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7.2 Zweiwellige Online-Panelbefragung

Zeitgleich zur repräsentativen Telefonbefragung fand eine flankierende, zweiwellige Panelbefragung in einem Online-Access-Panel statt (SoSciPanel; Leiner, 2012). Anhand der Stichprobe lassen sich also keine bevölkerungsrepräsentativen Ergebnisse ableiten (Faas, 2003; Maurer & Jandura, 2008, S. 69; Sparrow & Curtice, 2004). [1] Der durchschnittliche Zeitabstand zwischen den zwei Befragungen betrug für jeden Befragten 40 Tage (SD = 4.1 Tage; der geringste Abstand lag bei 20 Tagen, der größte Abstand betrug 53 Tage). Die Panelbefragung sollte einen erhebungsmethodischen Nachteil der telefonischen Querschnittsbefragung beheben: Die zeitliche Abfolge zwischen einzelnen Beobachtungen kann hier eindeutig bestimmt werden, womit eine notwendige Bedingung für die kausale Interpretation der Daten erfüllt ist. Die Befunde der zweiwelligen Online-Panelbefragung nehmen eine flankierende Funktion zur Beantwortung der Forschungsfragen ein: Auf sie wird immer dann zurückgegriffen, wenn korrelative Zusammenhänge aus der repräsentativen Querschnittsbefragung gerichtet vorliegen bzw. Anhaltspunkte für die Stabilität von Befunden aus der Repräsentativbefragung gesucht werden. Die deskriptive Beschreibung der Grundgesamtheit basiert dagegen auf den repräsentativen Daten aus der parallel durchgeführten Telefonbefragung. Dafür wurden die beiden Befragungsinstrumente bis auf einzelne Formulierungen identisch gestaltet.

Grundsätzlich eignen sich sensible Themen besonders für anonyme OnlineBefragungen (Mustanski, 2001; Peter & Valkenburg, 2012, S. 403), so auch die Themen Depression und Suizidalität (Donker, van Straten, Marks & Cuijpers, 2010). Allerdings gilt es generell zu berücksichtigen, dass Befragte dazu tendieren u.a. depressive Symptome in selbstadministrierten Fragebögen häufiger anzugeben als etwa in Telefonbefragungen (Tourangeau & Yan, 2007, S. 865). Dementsprechend defensiv sollte der Umgang mit Prävalenzzahlen sein, die aus OnlineBefragungen stammen. Gesondert wollen wir auf dieses Problem in Kapitel 7.2.4 eingehen. Hier werden verschiedene Zusammenhänge zwischen zentralen Untersuchungsgrößen aus der repräsentativen Telefonbefragung und der zweiwelligen Online-Panelbefragung miteinander verglichen.

  • [1] Es besteht zwar grundsätzlich die Möglichkeit, Propensity-Gewichtungen der Panel-Daten anhand der parallel durchgeführten Telefonbefragung vorzunehmen (Maurer & Jandura, 2008, S. 63), um die Repräsentativität der online erhobenen Daten zu erhöhen. Dieses Vorgehen ist allerdings umstritten (Maurer & Jandura, 2008, S. 63) und findet im Rahmen der Studie nicht statt.
 
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