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9.1.3 Diskussion der Befunde zu Themenkomplex 3

Der dritte Themenkomplex widmet sich insbesondere handlungstheoretisch relevanten Einflussvariablen (Ajzen, 1991; Bandura, 1986, 2001; Rossmann, 2011) im Zusammenspiel mit depressiven, biologischen bzw. psychosozialen Prädispositionen sowie verschiedenen Aspekten des Medienhandelns und deren gemeinsamen Folgen auf (nicht-letale) Formen von Suizidalität. Damit wurden das DiatheseStress-Modell (Themenkomplex 1) und das breite Verständnis von Suizidalität (Themenkomplex 2) integriert und empirisch geprüft.

Forschungsfrage 3.1: Depression, Mediennutzung, Suizidalität

Die Studie belegt, dass die Schwere einer Depression sowohl mit dem Mediennutzungsmotiv des „sozialen Scannens“ als auch mit eskapistischen Motiven verbunden ist. Dies knüpft zwar grundsätzlich an die Befunde von Canary und Spitzberg (1993, S. 814) an, allerdings sprechen die Befunde der vorliegenden Untersuchung für den umgekehrten Zusammenhang. Canary und Spitzberg (1993) ermittelten einen negativen Einfluss von Einsamkeit (als Korrelat von Depression; vgl. Canary & Spitzberg, 1993, S. 800) auf eskapistische Mediennutzungsmotive. Qualitative Studien sprechen ebenfalls dafür, dass in depressiven Phasen eskapistische Nutzungsmotive zunehmen können (Böhm, 2012; Steinleitner, 2014). Die bisherigen Arbeiten verknüpfen dabei vor allem Depressionen mit individuellem Mediennutzungsverhalten und lassen die individuelle Suizidalität außer Acht. In der vorliegenden Studie wurde dieses Defizit im Rahmen des integrativen Gesamtmodells behoben. Das Modell enthält im repräsentativen Querschnitt allerdings keine deutlichen Wirkungspfade von Depressionen über spezifisches Mediennutzungsverhalten auf die individuelle Suizidalität. Auch längsschnittlich ergeben sich keine indirekten Auswirkungen von Mediennutzungsmotiven auf die Suizidalität. Die beiden Mediennutzungsmotive „soziale Überwachung“ bzw. „Eskapismus“ beeinflussten zwar die Medienwahrnehmung (sie führten zu stärkeren First-Person-Wahrnehmungen) bzw. die Medienrezeption (in Form einer besseren Erinnerung an einen medialen Suizidfall), doch dieser Effekt wirkte sich im Zeitverlauf nicht deutlich auf die individuelle Suizidalität aus. Die entscheidenden Medieneinflüsse liegen stattdessen auf der Ebene der Medienrezeption und Medienwahrnehmung. Mit diesen Teilbereichen beschäftigen sich schwerpunktmäßig die beiden anderen Fragestellungen zum dritten Themenkomplex.

 
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