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Depressivität

Den meisten Arbeiten liegt ein klinisches Verständnis von Depressionen zugrunde (26/31). Diese Arbeiten sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassung der unabhängigen Variablen Depression anhand etablierter Erhebungsinstrumente erfolgt. Studien, in denen wenige, z.T. selbst operationalisierte Einzelitems zur Erfassung von Depressionen verwendet wurden (5/31), fehlt ein umfassendes, mehrdimensionale Verständnis der Krankheit Depression (vgl. Kapitel 2.2.2), wodurch die Abgrenzung zu negativen Stimmungen oder kurzfristiger Niedergeschlagenheit erschwert wird und worauf bei der Literaturdurchsicht unbedingt geachtet werden sollte. Die eingesetzten Erhebungsinstrumente zur Erfassung von Depressionen sind heterogen. Häufiger kommen dabei noch das BDI (4/31) (Beck Depression Inventory; Beck et al., 1996; Beck, Ward, Mendelson, Mock & Erbaugh, 1961), der PHQ-9 (3/31) (Patient Health Questionnaire; Kroenke, Spitzer & Williams, Janet B. W., 2001) oder die CESD (9/31) (Centers for Epidemiologic Studies– Depression Scale; Radloff, 1977) zum Einsatz. Für bzw. gegen den Einsatz der verschiedenen Erhebungsinstrumente sprechen jeweils Studien, die leichte Differenzen hinsichtlich der Sensitivität und Spezifität der Skalen (Santor, Zuroff, Ramsay, Cervantes & et al, 1995) feststellen bzw. keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Instrumenten finden (Zich, Attkisson & Greenfield, 1990) oder bei bestimmten Altersgruppen leichte Vorteile für einzelne Instrumente ausmachen (Roberts, Lewinsohn & Seeley, 1991). Insgesamt erscheint es wichtig, einem zugrunde liegenden klinischen Modellverständnis von Depression ein entsprechendes Erhebungsinstrument zur Seite zu stellen, anstatt auf Kosten der Vergleichbarkeit und Anschlussfähigkeit der Studienergebnisse auf selbstkonstruierte Items zurückzugreifen, die dem vielschichtigen Krankheitsbild nicht gerecht werden.

Untersuchte Medien

Am häufigsten werden Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Depressionen für das Internet (22/31) und das Fernsehen untersucht (14/31). Studien, die dem Zusammenhang zwischen der Nutzung von Tageszeitungen (4/31), der Nutzung des Radios (4/31), von Musik (5/31) oder Büchern (3/31) und Depressionen nachgehen, sind dagegen seltener vorzufinden. In insgesamt 23/31 Arbeiten wurde nur ein Medium untersucht, 4/31 untersuchten Zusammenhänge an zwei bis drei Medien. Studien, die gleichzeitig mindestens vier verschiedene Medien berücksichtigten, sind noch seltener (3/31). Dies wird der Mediennutzung nur zum Teil gerecht, da verschiedene Medien (noch) häufig parallel genutzt werden (Peiser, 2012).

 
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