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Übersicht über die Verbreitung unkonventioneller Lebensformen

Nach Daten des Mikrozensus lebten im Jahr 2011 in Deutschland ungefähr ein Drittel der Menschen in nichtkonventionellen Lebensformen (alleine, in nichtehelischen Lebensgemeinschaften oder in Haushalten von Alleinerziehenden). Zwei Drittel der Menschen lebten trotz aller Tendenzen zur Pluralisierung von Lebensformen nach wie vor in konventionellen Lebensformen als verheiratete Paare mit oder ohne Kinder. Trotz sinkender Tendenzen zeigt sich weiterhin, dass immer noch knapp die Hälfte der Menschen in familiären Lebensformen, also mit Kindern zusammen leben (Ehepaar mit Kinder, Nichteheliche Lebensgemeinschaft mit Kinder oder Alleinerziehende) (Tab. 4.7).

Tab. 4.7 Lebensformen in Deutschland 2011. (Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung nach Daten des Mikrozensus)

Lebensform

Absolute Zahl (in Mio)

Anteil an der Bevölkerung (%)

Ehepaare mit Kindern

30,4

37,6

NEL mit Kindern

2,9

3,6

Alleinerziehende

6,4

7,9

Ehepaare ohne Kinder

19,7

24,3

NEL ohne Kinder

3,9

4,9

Alleinlebende

15,9

19,6

Sonstige

1,7

2,1

Geht man von synchronen Momentaufnahmen zu diachronen Lebenslaufstudien über, so zeigt sich aber, dass sehr viel mehr Menschen irgendwann im Laufe ihres Lebens einoder mehrmals in einer unkonventionellen Lebensform leben. Diese Phasen wie zum Beispiel in einer vorehelichen Lebensgemeinschaft oder als Single sind in der Regel aber zeitlich befristet.

Lebensläufe und Biographien

Im Zuge der Industrialisierung bildete sich in Westeuropa ein gewisses einheitliches Muster der objektiven Lebensläufe und der subjektiven Biografien der Menschen heraus. Die Lebensläufe, also die objektive Abfolge von Lebensphasen konzentriert sich mehr und mehr auf vier Abschnitte:

• die Kindheit in der Familie,

• die Jugend als Zeit der Ausbildung,

• die Erwachsenenphase als eine lange Phase der Hausund/oder Erwerbstätigkeit sowie

• das Alter, die Rentenzeit

Dieser Abfolge entsprachen auch die subjektiven Erwartungen, die Gebräuche und die Selbstdeutungen der Menschen, also ihre Biografien. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch zu beobachten, dass sich diese Phasen verändern und differenzieren:

• Erstens verlängert sich die Ausbildungsphase etwa in universitären Ausbildungen für viele junge Menschen so sehr, dass sie auch im dritten Lebensjahrzehnt noch andauert. Dieser Lebensabschnitt, der sich nur noch unzureichend mit dem Begriff der „Jugend“ beschreiben lässt, wird dementsprechend als „Postadoleszenz“ bezeichnet.

• Zweitens ist die Erwachsenenphase vieler Menschen durch so viele Umbrüche gekennzeichnet wie Scheidung, Wiederheirat, Arbeitslosigkeit, Berufswechsel oder Wohnortwechsel, dass von einer zusammenhängenden Lebensphase nur noch in wenigen Fällen auszugehen ist.

• Drittens verlängert sich die Phase des Alters und der Rentenzeit sowohl nach vorne in Folge eines früheren Renteneintritts als auch nach hinten aufgrund einer längeren Lebensspanne. Für immer mehr Menschen entstehen so neue Lebensphase wie etwa die „jungen Alten“ oder die Phase des „leeren Nests“. Menschen in diesem Lebensabschnitt sind zumeist gesund, wirtschaftlich gut gestellt, aber nicht mehr erwerbstätig und leben ohne ihre Kinder in einem Haushalt.

 
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