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5.5.2.4 Stakeholderansprüche

Konsumenten bzw. Kunden sind die Stakeholdergruppe, auf die in den Artikeln am häufigsten verwiesen wird.1349 In eher proaktiver Hinsicht werden dabei die Erschließung neuer Marktsegmente und die Akquise neuer Kunden in den Vordergrund gestellt. Die Ausrichtung an Klimaschutzzielen erfolgt dann aufgrund eines vermuteten Interesses der Kunden an klimafreundlichen Produkten. Viele konventionelle Unternehmen erhoffen sich damit eine Profilierung in einem weiteren Geschäftsfeld,1350 während ökologisch ausgerichtete Unternehmen ihre gesamte Geschäftsstrategie darauf ausrichten und auf diese vermeintliche Marktlücke setzen.1351 Ein Engagement im Klimaschutz kann jedoch auch explizit von den Unternehmen gefordert werden, die hier noch nicht tätig sind. Es handelt sich dann um eine eher reaktive Strategie.1352

Auch die (internationale) Politik ist ein wichtiger Stakeholder für die Unternehmen, an dem sie ihre Strategien orientieren.1353 So erklären es die Unternehmen selbst als ihre Aufgabe, sich um den Klimaschutz zu bemühen, da das Thema auf der politischen Agenda ganz oben steht: „Die Manager bringen sich dafür in Stellung.“1354 Gerade im Zusammenhang mit der Klimakonferenz in Kopenhagen werden internationale Beschlüsse, politische Maßnahmen und Regulierungen erwartet, die eine rechtzeitige Positionierung der Unternehmen verlangen.1355

Zu guter Letzt wird auch bei den Investoren und Kapitalmärkten ein Interesse am Thema „Klimaschutz“ vermutet, weshalb sich Unternehmen verpflichtet sehen, auch auf die Ansprüche dieser Stakeholdergruppe zu reagieren.1356

5.5.2.5 Zusammenfassung

Bei der Begründung der CSR haben sich ähnliche moralische Argumentationsstrukturen herausgestellt wie bei der ConSR. Unternehmen werden nicht nur aufgrund ihres kausalen Beitrags zum Klimawandel für den Klimaschutz verantwortlich gemacht, sondern auch wegen ihres generellen Einflusses auf das Ernährungssystem. Damit finden sich hier ebenfalls die individuelle und die kollektive Dimension der Verantwortung wieder, die in diesem Fall allerdings einem kollektiven Akteur zugeschrieben wird.

Darüber hinaus wurde bei Unternehmen und Landwirten jedoch eine weitere Ebene der Verantwortung identifiziert, die auf ihre Rolle als wirtschaftliche Institutionen zurückzuführen ist. Hierauf habe ich in Kapitel 4.3.6 aufmerksam gemacht, um den Charakter von ConSR und CSR zu unterscheiden: Unternehmen sind als gesellschaftliche Institutionen auch ihren (strategischen) Stakeholdern verpflichtet. Deren Anspruch lautet, möglichst effizient im Sinne einer langfristigen „nachhaltigen“ Strategie zu wirtschaften. Aus diesem Anspruch lässt sich eine Verantwortung begründen, die einer Klimaschutzverantwortung vorgeschaltet ist oder, besser gesagt, zugrunde liegt. Klimaschutz wird damit auch, aber nicht nur, zum Inhalt eines erfolgreichen „Issue- und Stakeholdermanagements“, das zeigt, wie gekonnt Unternehmen auf ihr Umfeld und die Ansprüche der Gesellschaft reagieren.

Um den Unterschied zwischen den Verantwortungstypen noch einmal zu verdeutlichen: Eine Umweltschutzorganisation kann stellvertretend für die Natur aussagen: „Unternehmen sollten ihre Treibhausgasemissionen verringern, da diese maßgeblich zum Klimawandel beitragen. Es besteht eine moralische Notwendigkeit, das Klima zu schützen“. Es gibt aber auch viele Fälle, in denen die Herleitung eher wie folgt dargestellt wird: „Unternehmen tragen eine Verantwortung für den Klimaschutz, da es die strategisch wichtigen Stakeholder von ihnen verlangen, der Klimaschutz also entscheidend für die Existenz des Unternehmens ist.“

Beide Begründungen können dabei zusammenfallen, wie das Beispiel des Romina Mineralwasserbrunnens zeigt. Dessen Propagierung des regionalen Mineralwasserkonsums und seine Werbung für den Klimaschutz werden eindeutig als Marketingstrategie beschrieben. Gleichzeitig heißt es aber auch: „'Verantwortung fängt im Kleinen an, bei Produzenten und Verbrauchern im eigenen Land'“.1357

 
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