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Chancen

Insgesamt wird im Rahmen des Gegenmachtszenarios dazu beigetragen, Missstände in globalen Wertschöpfungsketten aufzudecken und so die globale Öffentlichkeit sowie die Unternehmen selbst, die Politik und die Konsumenten auf sie aufmerksam zu machen. Unternehmen werden aktiviert, da sie sich der Gefahr des Reputationsverlusts gewahr werden und sich mit ihrer Geschäftsstrategie kritisch auseinandersetzen müssen. Die Strategie trägt darüber hinaus dazu bei, Konsumenten zu mobilisieren bzw. sie aus ihrem „Schlaf“ zu wecken, damit sie sich ihrer (Gegen-)Macht bewusst werden. Sie werden zudem dazu angehalten, sich über die Zusammenhänge ihres Konsums Gedanken zu machen und auch ihre eigenen Konsumweisen zu hinterfragen. Die Strategie der Gegenmacht kann so die Initialzündung für nachhaltige Innovationen und auch für alternative Wirtschaftsmodelle sein, indem die Gesellschaft beginnt, neue Wege der Bedürfnisbefriedigung zu suchen.1410

Grenzen

Aufgrund der Tatsache, dass oftmals einzelne Konzerne im Zusammenhang mit bestimmten Skandalen in der Kritik stehen, sind die Aktivitäten vor allem punktuell und kurzfristig, d. h., nach Bekanntwerden eines unternehmerischen Fehlverhaltens werden Konsumenten gezielt für Protestaktionen mobilisiert. Damit kann zwar unter Umständen das Zielunternehmen dazu gebracht werden, seine fragliche Strategie zu ändern und andere Unternehmen werden entsprechend alarmiert. Doch kann die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit kurz nach den Aktivitäten auch schnell wieder abebben, sodass die langfristige Wirkung ungewiss ist.

Damit steht im Zusammenhang, dass die Rolle der Konsumenten vor allem in der Unternehmenskritik und -kontrolle besteht, das eigene Verhalten aber unter Umständen weniger hinterfragt wird. Im Fokus stehen insgesamt notwendige Veränderungen in der Produktionssphäre, weshalb der Ansatz tendenziell eher der Effizienzstrategie zuzuordnen ist. Das Beispiel des Shell-Boykotts zeigt das Problem dabei: Der Boykott wurde insgesamt als Erfolg angesehen, da der Shell-Konzern einlenkte und die Plattform nicht versenkte. Der Boykott der Shell-Tankstellen führte aber nicht zu einem weniger Tanken oder Autofahren, sondern lediglich zu einer Abwanderung zu anderen Tankstellen. Hinsichtlich der ökologischen Langzeitwirkungen wäre jedoch eine Hinterfragung des Erdölverbrauchs unter anderem durch das Autofahren eine notwendige Ergänzung gewesen.1411

 
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