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Sample

Insgesamt nahmen 43.380 Personen an den aufgelisteten Untersuchungen teil. Die durchschnittliche Stichprobengröße der Untersuchungen umfasst 1.496 Personen, das nach Stichprobengröße gewichtete Durchschnittsalter der Teilnehmer beträgt 41 Jahre (sofern dieses in den Studien angegeben wurde). Auffällig ist dabei, dass gerade größer angelegte Studien häufig auf extreme Altersgruppen fokussieren (insbesondere Jugendliche oder Ältere). Eine Studie bildet hiervon die Ausnahme (Wilhelm, Gillis, Schubert & Whittle, 2013), in der ein altersmäßig breit gestreutes Sample (18–66+ Jahre) rekrutiert wurde, das allerdings nicht als repräsentativ für eine bestimmte Population gelten kann. In den Untersuchungen waren ferner etwa 46% der Befragungsteilnehmer männlich. Von repräsentativen Stichproben ist nur in 8/31 Fällen die Rede.

Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Depression

Insgesamt deutet beinahe die Hälfte der Studien (14/31) auf einen positiven Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Umfang der Mediennutzung hin, während ungefähr gleich viele Arbeiten keinen eindeutigen Zusammenhang feststellen (12/31). Diese Befunde schließen also nur zum Teil an die Befunde der Kommunikationsforschung an, die einen Zusammenhang zwischen erhöhter Fernsehnutzung und Lebensunzufriedenheit herstellen konnten (Frey, Benesch & Stutzer, 2007; Robinson & Martin, 2008; Shrum, Lee, Burroughs & Rindfleisch, 2011, S. 41). Zwei Studien finden dagegen einen negativen Zusammenhang zwischen dem Umfang der Mediennutzung und Depressionen, wobei die aktuellere der beiden Arbeiten (Cotten, Ford, Ford & Hale, 2012) auf ein großes Sample höheren Alters und die ältere Studie (Potts & Sanchez, 1994) auf ein verhältnismäßig kleines und insgesamt junges Sample zurückgreift. [1]Die Stärke des Zusammenhangs lässt sich auf Basis der untersuchten Arbeiten als schwach bis allenfalls moderat beschreiben. Bei den acht Studien, mit repräsentativer Stichprobe, sprechen sieben für einen positiven Zusammenhang, eine Arbeit findet dagegen keine eindeutigen Belege dafür, dass ein höherer Depressionsgrad mit einer höheren Mediennutzungsdauer verbunden ist. Interessant sind hier vor allem die Befunde von Bélanger, Akre, Berchtold und Michaud (2011), die einen U-förmigen Zusammenhang zwischen der Internetnutzung und dem Depressionsgrad feststellen. Demnach liegt sowohl bei Personen mit einer besonders hohen, aber auch bei Personen mit einer besonders niedrigen Mediennutzung der Depressionsgrad höher als bei Personen, die das Internet in durchschnittlichem Umfang nutzen.

Inhaltliche Präferenzen und Depression

Allgemein scheinen vor allem Nutzungsmotive wie Berieselung oder Kompensation (insbesondere online, hier speziell Foren oder Chats) im Vordergrund zu stehen. Zu den konkret genutzten Inhalten, die in den Studien explizit angesprochen werden, weil sie im Zusammenhang mit Depressionen häufig präferiert werden, zählen unterhaltende und gesundheitsbezogene Inhalte, sowie Soap Operas, Dramen, Comedy, Actionfilme, Liebesfilme, erotische Inhalte, Computerspiele und Shopping-Angebote. Auch bekannte Inhalte in den Medien werden tendenziell präferiert, was unter anderem auf die Tendenz zur Habitualisierung von Handlungen im Kontext von Depressionen hindeutet (vgl. Kapitel 3.3.5). Weniger häufig genutzt werden den untersuchten Studien zufolge dagegen allgemein komplexe Inhalte sowie tendenziell allgemeine Informationsangebote. Bei Männern stellte Dittmar (1994) einen depressionsbezogenen Rückgang der Nutzung von Sportsendungen fest. Auch dürfte die interpersonale Kommunikation reduziert und davon die Nutzung entsprechender Angebote im Internet betroffen sein. Interessant ist dabei sicherlich, inwiefern Präferenzen bzw. Abneigungen für bestimmte Medien und Inhalte miteinander interagieren, da beispielsweise die Nutzung gesundheitsbezogener Informationen im Internet und dort speziell in interaktiveren Umgebungen tendenziell wieder häufiger genutzt werden (vgl. Scherr & Reinemann, 2014). Insgesamt ist die Befundlage zu diesem Themenbereich recht dünn, da es bislang vor allem an empirischen Arbeiten mit repräsentativen Stichproben mangelt, denen sowohl ein klinisches Verständnis von Depressionen zugrunde liegt als auch die Mediennutzung intensiver erfasst wird und nicht nur einzelne Medienangebote oder Inhalte fokussiert werden. [2]

  • [1] Drei Arbeiten (Dutta-Bergman, 2005; Thomson, Reece & Di Benedetto, 2014; Wilhelm, Gillis, Schubert & Whittle, 2013) untersuchen die Motive zur Mediennutzung, daher werden keine Zusammenhänge zwischen Depressionen und dem Umfang der Mediennutzung berichtet.
  • [2] So diskutieren etwa Földy und Ringel (1993) ausführlich und medienkritisch mögliche Zusammenhänge und Zukunftsszenarien von Medien und Depressionen, allerdings ohne diese Überlegungen mit eigenen empirischen Erhebungen nachzugehen.
 
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