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2.2.3 Clusterkonzept

Bei Clustern handelt es sich um die „geographische Konzentration von miteinander verbundenen Unternehmen und Institutionen in einem bestimmten Wertschöpfungsbereich“ (HAAS und NEUMAIR 2007: 97). In solch einem Standortverbund können unterschiedliche Institutionen und Einrichtungen, Forschungsinstitute, staatliche Behörden, Universitäten oder Fachhochschulen vertreten sein und sogar konkurrierende Unternehmen (ebd.). Die räumliche Nähe, die face-toface-Kontakte und kurzen Wege innerhalb des Clusters sorgen für den Austausch von Wissen, Gedanken und Ideen und erzeugen auf diese Weise ein besonders innovatives Klima (SPÄTH 2003: 9f.). Cluster haben somit eine räumliche (räumlich konzentriert) und eine funktionale Dimension (Verknüpfungen und sich daraus ergebende Agglomerationsvorteile) (GUTGESELL 2006: 18; vgl. LUBLINSKI 2002: 14).

Die Ursprünge des heutigen Clusterkonzepts liegen in den Industrial Districts[1], die der britische Ökonom MARSHALL (1890) bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte, wobei er auf die Bedeutung räumlicher Nähe für die industrielle Produktion hinwies. Eine Renaissance des Konzeptes wurde durch die Überlegungen des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers PORTER (1991) ausgelöst, der den Clusterbegriff nachhaltig prägte. PORTER suchte nach Erklärungen für die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit strukturell ähnlicher Nationen; im Jahr 2000 übertrug er seine Überlegungen auf eine regionale Ebene (BATHELT und GLÜCKLER 2002: 148; HAUSMANN 1996: 49). Demnach spielen Cluster eine entscheidende Rolle im Rahmen der Regionalentwicklung. Gerade in Zeiten fortgeschrittener Globalisierungsprozesse sowie Informationsund Kommunikationstechnologien und „trotz der weltweiten Verfügbarkeit von Kapital, Gütern, Informationen und Technik“ (GÄRTNER 2004: 36; vgl. PORTER 1999: 51f.), erfolgt eine Aufwertung des Standortes. So entstehen Wettbewerbsvorteile je nach „nationalen Wirtschaftsstrukturen, Wertvorstellungen, Kulturen, Institutionen und den geschichtlichen Gegebenheiten“ (PORTER 1991: 39). Ein weiterer positiver Einflussfaktor, der innerhalb eines Clusters wirkt und zur höheren Wettbewerbsfähigkeit beiträgt, liegt nach PORTER bspw. in der räumlichen Konzentration von Konkurrenten, die zur Förderung der Leistungsfähigkeit sowie Spezialisierung und damit letztendlich zu Innovationen beiträgt. Auch hebt er die positiven Wechselwirkungen mit Universitäten im Umfeld dieser Unternehmen hervor. Das Vorhandensein von Zulieferern und Kunden sorgt für einen regelmäßigen Austausch und bietet eine gute Grundlage für Weiterentwicklungen. Die geographische Konzentration einer Branche zieht v.a. auch entsprechende Arbeitskräfte an (ebd.: 179f.).

Wenngleich PORTERS Ansatz noch der traditionellen Standortlehre verhaftet ist und sozio-kulturelle Prozesse – die in den Folgejahren stärkere Beachtung finden – unterbewertet bleiben, sieht er Wettbewerbsvorteile im räumlichen Kontext und begründet sie aus dem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren[2] (BATHELT und GLÜCKLER 2002: 150f.). Sein Konzept der Nationalen Wettbewerbsvorteile, auf dem die heutige Auslegung des Clusterkonzepts basiert, wurde in verschiedene Richtungen weiterentwickelt und regt die Diskussion um eine clusterorientierte Regionalentwicklung an (GUTGESELL 2006: 7)[3].

In der eingangs gegebenen Definition von Clustern wird auf öffentlich geförderte Forschungseinrichtungen und Hochschulen verwiesen, die häufig in Cluster eingebunden sind. Im Rahmen wissensbasierter Stadtentwicklungskonzepte ist gerade dieser Einbezug von Wissenschaftseinrichtungen zentral. Sie können wesentlich zum Erfolg eines Clusters beitragen, da sie die Funktionen der Wissensproduktion, -diffusion und -rezeption übernehmen. So löst der Transfer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse häufig Innovationsprozesse aus, wodurch das Wachstum bzw. das Entstehen eines Clusters gefördert wird;[4] auch Ausgründungen führen hierzu. Wissenschaftseinrichtungen stellen zudem hochqualifizierte Arbeitskräfte für die Unternehmen bereit und können Weiterbildungsmaßnahmen anbieten. Durch ihre Einbindung in internationale Netzwerke haben Wissenschaftseinrichtungen zudem eine Antennenfunktion, indem sie aktuelles, externes, clusterrelevantes Wissen aufnehmen, verarbeiten und verbreiten (Wissenschaftsrat 2007: 39f.).

Hochschulen profitieren im Gegenzug von der Einbindung in ein Cluster bspw. durch den Wissensfluss aus Unternehmen. Praxisnahe Forschung und anwendungsorientierte Ausbildung sind möglich. Enge Kooperationsbeziehungen verbessern zudem die Beschäftigungschancen der Hochschulabsolventen. Die Einbindung in ein Cluster kann darüber hinaus zur Profilbildung von Hochschulen beitragen und ihre Attraktivität steigern (Wissenschaftsrat 2007: 41).

Innerhalb der wissensbasierten Stadtentwicklung nehmen lokale Cluster eine zentrale Rolle ein, da sie in besonderem Maße für das Vorhandensein von Wissenskompetenzen in einem bestimmten Themengebiet stehen und diese Kompetenzen sichtbar machen.

„Die Europäische Kommission sieht die Entwicklung und Stärkung der Cluster innerhalb der Europäischen Union als einen wichtigen Faktor an, um Europa zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissenschaftsbasierten Wirtschaftsraum zu entwickeln“ (Wissenschaftsrat 2007: 41).

  • [1] „Begriff für regionale Produktionsnetzwerke […] kleiner und mittlerer Unternehmen einer Branche […]. Gründe für den Erfolg […] sind flexible Spezialisierung und Kooperation der Betriebe, räumliche Nähe und Vertrauen und soziokulturelle Verbundenheit (embeddedness) sowie ein dichtes Netz sozioinstitutioneller Beziehungen und Strukturen (institutional Thickness)“ (LESER 2005: 376)
  • [2] Faktoren des nationalen Vorteils (Faktoren, welche die Innovationsund Wettbewerbsfähigkeit determinieren): „1. Faktorbedingungen. Die Position des Landes bei den Produktionsfaktoren, wie den Facharbeitern oder der Infrastruktur, die für den Wettbewerb in einer bestimmten Branche notwendig sind. 2. Nachfragebedingungen. Die Art der Inlandsnachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen der Branche. 3. Verwandte und unterstützende Branchen. Das Vorhandenoder Nichtvorhandensein von Zulieferbranchen und verwandten Branchen im Land, die international wettbewerbsfähig sind. 4. Unternehmensstrategie, Struktur und Wettbewerb: Die Bedingungen im Land, die bestimmen, wie Unternehmen entstehen, organisiert sind und geführt werden und welcher Art die inländische Konkurrenz ist“ (PORTER 1991: 95f.)
  • [3] Im deutschsprachigen Raum beschäftigte sich REHFELD als einer der ersten mit dem Clusterkonzept und wendete es empirisch an, wobei er kleinere Regionen berücksichtigte (GUTGESELL 2006: 11; vgl. REHFELD 1999: 48)
  • [4] So bildete die Stanford University den Ausgangspunkt bei der Entstehung des bekanntesten Clusters, dem Silicon Valley in Kalifornien
 
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