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5.4.3 Begründung der ConSR

Im vorigen Abschnitt wurde dargestellt, welche Verantwortung Konsumenten im Sinne einer Zuständigkeit zugeschrieben wird. Die Frage lautete: Was sollen Konsumenten nach Ansicht der Attributionssender im Hinblick auf den Klimawandel im Bereich der Ernährung tun? Weiterhin wurden verstärkende Argumente analysiert. Woher kommen aber diese Ansprüche an Konsumenten? Wie werden sie begründet? Und inwiefern lassen sich die Attributionen in die Theorie der Konsumentenverantwortung einordnen, etwa im Hinblick auf die individuelle und kollektive Dimension geteilter Verantwortung? Im nachfolgenden Abschnitt sollen diese moralischen Argumentationslinien nachgezeichnet werden, um auf den Charakter der in den Zeitungen zugeschriebenen Verantwortung von Konsumenten schließen zu können.

Ausgangsbasis für die Zuschreibung von Verantwortung an Konsumenten ist dabei die grundlegende Feststellung, dass sie in wohlhabenden Ländern meistens eine Wahl haben: „Zu einem Großteil unseres Mobilitäts-, Konsum- und Essverhaltens sind wir nicht gezwungen, wir entscheiden uns tagtäglich dafür. Wir könnten durchaus anders.“1118

5.4.3.1 Verringerung des Schadens

Als Hauptargument dafür, dass Konsumenten ihre Ernährungsgewohnheiten ändern sollten, wird der Schaden aufgeführt, der durch die Landwirtschaft und vor allem durch die Fleischproduktion sowie die Weiterverarbeitung und den Transport der Lebensmittel entsteht. Im Hintergrund steht der Gedanke, dass die Nachfrage der Konsumenten direkt mit den Produktionsprozessen in Verbindung steht und dadurch kausal an ihren negativen Auswirkungen beteiligt ist. Das zentrale moralische Argument ist somit letztlich ein kausales. Diese Zusammenhänge werden allerdings selten expliziert, vielmehr findet sich in der Regel die Aussage: Die Produktion von Fleisch oder der weite Transport von Lebensmitteln ist schädlich – also tragen die Konsumenten die Verantwortung, weniger Fleisch zu konsumieren oder Lebensmittel aus der Region zu kaufen.1119

Bei dieser Verknüpfung von negativen Auswirkungen und Zuständigkeiten der Konsumenten wird der bereits entstandene Schaden somit in vielen Fällen keinem Akteur direkt zugeordnet. Etwas anders verhält es sich bei Argumentationen, die bestimmte Konsumweisen als direkte Verursacher für den Klimawandel beschreiben und somit den kausalen Zusammenhang zwischen Ernährungsverhalten und Klimawandel explizit darstellen.1120 Diese Form der Argumentation findet sich sowohl im Bereich der Ernährungsgewohnheiten (Beispiel „Übermäßiger Fleischkonsum“), dem Einkauf (Beispiel „Kauf importierter Lebensmittel“) und im Bereich der Haushaltsgeräte (Beispiel der veralteten Haushaltsgeräte in Deutschland). So heißt es etwa: „Das nahrhafte deutsche Essen schlägt sich jedoch nicht nur auf den Hüften nieder, sondern belastet auch das Klima.“1121

In beiden Fällen, ob bei direkter oder indirekter Kausalzuweisung, werden Konsumenten aufgefordert, den Schaden in Zukunft zu verringern oder ganz zu vermeiden, indem sie ihre Essgewohnheiten und ihr Kauf- und Nutzungsverhalten verändern. In diesem Sinne handelt es sich zwar um eine prospektive, in die Zukunft gerichtete Verantwortungszuschreibung, die allerdings auf einem retrospektiven Beitrag und einer retrospektiven Beteiligung beruht:1122 Das aktuelle Handeln ist schädlich und es besteht eine Verantwortung dafür, diesen Schaden zu minimieren bzw. nicht mehr zu verursachen. Der Kausalitätscharakter des Beitragsmodells wird bei dieser Form der Verantwortungszuschreibung unter anderem dadurch deutlich, dass davon gesprochen wird, die eigene Klimabilanz – also den eigenen kausalen Beitrag – zu verbessern bzw. zu verringern.1123

Dies wird in manchen Berichten dahingehend spezifiziert, dass der Umfang des Fleischkonsums vor allem in Industrieländern wie in Europa und den USA problematisch ist, weshalb die Verantwortung auch vor allem für Menschen in diesen Ländern – entsprechend ihres Fußabdrucks – bestehe.1124

 
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