medieninstitut oder das Mainzer Medienhaus (Institut für Medientechnik). Hierdurch sind gute Voraussetzungen für einen Wissenstransfer in die Wirtschaft gegeben.

Die Wirtschaftsförderung unterstützt mit Initiativen wie dem Medienkompetenznetz RheinMain Strukturen, Netzwerke und Wertschöpfungsketten und trägt zur weiteren Profilbildung des Medienstandortes bei. Auch der Zukunftsbeirat Mainzer Medienwirtschaft, eine Initiative von Wirtschaft, Rundfunkanstalten, Wissenschaft und Politik, in dem renommierte Persönlichkeiten vertreten sind, hat sich die Weiterentwicklung der Medienbranche in der Stadt Mainz, den Wissenstransfer sowie die Entwicklung und Nutzung von Kooperationspotenzialen zur Aufgabe gemacht (Forum Mainzer Medienwirtschaft o.J.b).

Neben Unternehmen aus der Gesundheitsund Medienbranche sind eine Reihe weiterer renommierter Unternehmen in Mainz angesiedelt, die mit ihren Produkten z.T. Weltmarktführer sind. Darunter viele namhafte HightechUnternehmen, wie der Technologiekonzern Schott AG (seit 1952 in Mainz) mit seinem Schwerpunkt in der Entwicklung und Produktion von Spezialglas. Als weitere Unternehmen sind zu erwähnen die ADM Soya Mainz GmbH und Co. KG, die BFE GmbH, die Novo Nordisk Pharma GmbH, die Railion Deutschland AG, Nestlé Deutschland AG, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH und Co. KG (Region Mainz), Unternehmen wie die Werner & Mertz GmbH oder die Coface Holding AG sowie die IBM Deutschland GmbH (Landeshauptstadt Mainz 2014h).

Auch die Industrie, die von der Lage der Stadt am Rhein profitiert, stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Eine herausragende Stellung nimmt dabei die Schott AG als größter Arbeitgeber der Stadt im Industriebereich ein (BIENER 2002: 109). Auch Unternehmen wie der global führende Baustoffhersteller HeidelbergCement AG haben einen Standort in Mainz (HeidelbergCement o.J.).

Tabelle 5 zeigt abschließend die fünf größten Arbeitgeber in Mainz und die Anzahl ihrer Beschäftigten.

Tabelle 5: Die größten Arbeitgeber in Mainz und ihre Beschäftigten

(Eigene Darstellung nach Landeshauptstadt Mainz 2014c)

Arbeitgeber

Beschäftigte

Johannes Gutenberg-Universität inkl. Kliniken (2011)

10.300

Stadtverwaltung Mainz (2012)

4.000

ZDF (2013)

3.600

Schott Glas (2011/2012)

2.500

Südwest Rundfunk (2011)

1.100

Verlagsgruppe Rhein-Main (2013)

900

Trotz einiger Großunternehmen ist Mainz aber v.a. durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt.

  • [1] Das IMM war ein Dienstleistungsunternehmen für Forschung und Entwicklung. Es wurde 2013 in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert. 2018 soll es ein eigenständiges Fraunhofer Institut werden (Fraunhofer ICT – IMM o.J.)
  • [2] Die TRON gGmbH ist ein biopharmazeutisches Forschungsinstitut an der Universitätsmedizin der JGU (tron-mainz.de)
  • [3] 2012 konnte sich das durch Mainz koordinierte Cluster im Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchsetzen und für den Bereich der individu-alisierten-immunologischen Forschung und medizinischen Versorgung einen großen Anteil der Bundesmittel für den Standort Rhein-Main gewinnen (Landeshauptstadt Mainz 2012a: 5; vgl. Cluster für Individualisierte Immunintervention o.J.)
  • [4] Medien-, ITund Kreativwirtschaft(MIK-)Branchen: Printmedien, Audiovisuelle Medien IT/Internet Telekommunikation, Design/Werbung/Marktforschung (WEBER et al. 2012: 9)
  • [5] Die Region umfasst den rheinland-pfälzischen Kammerbezirk Mainz (vgl. WEBER et al. 2012: 9)
  • [6] FH Mainz: Fachbereich Gestaltung: u.a. Kommunikationsdesign und Mediendesign, Fachbereich Wirtschaft: Medien, IT und Management; JGU: u.a. Publizistik, Kommunikationswissenschaft, Journalistik, Filmwissenschaften, Mediendramaturgie ferner Informatik (Forum Mainzer Medienwirtschaft o.J. a)
 
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