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7.2.1 Aufbau und Bestandteile des Fragebogens

In beiden Wellen der Online-Panelbefragung wurde ein weitgehend identischer Fragebogen eingesetzt. Bis auf einzelne Formulierungen waren diese sowie die jeweilige Antwortskalierung (i.d.R. siebenstufig) außerdem identisch mit dem Erhebungsinstrument der bevölkerungsrepräsentativen Telefonbefragung, die parallel dazu stattfand (vgl. Kapitel 7.1). Änderungen in den Formulierungen waren in erster Linie dem unterschiedlichen Erhebungsmodus geschuldet. Die Gesamtdauer zur Beantwortung der identischen Fragebögen wurde für die Online-Erhebung etwas niedriger eingeschätzt als für die telefonische Befragung. Es ist bekannt, dass offene Fragen in einem Online-Erhebungsinstrument die Gesamtbeantwortungsdauer im Vergleich zu identischen Telefonbefragungen deutlich erhöhen, was jedoch wiederum durch die höhere kognitive Leistungsfähigkeit der normalerweise jüngeren Teilnehmer von Online-Befragungen ausgeglichen wird (Fricker, 2005, S. 389–390). Da das Erhebungsinstrument nur wenige offene Fragen enthielt, war davon auszugehen, dass der Fragebogen online schneller als telefonisch zu beantworten sei, was sich schließlich in Pretests bestätigte. Es schien daher für die Teilnehmer zumutbar, im Rahmen der Panelbefragung zusätzliche Konstrukte abzufragen. Eine Hauptveränderung am Fragebogen bestand darin, den zeitlichen Bezugspunkt in der zweiten Befragungswelle auf „den letzten Monat“/„die letzten vier Wochen“ zu fokussieren.

Zusätzliche nur in der Online-Panelbefragung abgefragte Konstrukte:

Genrepräferenzen: Während die Telefonbefragung und die erste Welle der Panelbefragung noch im Wortlaut identisch waren, wurde aufgrund von Anmerkungen aus den Befragungen in der zweiten Panelwelle das Genre „Thriller/Krimis (z.B. Tatort, Das Netz)“ ergänzt.

Spezifische Nutzung sozialer Netzwerke: In der zweiten Welle der Panelbefragung wurden unter anderem die passiven und aktiven Nutzungsmuster sozialer Netzwerke erfasst (impression management), der soziale Neid, den die Befragten im Zuge der Nutzung empfinden (vgl. Chou & Edge, 2012; Krasnova, Wenninger, Widjaja & Buxmann, 2013, S. 1482; Nabi & Keblusek, 2014; Strano, 2008) sowie Einstellungen zu Fotos auf sozialen Netzwerkseiten (z.B. „Portale wie Facebook sind voll von Momentaufnahmen, die vorwiegend Menschen voller Glück und Freude zeigen“).

Mood Management im Medienkontext : In den beiden Wellen der Online-Befragung wurde die Relevanz der Medien als mögliches Instrument zur Emotionsregulation bei gedrückter Stimmung erhoben. Außerdem wurde nach der Relevanz zweier alternativer Emotionsregulationsstrategien gefragt („Sport treiben“,

„sich mit Freunden treffen“). Zur Messung der spezifischen Emotionsregulation im Medienkontext wurden in der zweiten Welle der Panelbefragung weitere Items ergänzt, die theoretisch die Dimensionen soziale Orientierung, hohe/niedrige Absorption durch Medieninhalte ergänzten („… besuche ich Facebook, Foren oder Chats“; „…bevorzuge ich anspruchsvolle Inhalte (z.B. Film oder Buch)“, „… bevorzuge ich seichte Unterhaltung (z.B. Film oder Buch)“). Außerdem wurde offen erfasst, ob „…Sie etwas ganz anderes [machen], wenn Sie sich traurig und deprimiert fühlen?“.

Abweichungen zwischen Online-Panelbefragung und Telefonbefragung:

Eisbrecherfrage: Als Eisbrecherfrage wurden die Teilnehmer der Panelbefragung danach gefragt, wie wichtig ihnen Medien im Allgemeinen sind.

Mediennutzungsmotive: Wurden nur in der ersten Welle der Online-Befragung, nicht in der zweiten Welle erfasst.

Parasoziale Beziehungen: Wurden in der zweiten Erhebungswelle der Panelbefragung nicht mehr erhoben.

Reasons for Living: Die Gründe für das Weiterleben wurden in der zweiten Welle der Panelbefragung nicht mehr erfasst.

Nachdem die beiden Befragungswellen programmiert worden waren, konnte der Online-Fragebogen an private E-Mail-Verteiler verschickt und einem intensiven Pretest unterzogen werden. Dabei kam auch die Methode des lauten Denkens zum Einsatz. Großer Wert wurde dabei auf eine effiziente Filterführung gelegt, um „Abkürzungen“ in dem ohnehin umfangreichen Befragungsinstrument anzubieten.

 
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