Desktop-Version

Start arrow Kultur arrow Consumer Social Responsibility

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.5.3 Diskussion der CSR

Ebenso wie bei den Konsumenten ergeben sich auch bei der Zuschreibung von Verantwortung an Unternehmen vielfältige Einwände und Zweifel, die gegebenenfalls sehr grundlegender Natur sein können, da sie sich auf die Abhängigkeit von der Nachfrage und den Rahmenbedingungen beziehen. Gänzlich in Frage gestellt wird die Verantwortung dadurch jedoch in der Regel nicht. Andere Probleme beziehen sich, wie bei den Konsumenten, stärker auf die konkrete Umsetzung.

5.5.3.1 Fehlende Standards zur Berechnung des PCF

Eine wichtige Grundlage für die Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Wertschöpfungskette ist die Kenntnis des PCF. Die Berechnung stellt die Unternehmen allerdings vor große Herausforderungen, da die Verfahren äußerst komplex sind. Bisher bestünden keine international einheitlichen Methoden, zumal die Anforderungen bei jedem Produkt äußerst unterschiedlich seien. Verlässliche Aussagen seien dadurch bisher kaum möglich.1358 Hersteller befürchten aus diesen Gründen, dass Aussagen zum PCF nicht verteidigt werden können, sollten sie im Streitfall gerichtlich überprüft werden.1359

5.5.3.2 Unsicherheiten über die richtigen Lösungen

Eine weitere Schwierigkeit hinsichtlich einer Verantwortungsübernahme seitens der Unternehmen ergibt sich zudem aus der Unsicherheit über richtige Lösungswege.

Im Bereich der Landwirtschaft stellt unter anderem Ministerin Aigner grundsätzlich die Frage, ob die deutsche Landwirtschaft überhaupt ausreichend Relevanz für das Klima hat, um hier einen Schwerpunkt zu setzen.1360 Das Problem bezieht sich, abgesehen von solch grundsätzlichen Zweifeln, jedoch vor allem auf mögliche Zielkonflikte in der Landwirtschaft. So sei es deren primäre Aufgabe, die wachsenden Bevölkerungszahlen mit Nahrungsmitteln zu versorgen (siehe Abschnitt 5.5.2.3). Ein Landwirt gibt dahingehend zu bedenken, dass eine Bio-Landwirtschaft dies möglicherweise gar nicht leisten könne.1361 Solche Einwände werden vor allem vor dem Hintergrund angeführt, dass der Ökolandbau weniger ertragreich ist.1362 Doch nicht nur beim Ökolandbau, auch bei der Tierzucht bestehen derartige Bedenken. So wurde bereits angeführt, dass die Bio-Haltung bei Rindern eher zu mehr und nicht zu weniger Treibhausgasemissionen führt.1363 Hier bestehen also ebenso wie für Konsumenten auch für Unternehmen Zielkonflikte mit den Anforderungen an das Tierwohl. Verschärft wird dieses Problem dadurch, dass letztlich die Rinderhaltung die klimafreundlichste wäre, die am effizientesten ist – also die Leistung der Tiere steigert. Abgesehen davon sei es fraglich, inwieweit eine Leistungssteigerung bei Rindern überhaupt noch möglich ist. Die Wissenschaft liefere hier bisher noch keine Patentlösungen.1364

Kontraproduktive Effekte oder Zielkonflikte werden darüber hinaus nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in anderen Bereichen als Problem genannt. In der Logistik ist beispielsweise die verstärkte Nutzung von Schiffen aus Klimaschutzgründen wünschenswert, führt aber zu einer erhöhten Belastung durch andere schädliche Stoffe wie „Schwefeldioxid und Stickoxiden“.1365 Wird bei Verpackungen auf ökologisch hergestellte Stoffe zurückgegriffen, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, könnte ähnlich wie bei Bio-Treibstoffen eine Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen mit Nahrungsmitteln entstehen.1366 Zudem ist zwar die Nachfrage nach Soja und Palmöl aus den Schwellen- und Entwicklungsländern Lateinamerikas und Asiens ein Problem für das Klima, doch den betroffenen Ländern verspricht sie Arbeitsplätze, Einkommen und Wohlstand, worauf sie nicht ohne Weiteres verzichten möchten und können.1367 Darüber hinaus ist man sich auch über die ökologische Sinnhaftigkeit von Alternativen für Palmöl noch nicht im Klaren. Denn die Ölpalme sei eine äußerst effiziente Pflanze: Der Ersatz durch andere Öle könne mitunter zu einem noch größeren Ressourcenverbrauch führen.1368

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics