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7.2.2 Durchführung der Online-Panelbefragung

Insgesamt wurden 18.000 registrierte Mitglieder eines nicht-repräsentativen OnlineAccess-Panels (SoSci Panel) von dessen Betreiber per E-Mail angeschrieben[1] und zur Teilnahme an der mehrwelligen Panelbefragung eingeladen. Dabei wurden keine Restriktionen hinsichtlich der Merkmale Alter, Geschlecht oder Bildung festgelegt. Es wurde, soweit technisch machbar, eine möglichst große Heterogenität unter den angeschriebenen Personen hinsichtlich dieser Merkmale angestrebt. Die Anzahl der angeschriebenen Personen orientierte sich an der durchschnittlichen Teilnahmequote von Online-Panels im Allgemeinen von höchstens 10% (American Association for Public Opinion Research, 2010, S. 4) sowie an den Erfahrungswerten des Panelbetreibers hinsichtlich der Teilnahmebereitschaft der registrierten Nutzer (höchstens 15%). Dies sollte auf Grundlage der epidemiologischen Schätzungen für die Verbreitung von Depressionen eine ausreichende Anzahl von Personen mit erhöhter Depressionssymptomatik in der Stichprobe sicherstellen. [2]In dem Einladungsschreiben zur Teilnahme an den beiden Erhebungswellen waren neben dem allgemein formulierten Untersuchungsziel („Medien und Gesundheit“) auch die zu erwartende Dauer der jeweiligen Befragungswelle angegeben. Den Teilnehmern wurde ferner die Anonymität ihrer Angaben zugesichert und sie wurden über das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse der Studie im Rahmen eines umfangreicheren Projekts aufgeklärt. Über einen Link in dem Anschreiben gelangten die Teilnehmer zum Fragebogen. Der Abstand zwischen den beiden Erhebungswellen wurde, in Rücksprache mit dem Befragungsinstitut, an die gleichzeitig stattfindende Telefonbefragung angepasst (Welle 1 vom 9. bis 31. Juli 2013; Welle 2 vom 19. bis 31. August 2013). Dies sollte die annähernde Vergleichbarkeit des „globalen“ Berichterstattungskontexts gewährleisten, während dem die On- und Offline-Erhebungen stattfanden. [3] Am Ende der ersten Befragungswelle erfolgte noch kein ausführliches Debriefing der Befragten, um das Antwortverhalten in der zweiten Befragungswelle nicht zu beeinflussen.

Ebenso wie in der repräsentativen Telefonbefragung wurde im Rahmen der Online-Panelbefragung besonderer Wert auf die Abfrage des Themenkomplexes zur Suizidalität und zum Umgang mit suizidalen Personen gelegt. Der Erhebungsmodus hat dabei den Vorteil, dass er den Befragten mit erhöhter Suizidalität automatisch Hinweise auf Hilfsangebote anzeigt. Dafür wurde im Fragebogen eine Ad-hocAuswertung der Screening-Frage zur Suizidalität nach Pöldinger (1968) programmiert. Ein Befragter, der den definierten Cut-off-Wert der Skala (Dieris-Hirche et al., 2009, S. 642; Hodapp et al., 1997, S. 57) überschritt, erhielt am Ende des Fragenblocks den folgenden Hinweis auf Hilfsangebote angezeigt (siehe Abbildung 20). Der entsprechende Hinweis wurde in demselben Wortlaut auch in der Telefonbefragung vorgelesen.

Abbildung 20. Hinweis bei erhöhter Suizidalität im Online-Fragebogen

  • [1] An dieser Stelle gilt mein ausdrücklicher Dank Dominik Leiner, der den Zugang zum SoSci-Panel möglich machte.
  • [2] In der ersten Befragungswelle waren insgesamt 362 Personen mit einer erhöhten Depressivität (Score-Wert auf dem Beck-Depression Inventory mindestens 57) beteiligt, in der zweiten Welle waren dies 309 Personen. Damit sind die Anforderungen für komplexere statistische Modelle gegeben.
  • [3] Gerade bei der (einzelfallorientierten) Erforschung des Zusammenhangs von Medien und Suiziden wird implizit von einem „globalen“ Berichterstattungskontext ausgegangen, wonach Suizidereignisse, über die prominent in den Medien berichtet wird, eine entsprechend „globale“ Wirkung entfalten. Diese zeichnet sich später in den Suizidstatistiken ab. Individuelle Medienrepertoires werden dabei ausgeblendet, ebenso wie Unterschiede der Berichterstattung in verschiedenen Medien. Im Sinne einer Annäherung an diese Problematik wurde der identische Zeitrahmen für die Befragungen gewählt, in dem zumindest die großen Schlagzeilen in den Medien annähernd vergleichbar sind. Eine Inhaltsanalyse von (nicht einmal ausgewählten) Medienangeboten wurde für den Erhebungszeitraum bisher noch nicht durchgeführt.
 
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