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Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Länder mit geringen Rohstoffvorkommen und hohen Lohnund Produktionskosten wie Deutschland sind in hohem Maße von ihrer Wissensbasis und Innovationsfähigkeit abhängig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Synergien zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird im Rahmen des Innovationsprozesses eine große Bedeutung zugesprochen:

„Erkenntnisse der Innovationsforschung zeigen, dass ein klarer positiver Zusammenhang zwischen Synergien von Wissenschaft und Wirtschaft, der Entstehung von Innovationen und technologischem und wirtschaftlichem Fortschritt existiert“ (Wissenschaftsrat 2007: 22).

Im Hinblick auf den allgemein geforderten stärkeren Transfer von Wissen zwischen gesellschaftlichen Teilsystemen (vgl. Modus 2 der Wissensproduktion und Triple Helix-Modell) steht daher der Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft im Fokus der politischen Diskussion, insbesondere im Bereich der Innovationspolitiken des Bundes, der Länder und der EU. Im Rahmen wissensbasierter Stadtentwicklungsstrategien stellen die Verbesserung und Intensivierung der Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ebenfalls zentrale Elemente dar. Durch den Wissenstransfer soll eine Bündelung der Kompetenzen und Ressourcen zum gegenseitigen Nutzen der beiden Teilsysteme erfolgen. Wechselseitige Abhängigkeiten bestehen, da sich viele Unternehmen keine eigene Forschungsabteilung leisten können. Da Forschung aber nötig ist, um konkurrenzfähig zu sein, greift die Wirtschaft auf Wissen zurück, das in öffentlich geförderten Wissenschaftseinrichtungen erzeugt wurde (Wissenschaftsrat 2007: 11). Für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen wird der Wissensund Technologietransfer aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei bildet die „Absorptionsfähigkeit“, die Fähigkeit von Unternehmen, externes Wissen aufzunehmen, eine entscheidende Voraussetzung dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse als Innovationsquelle nutzen zu können (ebd.: 19). Wissenschaftliche Institutionen erschließen sich durch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft wichtige Finanzquellen, zudem dient die „ökonomische Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen“ (ebd.: 8) der Wissenschaft als Begründung und Rechtfertigung für (höhere) öffentliche Investitionen in deren Forschung.

Der Beitrag von Wissenschaftseinrichtungen, allen voran Hochschulen, zum wirtschaftlichen Wachstum von Städten und Regionen ist in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld geraten, wie zahlreiche Studien zeigen (FRANZ et al. 2002; ROSENFELD und ROTH 2004; LEUSING 2007; vgl. Kap. 2.3.2). Neben Forschung und Lehre gelten Wissensund Technologietransfer daher zunehmend als zentrale Aufgaben der Hochschulen, wie die Verankerung im Hochschulrahmengesetz[1]verdeutlicht.[2]

Der Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen, bspw. durch Personaltransfer (Praktikanten, Diplomanden, Hochschulabsolventen, Lehrbeauftragte der Unternehmen an Hochschulen, zeitlich befristete Entsendungen von Wissenschaftlern in Unternehmen, Fortbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter der Unternehmen) oder Technologiebzw. Forschungstransfer (als Übertragung von wissenschaftlichen Erkenntnissen an Unternehmen in Form von gemeinsamen Projekten, der Nutzung von Patenten, die an den Hochschulen erarbeitet wurden, durch Beratungs-und Gutachtertätigkeit oder auch durch Spin-offs) (BLUME und FROMM 2000b: 109f.). Studien zur Bedeutung einzelner Transferkanäle[3] zeigen, dass informelle Kontakte von Wissenschaftlern zu Unternehmensvertretern mit Blick auf Innovationen und wirtschaftlichen Erfolg besonders zielführend sind (FRANZ et al. 2009: 257; LEDEBUR 2006: 273).

Um optimale Bedingungen für Kooperationen zu schaffen und damit einen effektiven Wissenstransfer zu ermöglichen, ist sowohl auf Seiten von Hochschulen als auch auf Seiten der Wirtschaft eine Weiterentwicklung bzw. ggf. Umstrukturierung notwendig, so der Wissenschaftsrat. Es gilt, Hemmnisse der Interaktion, die auf beiden Seiten bestehen, zu überwinden (vgl. hierzu Wissenschaftsrat 2007: 68) und die vielfältigen Formen und Möglichkeiten der Interaktion zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu nutzen, um positive Effekte für beide Systeme nutzen zu können, die auch der Stadt bzw. Region, in der sie ansässig sind, zugutekommen.

  • [1] „Die Hochschulen fördern den Wissensund Technologietransfer“ (HochSchG 2003: 167)
  • [2] Zur Förderung des Wissenstransfers sind in den letzten Jahren einige wirtschaftspolitische Eingriffe getätigt worden, wie „die Abschaffung des Hochschullehrerprivilegs im Arbeitnehmererfindungsgesetz zugunsten der Patentrechte für die Hochschulen sowie die Patentoffensive, die zur Einrichtung der PVA [Patentverwertungsagenturen] geführt hat“ (LEDEBUR 2006: 269). „Das Hochschullehrerprivileg erlaubte Professoren, ihre Erfindungen selbst zu verwerten Bei anderen Arbeitnehmern dagegen hatte und hat der Arbeitgeber die Verwertungsrechte. Das Privileg wurde aber nur von wenigen Professoren genutzt. Deswegen steht seit 2002 das Verwertungsrecht der Hochschule zu“ (ebd.: 267)
  • [3] Zu Transferkanälen siehe auch Wissenschaftsrat 2007: 52ff
 
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