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7.1.3 Pretests

Das Erhebungsinstrument wurde ausgiebigen Pretests unterzogen. Eine schriftliche Version des Erhebungsinstruments wurde zuerst anhand einer studentischen Stichprobe (n = 157) im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der LMU München einem freiwilligen Pretest unterzogen. Die Teilnehmer wurden explizit dazu aufgefordert, den Fragebogen mit Kommentaren und Anmerkungen zu versehen. Der Fragebogen wurde anschließend anhand dieser Anmerkungen und Korrelationsanalysen aus den Antworten überarbeitet, um inhaltliche Aspekte erweitert und schließlich in den Formulierungen für die Erhebung am Telefon angepasst. Das Instrument wurde außerdem vor Beginn der Feldphase einem telefonischen Pretest (n = 21) durch das beauftragte Befragungsinstitut unterzogen und im Anschluss daran erneut überarbeitet. Die wiederholten Pretests führten insbesondere zu Änderungen der Fragenreihenfolge und Filterführung im Erhebungsinstrument, um es hinsichtlich der Gesamtbefragungsdauer ökonomischer zu gestalten. [1] Darüber hinaus wurde die Begrüßung im Fragebogen den Anmerkungen der Teilnehmer aus den Pretests entsprechend umformuliert. Bei einigen Fragen wurden Mehrfachnennungen integriert, offene Antworten reduziert und die Anweisungen an die Interviewer so modifiziert und erweitert, dass diesen auch für den Fall spezieller Rückfragen (z.B. über das genaue Ziel der Untersuchung) entsprechende Antworten bereitstanden.

Besonderes Augenmerk wurde in den Pretests auf die Fragen zur Erfassung der Suizidalität gelegt. Im Rahmen des schriftlichen Pretests wurde allen Befragungsteilnehmern direkt nach der Erhebung eine Anlaufstelle bei Suizidgedanken in München genannt (Adresse, Internetseite, Telefonnummer). Es war im Rahmen des schriftlichen Pretests nicht möglich, die entsprechende Frage im Fragebogen unmittelbar auszuwerten und entsprechende Hilfsangebote selektiv nur bei erhöhter Suizidalität zu vermitteln. Im Rahmen des telefonischen Pretests wurde schließlich ein programmierter Hinweis getestet, der dem Interviewer automatisch eingeblendet wurde, sobald ein Befragungsteilnehmer den zuvor festgelegten Cut-off-Wert (i.d.F. 2: 8) auf der Skala zur Erfassung der Suizidalität (Haenel & Pöldinger, 1986) überschreitet. Der Interviewer wurde entsprechend instruiert, den Text unverzüglich vorzulesen und damit aktiv auf die erhöhte Suizidalität des Befragten einzugehen – diese Vorgehensweise wird für den Umgang mit suizidalen Personen empfohlen (Schmidtke & Schaller, 2009, S. 177).

  • [1] So irritierte es beispielsweise einige Befragte, dass zwischen den statistischen Fragen eine Frage zu individuellen politischen Kompetenz- und Einflusserwartungen („political efficacy“) enthalten war. Die Frage wurde daraufhin ans Ende verschoben.
 
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