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2.3.2 Die Rolle der Hochschulen

Die herausragende Bedeutung von Hochschulen im Rahmen einer wissensbasierten Stadtentwicklung wurde bereits mit dem Triple Helix-Modell zum Ausdruck gebracht: “The 'Triple Helix' thesis states that the university can play an enhanced role in innovation in increasingly knowledge-based societies” (ETZKOWITZ und LEYDESDORFF 2000: 109; vgl. Kap. 2.1.2). Hierbei geraten insbesondere regionalökonomische Effekte in den Fokus. An Hochschulen wird Wissen produziert sowie national und international verbreitet. Durch eine quantitative Steigerung der Absolventen sowie einer stärkeren Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen, wird die Humankapitalbasis der Stadt bzw. Region verbessert, woraus eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen und die Region als Ganzes resultiert. Ziel ist es Strategien zu entwickeln, um das Potenzial von neuem wissenschaftlichen und technologischen Wissen zu aktivieren und in Anwendungskontexte zu überführen. Auf diese Weise hervorgebrachte Innovationen können die betriebliche, regionale, sogar nationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern (vgl. FRANZ et al. 2002: 11f.).

Nach FRANZ et al. können Wissenschaftseinrichtungen auf vier Wegen Effekte der lokalen und regionalen Wirtschaftsentwicklung hervorrufen:

1. Sie beinhalten „öffentliche Investitionen (mit multiplikativen Effekten)“ (FRANZ et al. 2009: 256),

2. sie sind „Wissensreservoir und Wissensvermittler“ (ebd.),

3. sie spüren regionenexternes Wissen auf und fangen es ein (Antennenfunktion) und

4. ziehen „kreative Menschen und private Investitionen“ an (ebd.).

Hinsichtlich der ökonomischen Effekte von Wissenschaftseinrichtungen wird in der Regel zwischen Nachfrageund Angebotseffekten unterschieden:

„Nachfrageeffekte kommen durch die Käufe der Wissenschaftseinrichtungen (Käufe von Inputfaktoren aller Art) zustande, während Angebotseffekte dadurch entstehen, dass die Wissenschaftseinrichtungen Leistungen an die private Wirtschaft abgeben (u.a. durch die Ausbildung von Studierenden, die im Unternehmenssektor eine Beschäftigung finden, oder durch die Entwicklung von Neuerungen, die im Unternehmenssektor umsatzsteigernd eingesetzt werden können)“ (ROSENFELD und ROTH 2004: 4).

Während zunächst Nachfrageeffekte im Vordergrund standen, liegt in jüngerer Zeit der Fokus auf der Stärkung der regionalen Wirtschaft und Innovationskraft durch Wissenstransfer (FRANZ et al. 2009: 256).[1] Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen von Hochschulen auf die Stadtbzw. Regionalentwicklung werden in der Literatur außerdem positive Auswirkungen auf das kulturelle Leben, die Sozialstruktur und die Bevölkerungszusammensetzung thematisiert (vgl. FRANZ 2008: 7).

Im Rahmen einer wissensbasierten Stadtentwicklung spielen Hochschulen und Wissensindustrien eine zentrale Rolle. Sie werden zum Hoffnungsträger vieler Städte (KUNZMANN 2004: 29), insbesondere in wachstumsschwachen Regionen wie den neuen Bundesländern (vgl. ROSENFELD und ROTH 2004: 4). Damit auch das Land vom produzierten Wissen und den Absolventen profitiert, das die Wissenschaftseinrichtungen finanziell trägt (FRANZ et al. 2002: 6), ist bspw. die Einrichtung von Transferstellen zwischen lokaler Wissenschaft und Wirtschaft eine zentrale Maßnahme. Zudem ist es wichtig, Strategien zu entwickeln, um die Absolventen frühzeitig in den lokalen Arbeitsmarkt einzubinden und als Stadt ein attraktives Lebensumfeld zu bieten. Das folgende Unterkapitel widmet sich FLORIDAS These der Kreativen Klasse, die sich mit letzterem Gesichtspunkt befasst und die im Rahmen der wissensbasierten Stadtentwicklung eine breite Rezeption erfahren hat.

  • [1] Nicht selten dienen Untersuchungen zu regionalökonomischen Auswirkungen als politische Legitimation bzw. Rechtfertigung für höhere Ausgaben für Forschung öffentlich finanzierter Einrichtungen, zu denen in Deutschland die meisten Wissenschaftseinrichtungen zählen (LEUSING 2007: 7; FRANZ et al. 2002: 6)
 
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