Desktop-Version

Start arrow Kultur arrow Consumer Social Responsibility

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.5.3.3 Institutionelle Barrieren

Für die Verantwortungsübernahme durch die Unternehmen ergeben sich außerdem auch institutionelle Barrieren. Dazu gehören „falsche“ Anreize z. B. durch die Gesetzgebung oder durch die Entwicklung globaler Märkte. So würden in Deutschland immer weniger Landwirte auf den Ökolandbau umsteigen, da die vormals bestehende Förderung für den Übergangszeitraum von vier Jahren gestrichen wurde. Da aber in dieser Zeit weniger Ertrag eingefahren wird, die Bauern die Produkte aber auch noch nicht als reine Bio-Produkte verkaufen dürfen, entstehen große Verluste. Das führe letztlich zu dem unerwünschten Effekt, dass im Inland immer weniger Bio-Produkte hergestellt würden und entsprechend mehr importiert werden müsse.1369 Ähnlich ungünstig sieht die Lage beim Recycling von Kühlschränken aus. Dieses ist in Deutschland teuer, weshalb ‚„(…) derjenige bestraft wird, der (…) die größte Menge FCKW zurückgewinnt.'“1370

Zu den institutionellen Barrieren können zusätzlich (im Sinne des Klimaschutzes) „fehlleitende“ Marktanreize gezählt werden. Diese sind vor allem im internationalen Handel mit Soja, Fleisch und Palmöl relevant. Denn aufgrund der nach wie vor steigenden Nachfrage steigen auch die Preise – für die Unternehmen bestehe daher ein noch geringerer Anreiz, ihre Strategie zu verändern.1371

5.5.3.4 Fehlende Einflussmöglichkeiten

Dass auch die Einflussmöglichkeiten einzelner Unternehmen begrenzt sein können, stellt eine weitere potenzielle Grenze für die CSR dar. Das zeigt sich Unilever zufolge am Palmöl-Markt, der extrem zersplittert, unübersichtlich und intransparent sei. Dadurch könnten sie einerseits gar nicht immer genau wissen, woher das Palmöl tatsächlich stamme. Sie könnten zudem als einzelnes Unternehmen und obwohl sie einer der größten Abnehmer von Palmöl weltweit sind, nicht die konkurrierenden Nachfrager mit beeinflussen und diese zu veränderten Nachfragestrategien bewegen.1372

Im Rahmen ihrer Lieferketten nehmen Unternehmen darüber hinaus ihre Nachfragemacht gegenüber der Logistik als begrenzt wahr. Zum einen würden sie in der Regel Logistiklösungen beauftragen, wobei sie nicht immer beeinflussen könnten, auf welche Weise und mit welchen Mitteln der Auftrag ausgeführt werde. Zum anderen seien beispielsweise die Reedereien derart ausgelastet, dass die Bitte um verlangsamte Fahrten von einzelnen Kunden keine Auswirkung habe.1373 Die liefernden Unternehmen haben oftmals sogar noch weniger Einflussmöglichkeiten als die großen Nachfrager. Ihr Handeln ist vom Preisdruck geprägt – sowohl bei Transporten als auch beim Angebot alternativer Verpackungsstoffe.1374

Auch Bio-Hersteller stoßen an Grenzen in der Lieferkette, wenn sie Produkte möglichst regional beziehen wollen: In der nächsten Umgebung seien oft nicht genügend Rohstoffe in Bio-Qualität verfügbar, weshalb importiert werden müsse.1375

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics