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7.2 Postmoderne Vielfalt und Risikogesellschaft

Die Charakteristika der Gesellschaft der Gegenwart mittels eines allgemeingültigen Modells zu beschreiben, ist unmöglich. Seit dem Ende der mit der Aufklärung eingeleiteten geistesgeschichtlichen Moderne besteht ein Konsens darüber, dass es die eine prägende Eigenschaft, die sich als allumfassendes zeitdiagnostisches Attribut eignen würde, nicht mehr gibt. Es sind jedoch aus spezifischen Perspektiven der Reflexion Beschreibungen der Gesellschaft möglich, die nicht nur den fachlichen Diskurs prägen, sondern zumindest als Begrifflichkeit auch den Weg in eine breitere Öffentlichkeit gefunden haben.

Eines der etablierten Modelle der Beschreibung der westlichen Gesellschaft und ihrer Kultur ist das der Postmoderne (nach dem lateinischen Terminus „post = nach, hinter“). Die Postmoderne kritisiert das für die Moderne typische Streben nach Fortschritt und das Vertrauen in den Fortschritt als naiv und unreflektiert. Die Moderne hält sie für apodiktisch und für gerade deshalb gescheitert. Die Postmoderne fordert daher eine Erneuerung aus der Akzeptanz der Vielfalt von möglichen Perspektiven des Denkens und des künstlerischen Schaffens, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Mit dem Postulat einer grundsätzlichen Offenheit der künstlerischen Ausdrucksformen bezieht die Postmoderne auch die Ästhetik der Moderne und insbesondere den Primat der Abstraktion im 20. Jahrhundert in ihre Kritik ein.

Die Postmoderne benennt und definiert sich zwar aus dem Widerspruch gegen die vorangegangene Moderne, sie versteht sich aber nicht nur als aktuelle Zeitdiagnose, sondern auch als denkerische Methode.

Die Begriffsgeschichte der Postmoderne geht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Sie wurde seither mehrfach zur Beschreibung von kultur-, philosophie-, literaturund kunstgeschichtlichen Positionen, die der Moderne kritisch gegenüber stehen und daraus Konsequenzen ableiten, verwendet. Zu einem seine Zeit prägenden Ansatz wurde die Postmoderne aber erst durch die Publikationen des französischen Philosophen Jean-François Lyotard (1924–1998). In seinem 1979 in Paris erschienenen Werk „La condition postmoderne. Rapport sur le savoir“ – deutsch erst 1999 in Wien als „Das postmoderne Wissen“ erschienen – erklärt er das Projekt der Moderne für gescheitert. Seine Diagnose formuliert er vor allem als „Ende der großen Erzählungen“, wobei bereits der Terminus „Erzählungen“ für denkerische Modelle, die über Jahrhunderte als die wichtigsten philosophischen Systeme galten, bezeichnend ist. Diese „Erzählungen“ abstrahieren nach Lyotard ihre Argumentation immer auf ein zentrales Prinzip, ihre Aussagen entwickeln sie, indem sie das Abweichende, Heterogene oder Singuläre ausschließen.

Als die drei großen „Erzählungen“, die für eine lange Zeit und für einen großen Wirkungsbereich Geltung und einen außergewöhnlichen Einfluss auf das Denken der ganzen Menschheit hatten, identifiziert Lyotard

• die Aufklärung als Idee der Emanzipation des Individuums vom Glauben und Aberglauben, von der Kirche und von jedem unselbstständigen Denken zugunsten des Primates der Vernunft und der Rationalität,

• den Idealismus als Idee von einer Ausrichtung des menschlichen Denkens auf ein Ziel und als Vorstellung der Existenz eines autonomen Subjekts sowie

• den Historismus als Idee der Sinnhaftigkeit allen Geschehens im Sinne einer konsequenten und zu einem Fortschritt führenden historischen Entwicklung.

Diese „Erzählungen“ könnten keine letztgültigen Begründungen aufweisen, die ihre zwingende Richtigkeit rechtfertigten. Diese „Erzählungen“ hätten deshalb als leitende Vorstellungen und Entwicklungsmuster ihre Legitimation und ihre Allgemeinverbindlichkeit verloren. An die Stelle dieser großen Ideen und Ideologien sowie eines universalen Wahrheitsanspruchs und der Annahme der Allmacht der Vernunft setzt Lyotard die denkbare Vielzahl von Erklärungsmodellen. Eine allgemein verbindliche Wahrheit und ein das Sein in seiner Gänze beschreibendes formales System sind für ihn im Rückgriff auf die sprachkritischen Reflexionen Wittgensteins schon deshalb nicht möglich, weil es dafür keine Sprache geben kann. Das Denken muss den Horizont des Erwartbaren durchbrechen, die für natürlich und vernünftig gehaltene Syntax erschüttern und auf diese Weise „von der Inkommensurabilität von Denken und wirklicher Welt“ (Lyotard 1987, S. 257) zeugen.

Für die Gesellschaft bedeutet dies, dass der Konsens über die Autorität von Institutionen, über politische Verfahren und über ethische Modelle verloren geht und eine Vielzahl von als wahr und gerecht angesehenen Positionen nicht nur vorhanden ist, sondern auch akzeptiert werden muss. Traditionelle Bindungen, Systeme der Solidarität und Konstruktionen von Gemeinschaft werden aufgegeben zugunsten der Segmentierung der Gesellschaft in eine Vielzahl von Bereichen mit einander zumindest potenziell widersprechenden Denkund Verhaltensmustern, die Toleranz, Freiheit und die Akzeptanz von Pluralität voraussetzen.

Auch in der Kunst kann es im System der Postmoderne keinen kontinuierlichen Fortschritt und keine zielgerichtete Innovation mehr geben. Die Kunst muss nach Lyotard vielmehr die Vielfalt der in der Gesellschaft vorhandenen Modelle durch Brüche und Antinomien zum Ausdruck bringen. Die in neue Kombinationen und neue Zusammenhänge gestellten Zitate und Ironisierungen vorgefundener Ideen treten in einer postmodernen Beschreibung der Welt plural, ungeordnet, vom Zufall geleitet und der Vergänglichkeit unterworfen auf. Kunst kann nach Lyotard „nur erfahren werden, wenn und solange wir uns des reflektierenden Denkens enthalten. Denkend wird das Kunst-Ereignis sogleich institutionalisiert und in eine Tradition eingegliedert“ (Hauskeller 2008, S. 94).

Daraus entwickelt sich auch das Menschenbild der Postmoderne, das durch Instabilität, häufige Neuanfänge und einander widersprechende Tendenzen sowie eine Betonung der Affektivität und Emotionalität geprägt ist. Gegen die gescheiterten Ansprüche allumfassender Erklärungen und Theorien setzte Lyotard eine Form der Vernunft, die sich situationsspezifisch selbst die Regeln gibt.

Die Finanzund Wirtschaftskrise der letzten Jahre scheint dem Beschreibungsmodell der Postmoderne zumindest insofern Recht zu geben, als die lange angenommenen Kräfte des Fortschritts und der Selbstheilung der Märkte von Fehlentwicklungen mittels des Wettbewerbs offensichtlich nicht funktioniert haben.

Allerdings unterliegen auch die bisher gefundenen politischen Antworten auf die Finanzund Wirtschaftskrise der postmodernen Segmentierung der Gesellschaft. Sie bedienen sich weitestgehend der Werkzeuge eben des Systems der Marktwirtschaft, das diese Krise erzeugt hat. Kulturmanagement, das sich seiner gesellschaftlichen Relevanz bewusst ist, könnte mithelfen, die überfällige darüber hinausgehende Wertedebatte anzustoßen und die erforderlichen Veränderungsprozesse in Gang zu bringen. Die Doppelrolle der Kultur als Teilnehmer am Markt (spätestens wenn die Sponsorengelder in der Krise ausbleiben) und als Korrektiv des Diskurses kann diesen Diskussionsprozess weiter befruchten.

Zu den politischen Implikationen der postmodernen Strukturen der Gesellschaft gehört auch die Aufwertung der direkten Demokratie gegenüber dem traditionellen System der repräsentativen Demokratie, das davon ausgeht, dass die Entscheidungen der gewählten parlamentarischen Vertreter der Bürger während einer Wahlperiode akzeptiert und erst im Wahlverhalten bei der folgenden Abstimmung bewertet werden. In den letzten Jahren wurden in mehreren deutschen Ländern und Kommunen Voten der Bürger gegen die politische Willensbildung der jeweiligen Landesregierung und der jeweiligen kommunalen Parlamente durchgesetzt. Die Realisierbarkeit und der Erfolg dieser Plebiszite steht auch in einem engen Zusammenhang mit den Möglichkeiten des Web 2.0.

Zu den ersten überregional Aufsehen erregenden diesbezüglichen Initiativen gehörte der „Volksentscheid für einen echten Nichtraucherschutz“, bei dem am 4. Juli 2010 die bayerischen Wahlberechtigten mit 61 % der abgegebenen Stimmen für einen strikten Nichtraucherschutz und damit gegen das von der Staatsregierung beschlossene liberalere Gesetz und gegen die massiv vertretenen Interessen der Tabakindustrie stimmten. Am 18. Juli 2010 lehnte in Hamburg bei einem Volksentscheid zur Schulreform eine Mehrheit von 58 % der Wähler die vom Hamburger Senat in einer Novellierung des Schulgesetzes vorgesehene Primarschule ab.

Eines der jüngsten Beispiele für erfolgreiche Plebiszite gegen legislative und exekutive Vorhaben ist der so genannte Olympia-Bürgerentscheid. Die Bürger der Landeshauptstadt München, der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und der Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein konnten am 10. November 2013 darüber entscheiden, ob sich die genannten Orte und Regionen um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 bewerben. Das Abstimmungsergebnis fiel bei allen vier Bürgerentscheiden – wenn auch teilweise sehr knapp – zugunsten der Gegner der Bewerbung aus. Am 25. Mai 2014 stimmte eine Mehrheit von 64,3 % der Wahlberechtigten beim Volksentscheid zur Zukunft des Geländes des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof ebenfalls gegen eine von der Stadt vorgesehene Bebauung. Der Senat muss demnach den jetzigen Zustand des Parks erhalten und darf das Gelände weder verkaufen noch bebauen.

Am 17. Juni 2012 sprachen sich 1,04 Mio. Münchener Bürger in einem Bürgerentscheid mit 54,3 % der Stimmen gegen den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt aus. Dieser Bürgerentscheid verdeutlicht ein grundsätzliches Problem derartiger plebiszitärer Elemente gesellschaftlicher Entscheidungsfindungen, die durch das nur scheinbar objektive und immer auch relative Kriterium der Betroffenheit legitimiert werden. Da in diesem Fall – weil es formal um eine Weisung für das Abstimmungsverhalten des Anteilseigners Stadt München ging – nur Münchener Wahlberechtigte votieren konnten, waren die in den noch stärker vom Flughafen betroffenen Umlandgemeinden wohnenden Menschen nicht abstimmungsberechtigt. Darüber hinaus gab es Stimmen, die einen landesweiten Volksentscheid zu dem Streitfall forderten, da der Flughafen nicht nur für die Landeshauptstadt, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort Bayern von herausragender Bedeutung sei.

Ein Beschreibungsmodell der Verfasstheit der deutschen Gesellschaft der Gegenwart, das weit über das Fachpublikum hinaus große Resonanz fand, legte der Soziologe Ulrich Beck (1944–2015) mit seinem 1986 zum ersten Mal erschienenen Werk „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne“ vor. Seine Publikation wurde ein für ein Fachbuch außergewöhnlicher Verkaufserfolg und machte den Titel schnell zu einem in sehr verschiedenen Zusammenhängen verwendeten Schlagwort. Diese breite öffentliche Rezeption war auch – wie Beck selbst in einem Vorwort zur zweiten Auflage konzediert – eine Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die im selben Jahr Europa erschütterte und die Aktualität vieler der Thesen Becks belegte.

Beck sieht zwar nicht wie die Vertreter der Postmoderne das Experiment der Moderne als vollständig gescheitert an, er geht aber auch davon aus, dass eine bisher weitgehend kontinuierliche Entwicklung der Moderne zu Ende geht. Er leitet diese Beobachtung vor allem aus dem Verschwinden der klassischen Strukturen der Industriegesellschaft ab, die sich in eine neue gesellschaftliche Form, für die er seinen Terminus „Risikogesellschaft“ einführt, transformiert. Die Risikogesellschaft steht zwar grundsätzlich in der Kontinuität der Moderne, sie nimmt aber eine völlig neue gesellschaftliche Gestalt an.

Charakteristisches Kriterium der Risikogesellschaft ist die Ablösung der bisherigen „Logik der Reichtumsproduktion“ durch eine immer breiteren Raum einnehmende „Logik der Risikoproduktion“. Nicht mehr die Frage der Verteilung von Waren sieht Beck als Auslöser der gesellschaftlichen Konflikte, sondern die Problematik der gerechten Verteilung der überwiegend von der Gesellschaft selbst produzierten Risiken.

Mit dem Begriff der Risiken fasst Beck sehr unterschiedliche Phänomene zusammen: Einerseits gehören dazu Umweltprobleme wie die zunehmende Schadstoffbelastung und Oberflächenversiegelung sowie die damit verbundenen Gefahren für das Leben von Pflanzen, Menschen und Tieren. Gleichzeitig subsumiert Beck darunter auch soziale Gefährdungen wie die Arbeitslosigkeit und die Herausforderungen der Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Entscheidend für deren gesellschaftlichen Stellenwert ist, dass diese Risiken nicht mehr wie die früheren zumindest schwerpunktmäßig bestimmte Klassen bedrohen, sondern grundsätzlich jeden Menschen im selben Maße treffen können: „Not ist hierarchisch, Smog ist demokratisch“ (Beck 1986, S. 48). Dieser Aspekt ist allerdings auch einer der Hauptansatzpunkte der Kritiker Becks: Gerade der Unfall von Tschernobyl habe bewiesen, dass die Menschen im Katastrophenfall sehr ungleiche Chancen beispielsweise auf ärztliche Hilfe hätten.

Darüber hinaus weist Beck auch darauf hin, dass die Risiken nicht nur real vorhandene, sondern auch durch Veröffentlichungen in den Medien konstruierte sein können. Zumindest die Bedrohlichkeit der Risiken nehmen die Menschen zumeist erst durch die Massenmedien wahr. Diese sorgen für eine inflationsartige Vermehrung der kommunizierten Risiken und bedingen damit auch die Abstumpfung und letztlich die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber den Risiken.

Kulturelle Institutionen und Projekte können maßgebliche Beiträge zum Diskurs über die Gesellschaft leisten. Es ist eine Aufgabe aller Akteure des Kultursektors, gesellschaftliche Strukturen zu erkennen, aufzugreifen und zu kommentieren und damit an der Gestaltung der Wirklichkeit und an der Partizipation aller Menschen an dieser Wirklichkeit mitzuwirken.

Diese gesellschaftlichen Funktionen der Kultur lassen sich unter verschiedenen Aspekten systematisieren (vgl. Tab. 7.1).

Die utopischen und realutopischen Funktionen des menschlichen Denkens stehen im Mittelpunkt des Werkes des deutschen Philosophen Ernst Bloch (1885– 1977). Sein Hauptwerk verfasste er in den Jahren zwischen 1938 und 1947 im US-amerikanischen Exil unter dem Arbeitstitel „The dreams of a better life“. Es erschien schließlich unter dem Titel „Prinzip Hoffnung“ in drei Bänden in den Jahren 1954 bis 1959 zunächst in der DDR. Das „Prinzip Hoffnung“ ist seither zu einem Schlagwort in vielen gesellschaftlichen Diskursen geworden.

Von Hegel und Marx beeinflusst, entfaltet Bloch im „Prinzip Hoffnung“ eine umfangreiche Philosophie der konkreten Utopie. Das Denken ist bei Bloch die Spur zu einem Sein, das noch niemand gesehen oder erlebt hat. Im Zentrum seines Systems steht der über sich hinausdenkende Mensch, der „konkrete Utopien“ entwickeln kann. Das Bewusstsein des Menschen ist bei Bloch nicht nur das Produkt seines Seins, es ist vielmehr mit einem „Überschuss“ ausgestattet. Dieser „Überschuss“ findet seinen Ausdruck in den sozialen, technischen, ökonomischen und religiösen Utopien, in der Bildenden Kunst, in der Literatur und in der Musik. Im

Tab. 7.1 Systematisierung der gesellschaftlichen Funktionen der Kultur. (Quelle: Marchal

1998, S. 40–47)

Kritische Funktion

Kulturelle Manifestationen können Manipulationen durch den Einsatz ästhetischer Mittel aufdecken (z. B. wird die Affinität von Menschen zu bestimmten Farben und Formen ausgenutzt, um sie zum Kauf von Produkten oder zur Übernahme bestimmter Anschauungen zu bewegen)

Kulturelle Manifestationen können die Vermittlung von politischen und anderen Ideologien reflektieren, indem sie beispielsweise deren Strategien offenlegen

Kulturelle Manifestationen können die ökonomischen Bedingungen und Interessen analysieren, die diese Manipulationen hervorbringen und ermöglichen (z. B. in der Medienpädagogik)

Kulturelle Manifestationen können die Medien analysieren, die solche Manipulationen transportieren (z. B. Werbung, Printmedien, Fernsehen)

Utopische Funktion

Kulturelle Manifestationen ermöglichen die Entwicklung und die Kommunikation des für die Gestaltung der Zukunft Möglichen oder Wünschenswerten

Sie eröffnen damit Experimentierfelder für soziale Fantasien. Kreativität kann sich im Entwerfen von Modellen, Konzepten und Strukturen manifestieren

Diese Funktion ist insbesondere dort wichtig, wo solche Bedürfnisse unterdrückt werden

Kognitive Funktion

Intelligentes und kreatives Problemlösungsverhalten wird durch kulturelle Manifestationen veranschaulicht (z. B. im Design)

Hedonistische Funktion

Die Befreiung des Handelns von einer Zweckbindung wird in kulturellen Manifestationen nicht nur geplant, sondern auch exemplarisch realisiert

Kulturelle Manifestationen veranschaulichen den Genuss, der aus der zweckfreien Befriedigung der menschlichen Sinne entstehen kann

Pragmatische Funktion

Kulturelle Manifestationen haben eine pragmatische Funktion, die das Beherrschen aller nichtsprachlichen Anteile der Kommunikation (beispielsweise mittels der Bildenden und der Darstellenden Kunst) einschließt

Dies betrifft einerseits die kritische Analyse des Bestehenden und gleichzeitig die Umsetzung der dabei erkannten Defizite in aktives Handeln

Realutopische Funktion

Kulturelle Manifestationen ermöglichen die Vorwegnahme zukünftiger gesellschaftlicher Praxis in der Form der Realisierung von Experimenten und Modellen (z. B. können im Theater oder in der Literatur gesellschaftliche Formen

dargestellt werden, die es in der Realität noch nicht gibt, aber geben könnte)

übergreifenden „human mental surplus“ sieht Bloch mehr als bloße Träume. Seine „konkreten Utopien“ bilden vielmehr den emotionalen, kulturellen und mentalen sozialen Untergrund jeder real existierenden Gesellschaft und das Reservoir der Potenziale ihrer Weiterentwicklung.

 
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