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Coping-Strategien/Problemlösungsstrategien

Coping-Strategien können als Moderator des Effekts von Umwelteinflüssen auf Depressionen betrachtet werden. Da Coping-Strategien auch als wichtiger Faktor bei der Erklärung von Suizidalität gelten, bilden sie gleichzeitig eine Brücke zwischen Depressionen, Medien und Suizidalität (vgl. Kapitel 2.1.2). Dabei spielt die Wahrnehmung und Bewertung eines Stressors aus der Umwelt die entscheidende Rolle (Böhm, 2012, S. 57). Je nachdem wie diese Einschätzungen ausfallen, werden verschiedene Problemlösungen angewendet. Thompson et al. (2010) unterscheiden grundsätzlich zwischen adaptiven und maladaptiven Formen im Umgang mit Umweltstressoren. Zu den maladaptiven Coping-Formen im Zusammenhang mit Depressionen zählen (Thompson et al., 2010, S. 459) ruminatives Denken, das Gefühl der Gefühllosigkeit oder negative Attributionsstile. Diese sind oftmals mit erhöhtem Stress und depressiven Symptomen assoziiert. Im Zusammenhang mit Depressionen gilt dementsprechend die positive Restrukturierung von Gedanken als adaptive Coping-Strategie (Thompson et al., 2010, S. 460). Coping wird auch im Umgang mit problematischen Medieninhalten diskutiert (vgl. Till et al., 2011). Wirth und Schramm (2007, S. 172–174) nennen beispielsweise fünf verschiedene CopingStrategien im Umgang mit Medieninhalten, die zwischen der Zu- und Abwendung von einem Medieninhalt (z.B. zuwendend: Rationalisierung des Gesehenen oder dessen Banalisierung; abwendend: Aufmerksamkeitsverschiebung, Abschalten/Wegschalten) und der dabei kognitiven bzw. nicht-kognitiven Steuerung des Verhaltens differenzieren (z.B. kognitiv: Rationalisierung des Gesehenen oder dessen Banalisierung, Aufmerksamkeitsverschiebung; nicht-kognitiv: Ton leiser stellen, Wegschauen/Abschalten). Als fünfte Strategie nennen die Autoren die Suppression von Emotionen und anderen Reaktionen auf den Medieninhalt (vgl. Lee, 2013, S. 15–16. Lee (2013) zeigt, dass abwendende Coping-Strategien über ein Jahr hinweg negative Auswirkungen auf Depressionen haben können. Beasley, Thompson und Davidson (2003, S. 92–93) fassen emotionsbezogene Coping-Strategien als abwendende Coping-Strategien auf und liefern einen grundsätzlich Beleg dafür, dass diese negative Auswirkungen auf das gemessene Stressniveau der Befragten haben, während gleichzeitig positive Auswirkungen auf somatische Symptome zu beobachten waren. Die Studie von Till et al. (2011, S. 156) belegt für Spielfilme mit Suizidbezug keine deutlichen Zusammenhänge zwischen verschiedenen CopingStrategien und verschiedenen Rezeptionsmotiven. Tendenziell präferieren Personen die soziale Unterstützung zur Problemlösung umso mehr, je stärker sie Vergleiche mit Medienpersonen bei der Rezeption anstellen, um festzustellen, wie die Medienperson mit Problemen umgeht (r = .26, p < .01). Die empirischen Hinweise deuten darauf hin, dass verschiedene Coping-Strategien im medialen Kontext die Psychopathologie der Rezipienten beeinflussen, die sich wiederum auf die Verarbeitung bestimmter Medieninhalte und damit auf die individuelle Suizidalität der Rezipienten auswirken können.

 
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