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4.4.2 Zweiter Bereich: Veränderung eigener Konsummuster

Im Hinblick auf die verschiedenen Formen der Beteiligung von Konsumenten an den negativen Schadenseffekten (siehe Kapitel 4.3) ist es eine erste Konsequenz, dass Konsumenten diese Beteiligung (inklusive ihres individuellen Schadensbeitrags), sofern es ihnen möglich ist, unterlassen. Dieser Bereich der Konsumentenverantwortung kann als ihre individuelle Dimension bezeichnet werden, da es unabhängig von anderen Akteuren zunächst darum geht, die eigenen Konsummuster zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.789

Es ist vorauszuschicken, dass eine völlige Reduktion insbesondere der ökologischen Auswirkungen des eigenen Konsums nicht möglich ist. Stattdessen muss ein gerechtes Maß an Ressourcenverbrauch und Emissionen im Rahmen der Betrachtung des Gesamtlebensstils das Ziel sein (siehe hierzu Kapitel 2.2 und 2.4.2.1). Der Blick auf den gesamten Lebensstil und nicht auf einzelne Konsumweisen oder Produkte trägt dazu bei, individuelle Rebound-Effekte zu vermeiden.790 Die konkrete Umsetzung wird dabei je nach kulturellem Hintergrund, persönlichem Lebensstil sowie persönlichen Ressourcen und Fähigkeiten unterschiedlich ausfallen.

Insgesamt muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass bei Lebensstildiskussionen oftmals vermeintliche Beitragsmodelle im Fokus stehen, deren Grenzen bei der genauen Bestimmung der Wirksamkeit individuellen Handelns bereits aufgezeigt wurden. Insbesondere hinsichtlich der Zurechnung von Auswirkungen auf die Produktionsoder Konsumsphäre bestehen Schwierigkeiten. Zudem können die Berechnungen Ausstrahleffekte individuellen Handelns nicht erfassen. In positiver Hinsicht könnte es sein, dass jemand ein Hybridauto fährt und allein diese Tatsache eine andere Person dazu animiert, es ihm gleichzutun. Damit hätte der Einzelne im Sinne der Nachhaltigkeit bereits mehr erreicht als nur seinen individuellen Fußabdruck um eine bestimmte Menge CO2 zu verringern. Auf der anderen Seite bedeutet der Verzicht auf eine Flugreise jedoch keineswegs, dass genau das Flugzeug, in dem die Person einen Platz gebucht hätte, aufgrund des Verzichts nicht startet. Möglicherweise ist dieser Fluggast einer von 10.000 Fluggästen, deren Verzicht notwendig wäre, damit die Fluggesellschaft ihren Flugplan ändert. Diese Beispiele sollen daran erinnern, dass sowohl individuelle als auch produktbezogene Fußabdrücke der Komplexität der Verantwortung in diesen Kontexten nicht gerecht werden.791 Fußabdrücke weisen aber auf die Auswirkungen hin, mit denen die Konsumenten durch ihr Handeln auf direkte oder, wie in den meisten Fällen, auf indirekte Art verbunden sind und können so den einzelnen Konsumenten befähigen, seine Konsumweisen auf integrierte Weise zu reflektieren und an nachhaltigen Kriterien auszurichten.792

Im Folgenden soll gezeigt werden, welche Möglichkeiten Individuen haben, durch Veränderungen ihres eigenen Verhaltens dem Ziel eines nachhaltigen Lebensstils näher zu kommen und die Beteiligung an problematischen Systemstrukturen zu unterlassen. Die in Kapitel 2.4.2.5 vorgestellten Nachhaltigkeitsstrategien Effizienz, Konsistenz und Suffizienz lassen sich dazu auf individuelle Strategien, den eigenen Lebensstil an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten, übertragen.793 Möglichkeiten hierfür bestehen in allen Phasen des Konsumprozesses, also in der Bedarfsentwicklung, der konkreten Auswahl von Produkten sowie ihres Geoder Verbrauchs und ihrer Entsorgung bzw. Wiederverwertung. In den einzelnen Phasen sind verschiedene Strategien von Relevanz: In der Be-

darfsentwicklung steht beispielsweise die Suffizienzstrategie im Vordergrund, während die Effizienzstrategie in der Kaufphase entscheidend ist.

 
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