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5.5.2 Begründung der CSR

Bezüglich der Attributionen an Unternehmen wurde auch analysiert, mit welchen Argumenten ihre Verantwortung für den Klimaschutz im Ernährungssektor begründet wird. Es finden sich verschiedene Argumentationslinien, die sich bei den oben dargestellten Attributionsbereichen und Unternehmensadressaten wiederholen.

5.5.2.1 Kausaler Beitrag

Unternehmen wird zunächst aufgrund der Tatsache Verantwortung zugeschrieben, dass im Ernährungssektor Klimaschäden entstehen, die sie mit ihren Möglichkeiten verringern können. Eine Mitverursachung wird dabei mindestens mitgedacht, denn Unternehmen sind vor allem dazu aufgefordert, die bei ihren Tätigkeiten entstehenden Emissionen zu reduzieren.1334 Oftmals wird die Mitverursachung des Schadens expliziert und retrospektiv direkt auf die Unternehmen zurückgeführt.1335

Eine andere Argumentationsstrategie fokussiert hingegen nur die prospektive Zuständigkeit, bei der den Unternehmen die Verantwortung zugeschrieben wird, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Hier wird zwar auch eine kausale Einwirkmöglichkeit gesehen, allerdings verstanden als positiver Beitrag zum Klimaschutz.1336 Diese Argumentationsvariante ist in den betrachteten Artikeln am häufigsten vorzufinden und wird oftmals von der Aussage unterstrichen, dass im Hinblick auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Landwirtschafts- und Ernährungssektor große Potenziale vorhanden sind.1337

5.5.2.2 Einfluss auf andere Akteure in der Wertschöpfungskette

Unternehmen wird aufgrund ihres Einflusses auf andere Unternehmen in der Wertschöpfungskette einerseits und auf Konsumenten andererseits Verantwortung zugeschrieben.

Der Einfluss auf die Unternehmen in der Wertschöpfungskette ist dabei größtenteils auf große Markenhersteller bezogen und ihrer Nachfragemacht geschuldet. Zum Beispiel wird diesen Unternehmen die Möglichkeit zugeschrieben, die von ihnen beauftragten Logistiker zu einem klimafreundlichen Transport aufzufordern.1338 Lebensmittelkonzerne wie Unilever, Kraft oder Nestlé haben Umweltschützern zufolge zudem Einfluss auf die Anbaumethoden der Betreiber von Palmöloder Sojaplantagen, wenn sie Kontrollen und Zertifikate einfordern oder die Nachfrage einstellen, sollten die gesetzten Standards nicht eingehalten werden.1339 Insgesamt können Unternehmen ihre Lieferanten in ihre Klimaschutzstrategien einbeziehen, eine zum Beispiel für Frosta erfolgreiche Strategie:

„Mehr als die Hälfte der Emissionen stammte aus eingekaufter Rohware, sagt Forschungschef Arne Döscher. Also hat er mit den Lieferanten gesprochen. 'Man soll es kaum glauben: Es interessiert die.' Ein Ergebnis ist, dass bei Frosta nur noch frische Sahne verarbeitet wird, kein Milchpulver mehr. Das schmeckt nicht nur besser, sondern hat auch eine bessere Klimabilanz.“1340

Während der Einfluss in der Wertschöpfungskette somit tendenziell fordernder Natur ist, kann der Einfluss auf die Konsumenten eher als unterstützend beschrieben werden.1341 Es geht dabei einerseits um das Angebot klimafreundlicher Produkte, die letztlich das Resultat aller Attributionen sind, die sich auf die Herstellung von Lebensmitteln und Geräten beziehen. Die unterstützende Verantwortung bezieht sich andererseits auch auf Information und Beratung sowie Hilfestellungen bei der klimafreundlichen Wahl und Nutzung von Produkten – sie ergibt sich somit aus dem Wissensvorsprung der Unternehmen, der in Kapitel 4.3.6 als besondere Fähigkeit der Unternehmen und als eine Begründung ihrer Verantwortung hervorgehoben wurde. Dies wird nicht nur bei der Kenntnis der Klimabilanzen von Produkten, sondern auch hinsichtlich der Informationen zu Einsparpotenzialen beim Stromverbrauch in den Haushalten als notwendig erachtet.1342

 
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