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4 Umstrukturierungen regionaler und kommunaler Wirtschaftsgefüge

Diese Umstrukturierungen bergen, wie in Abb.2 dargestellt, Risiken von Arbeitsplatzund Steuereinnahmeverlusten, vorwiegend in Städten mit einseitiger Wirtschaftsstruktur, hohem Anteil an absterbender Industrie und geringem Dienstleistungsanteil. Städten mit vielseitiger Wirtschaftsstruktur, Standorten von forschungsund entwicklungsintensiver Produktion, Steuerungs-, Managementfunktionen und hohem Dienstleistungsanteil bieten die ökonomischen Umstrukturierungen hingegen Chancen auf Zuwachs an Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. Während zunehmende Verlagerungsund Zentralisierungsoptionen von Unternehmen sowie Wachstumschancen neuer Märkte in anderen (Welt-)Regionen die politischen Einflussmöglichkeiten von Städten einschränken, erhöhen sie gleichzeitig den interkommunalen Wettbewerb um Standortentscheidungen. Mit der Einschränkung des politischen Einflusses verlieren Städte an Regulierungsund Restriktionsmöglichkeiten gegenüber Unternehmen. Unter Wettbewerbsbedingungen entsteht Deregulierungsdruck und die Notwendigkeit zur Attraktivitätssteigerung der Stadt als Unternehmensstandort. Beides trägt zu Veränderungen im Selbstverständnis und in der Bedeutung lokaler Politik bei.

5 Veränderungen im Selbstverständnis und in der Bedeutung lokaler Politik

Städte interessieren sich zunehmend für Marketingstrategien und streben eine unternehmerische Führung der Stadtverwaltung an (Dangschat 1996). KrämerBadoni (1987) spricht in diesem Zusammenhang von der Ökonomisierung der Stadt. Mit „Lean Management“ und „neuen Steuerungsmodellen“ sollen Stadtverwaltungen in moderne Dienstleistungsunternehmen mit Zielvorgaben, erweitertem Service, optimierten Ergebnissen und reduzierten Kosten verwandelt werden (Reichard 1994). Durch Partnerschaften mit privaten Unternehmen („Public-Private-Partnership“) versuchen Städte trotz knapper werdender Finanzmittel die Aufgabenerfüllung zu gewährleisten. Ob als Investoren von Parkhäusern und Kultureinrichtungen oder als Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs oder der Energieund Wasserversorgung, übernehmen private Unternehmen bisher öffentliche Aufgaben. Am deutlichsten lassen sich die Veränderungen im Selbstverständnis lokaler Politik, hin zu unternehmerischen Strategien und Marketingorientierung in der Standortpolitik der Stadtplanung beobachten. Sei es das Ziel, Investitionsanreize zu bieten, Firmen und deren MitarbeiterInnen am Standort zu halten oder neue Firmen, Arbeitskräfte oder Besu-cher anzulocken, zur Attraktivitätssteigerung werden besonders die weichen Standortfaktoren herausgestellt und berücksichtigt.

Es gilt, den Erlebniswert der Stadt und insbesondere der Innenstadt für die erwünschten Zielgruppen zu erhöhen (Dangschat 1996). Dazu zählen der Ausbau des Kulturangebots, die Aufwertung der Innenstädte durch Einrichtung attraktiver Fußgängerzonen, die Verlagerung von Veranstaltungen auf Straßen und Plätze, verlängerte Öffnungszeiten des innerstädtischen Einzelhandels und der städtischen Ämter, die Errichtung von Einkaufscentern mit überdachten Einkaufsstraßen und -passagen sowie das Angebot gehobenen innerstädtischen Wohnens. Der öffentliche Stadtraum wird zunehmend als Ort für EventMarketing von Veranstaltungen überregionaler Bedeutung genutzt, um Image und Bekanntheit des Standorts zu verbessern (Dangschat 1996).

 
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