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5.4.2 Verstärkende Argumente für die ConSR

Die Attributionen an Konsumenten werden in verschiedene, verstärkende Argumentationen eingebettet, die sich unter anderem dadurch unterscheiden, welcher Verpflichtungsgrad der Attribution zugrunde liegt. Einerseits wird mit einer Katastrophenrhetorik gearbeitet, die die Verpflichtung zum Handeln unterstreichen soll, andererseits soll die Übernahme der Verantwortung mit den verschiedenen Vorteilen, die sich Konsumenten bieten, attraktiv gemacht werden.

5.4.2.1 Katastrophenszenarien

Zur Unterstreichung der Dringlichkeit und der Notwendigkeit zum Handeln werden verschiedene Katastrophenszenarien aufgespannt. So müssten die Konsumenten einen Beitrag dazu leisten, dass die „Klimakatastrophe“1089 aufgehalten und die „Klimakrise“1090 abgewendet wird.1091

Der Soziologe und Ökonom Rifkin malt die drohende Katastrophe mit am deutlichsten aus. So beklagt er der FAZ zufolge „unsere klimaschädliche Fleischvöllerei als entscheidenden Schritt in den Weltuntergang“.1092 Nicht weniger drastisch wird die Position des Ökologen Richard Heinberg in der SZ wiedergegeben:

„Vergessen wir die Nachhaltigkeit, würde dies das Ende der uns bekannten Zivilisation einleiten, es wäre ein gewaltiger, epochaler Rückschritt nicht in die fünfziger Jahre, nicht in die dreißiger Jahre, sondern irgendwo zurück in eine Zeit, die man finster nennt.“1093

Es drohe allerdings nicht nur ein zivilisatorischer Rückfall, sondern die Chance auf ein Überleben der Menschheit überhaupt sei gefährdet,1094 vor allem angesichts der Frage, wie die steigende Weltbevölkerung im Lichte der bereits drohenden Hungerkrisen noch ernährt werden solle.1095 Insofern stehe nicht weniger an, als mit einem verantwortlichen Konsumverhalten die Erde zu retten.1096 Langer (Utopia) bekräftigt die Notwendigkeit dadurch, dass „[w]ir laut Wissenschaft nur ein Zeitfenster von fünf bis zwölf Jahren [haben], um zu handeln.“1097

5.4.2.2 Vorteile für die Konsumenten

Unterstützend für die Zuständigkeitsattributionen an Konsumenten werden mindestens im gleichen, wenn nicht sogar im größeren, Maße die Vorteile genannt, die sich für diejenigen ergeben können, die ihre Verantwortung umsetzen. Als allgemeiner Vorteil wird dabei das „gute Gefühl“ beschrieben, das sich bei einem gemeinwohlorientierten Verhalten einstellen könne: Den Biogärtnern wird beispielsweise attestiert, dass sie „beim Gärtnern stets das gute Gefühl [haben], etwas Gutes für die Umwelt zu tun.“1098 Während hier somit die langfristige tugendethische Perspektive angesprochen ist (siehe Kapitel 4.7), werden auch etliche kurzfristige Motivallianzen thematisiert, wie etwa der Gewinn an Lebensqualität und Spaß,1099 eine verbesserte Produktqualität1100 sowie mögliche Geldersparnisse1101.

Gesundheit und Qualität

Vor allem die Reduktion des Fleischkonsums verspricht gesundheitliche Vorteile.1102 Es gebe „direkte, gut dokumentierte Verbindungen zwischen Fleischkonsum und Diabetes, Herzkrankheiten, Krebs, Hirnschlag.“1103 Auch Osteoporose und Gicht1104 sowie ein vorzeitiger Herztod1105 hingen mit einem übermäßigen Fleischkonsum zusammen, ebenso wie die steigende Zahl übergewichtiger Menschen. Safran Foer zufolge leben Vegetarier allgemein länger.1106

Zum anderen fokussieren beispielsweise Betreiber von Mineralbrunnen bei der Vermarktung ihres Regionalwassers qualitative und gesundheitliche Aspekte. Wer regionales Wasser kauft, schützt demnach nicht nur das Klima, sondern erhält auch ein qualitativ hochwertiges und gesundes Produkt, lautet die Argumentation.1107 Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) schreibt regionalen Produkten allgemein eine positive Wirkung auf die Gesundheit zu.1108 Dieses Attribut wird auch der Biokiste, die zudem den Einkauf vereinfache,1109 ökologischen und allgemein nachhaltigen Produkten zugewiesen.1110 Ferner ist auch von einem Qualitätsgewinn eines geringeren Fleischkonsums die Rede. Weniger Masse bedeutet für den Grünen-Politiker Sven Giegold mehr Qualität: „Wir werden nicht mehr 100 Kilo schlechtes Fleisch essen, dafür vielleicht 50 Kilo gutes Fleisch im Jahr.“1111

Kostenersparnis

Da es bei Kauf und Nutzung effizienter Haushaltsgeräte vor allem um die Stromersparnis geht, stehen bei den Vorteilen im Kostenbereich die niedrigeren Stromkosten für die Haushalte im Mittelpunkt.1112 Zudem gelte auch bei Kühlschränken: Was mehr kostet, habe oft bessere Qualität und müsse nicht so häufig durch Neues ersetzt werden, was wiederum Geld spare.1113 Geldersparnis wird jedoch auch als positiver Nebeneffekt eines bewussten Einkaufens genannt1114, zum Beispiel bei Verzicht auf Flaschen- und Bezug von Leitungswasser.1115

Ein Redakteur der FAZ schreibt, dass bei weniger, jedoch hochwertigem Fleischkonsum das Fleisch immens teurer würde.1116 Da der Einzelne aber weniger kaufe, müssten die Kosten für ihn eigentlich gleich bleiben. So entstünde zumindest kein Nachteil. Für Safran Foer ergibt sich in jedem Fall ein klarer Vorteil für die vegetarische Ernährung, die ihm zufolge die preisgünstigste Variante darstellt.1117

 
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