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3.3.3 Priming

Die Priming-Hypothese beschreibt die kurzfristige Aktivierung kognitiver Strukturen und automatischer Gedanken durch Einflussfaktoren aus der Umwelt, die sich auf die Urteilsbildung und das Verhalten auswirken (vgl. Berkowitz, 1984; RoskosEwoldsen et al., 2009). Medienbilder können dementsprechend bestimmte Gedanken auf Seiten des Publikums hervorrufen. Sparks et al. (2009, S. 278) zufolge liegen bereits zahlreiche Belege für die Bestätigung von Priming-Effekten im Zusammenhang mit medialen Gewaltrepräsentationen vor. Bei Personen, die mit Suiziddarstellungen in den Medien in Kontakt kommen, können dann vordefinierte Handlungsschemata aktiviert werden, die wiederum Nachahmungshandlungen nach sich ziehen können (Tousignant et al., 2005, S. 1920). Die Erklärung von Nachahmungssuiziden mithilfe von Priming eignet sich dazu, eine kurzfristige Medienwirkung zu erklären, die auf emotionalen Effekten beruht, welche mit der Zeit wieder abnehmen (Tousignant et al., 2005, S. 1920). Roskos-Ewoldsen, Klinger und RoskosEwoldsen (2007, S. 58) merken in Bezug auf die Erklärung von Nachahmungssuiziden anhand der Priming-Hypothese kritisch an, dass diese sich nur zum Teil als Erklärung anbietet, da der Effekt zwar tatsächlich mit der Zeit abnimmt, allerdings sein größtes Wirkungspotenzial für Priming-Effekte zu spät entfaltet (in Bezugnahme auf die Studie von Bollen und Phillips (1982), in der drei Tage als Wirkungszeitraum angegeben werden). Andere Studien deuten allerdings darauf hin, dass Priming-Effekte auch nach mehreren Tagen noch beobachtbar sein können (Arendt, 2013; Riddle, 2010). Anhand einer Meta-Analyse kann ferner belegt werden, dass Männer nicht etwa stärker auf gewalthaltige Medienprimes reagieren als Frauen (Roskos-Ewoldsen et al., 2007, S. 71). Personen, die allerdings eine dem Prime entsprechende Veranlagung zu Gewalt bzw. Aggression aufweisen, zeigen stärkere Priming-Effekte als Personen mit gering ausgeprägter Veranlagung zu aggressivem Verhalten. Die entsprechende Effektstärke wird mit r = .11 (95% CI [.05, .17]) angegeben (Roskos-Ewoldsen et al., 2007, S. 72). Die Autoren spekulieren auf Grundlage dieser Befunde darüber, inwiefern Medien demnach in der Lage sind, auch chronisch verfügbare kognitive Strukturen zu beeinflussen (Roskos-Ewoldsen et al., 2007, S. 72) (wie beispielsweise im Falle einer Depressionserkrankung oder einer suizidalen Krise).

 
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