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7.1.4 Durchführung der Telefonbefragung

Nach den Pretests übernahm das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum der Universität Duisburg-Essen (SUZ) die Feldarbeit. Der Befragungszeitraum dauerte vom 9. Juli 2013 bis 17. August 2013. Die insgesamt 91 Interviewer führten in diesem Zeitraum jeweils zwischen 22 und 136 Interviews. Die Zufallsstichprobe von Telefonnummern wurde nach dem Gabler-Häder-Verfahren gezogen (Gabler & Häder, 2002). Innerhalb des so ermittelten Privathaushaltes mit Telefonanschluss, wurde die Zielperson für das Interview nach der Last-Birthday-Methode bestimmt. Pro Haushalt wurde also nur eine Person befragt. Damit auch Vielnutzer von Mobilfunktelefonen, Personen ohne Festnetzanschluss, die jedoch ein Mobiltelefon benutzen, oder Personen, die sich zu den Kontaktaufnahmezeiten nicht zuhause aufhalten, besser erreicht werden konnten, wurde die Festnetzstichprobe mit einer Mobilfunkstichprobe kombiniert (Dual-Frame-Ansatz; vgl. hierzu Boyle, Lewis & Tefft, 2010; Guterbock, Lavrakas, Tompson & ZuWallack, 2011; Tarnai, Moore & Schultz, 2009). Die Mobilfunk- und die Festnetzstichprobe liefern beide eine vergleichbare Datenqualität (Brick et al., 2007, S. 36). In der Diskussion des DualFrame-Ansatzes gegenüber reinen Mobilfunkstichproben hinsichtlich Antwortverzerrungen und Ausschöpfungsquoten (Kennedy, 2007; Lynn & Kaminska, 2013) wird dieser gegenwärtig als „Gold-Standard“ (Peytchev & Neely, 2013, S. 303) bezeichnet. Die Stichprobe der Festnetznummern kann als Haushaltsstichprobe aufgefasst werden, die Mobilfunknummern eher als Personenstichprobe (Gabler & Häder, 2005, S. 114). Der Mobilfunknutzer galt dabei direkt als Zielperson. [1] Es wurden (regulär) maximal 10 Kontaktversuche unternommen, wobei im Falle mehrfacher Terminabsprachen die Zahl auch überschritten werden konnte. Die Kontaktaufnahme erfolgte von Montag bis Freitag zwischen 16.30 Uhr und 21 Uhr sowie am Samstag von 12 bis 18 Uhr. Zusätzliche Terminangebote bestanden für die Zeit von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr.

Ein zentraler Aspekt bei der Schulung der Interviewer sowie bei der späteren Feldphase war die Abfrage des Themenkomplexes zur Suizidalität. Besonderes Augenmerk galt dabei den angesprochenen iatrogenen Effekten, um sicherzustellen, dass das Messen von Suizidalität nicht die Suizidalität der Befragten erhöht. Empirische Befunde sprechen gegen iatrogene Effekte des Erhebungsinstruments (Gould, 2005; Smith et al., 2010). Dennoch wurde, wie bereits erklärt, in den Frageblock zum Screening der Suizidalität ein Hinweis programmiert, der im Moment des Überschreitens eines zuvor definierten Cut-off-Werts für erhöhte Suizidalität (i.d.F. 2: 8) den Interviewern angezeigt wird. Den Interviewern wurde die Relevanz dieses Hinweises im Rahmen der Interviewer-Schulung erklärt; sie wurden angehalten, den Hinweis unverzüglich und mit aller Deutlichkeit den Befragten vorzulesen.

Außerdem ist anzuzweifeln, dass telefonische Interviews zu sensiblen Themen, wie psychischen Erkrankungen, weniger valide Befunde zu Tage fördern als Faceto-Face-Befragungen. Hinweise darauf, wie Befragte mit sensiblen Fragen in (Telefon-) Befragungen umgehen, gibt eine Literaturübersicht (Tourangeau & Yan, 2007). Sie zeigt, dass fehlende Angaben oder Falschangaben vor allem situationale Ursachen haben und abhängig vom Umfang an Fragen sind, die von den Befragten als peinlich wahrgenommen werden (Tourangeau & Yan, 2007). In der vorliegenden Untersuchung betrug der Anteil fehlender Werte bei sensitiven Fragekomplexen zwischen 0.1% und 4.7%. Eine knappe Übersicht findet sich in der nachstehenden Tabelle 7.

Tabelle 7. Übersicht über die Item- und Unit-Nonresponse auf sensible Fragen im Rahmen der Telefonbefragung

Konstrukt

Item-Nonresponse

Unit-Nonresponse

Suizidalität

4.7%

0.8%

Depression

2.1%

0.3%

UCLA-Loneliness Skala

2.0%

0.2%

WHO-5 Skala

2.5%

0.1%

Anmerkung. Lesebeispiel: Etwa fünf Prozent der Befragten machten bei mindestens einem der 16 Items zur Erfassung von Suizidalität keine Antwortangabe. Ein Prozent der Befragten verweigerten eine Antwort auf den gesamten Fragenblock.“

  • [1] Diese Auswahl wird in der Literatur durchaus vor dem Hintergrund diskutiert, dass Mobiltelefone nicht zwangsläufig eine einzelne Interviewperson identifizieren, beispielsweise wenn ein Handy von mehreren Personen gemeinsam verwendet wird (vgl. American Association for Public Opinion Research, 2011, S. 13; Brick, Edwards & Lee, 2007, S. 798; Tucker, Brick & Meekins, 2007, S. 16).
 
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