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4.4 Mäzenatentum

Kultur wird neben dem öffentlichen Bereich in erheblichem Maße auch durch Privatpersonen, die Wirtschaft, durch Stiftungen und andere Organisationen des privaten Rechts ohne Erwerbszweck finanziert.

Die Bezifferung ihres Beitrages ist schwierig, da nur die diejenigen Zuwendungen, die an unmittelbare öffentliche Kultureinrichtungen – also beispielsweise nicht an Fördervereine oder ähnliche private Unterstützungsorganisationen – fließen, in den öffentlichen Haushalten buchhalterisch zum Tragen kommen und damit genau nachgewiesen werden können. In diesem Bereich wurden 2009 unmittelbare Einnahmen in Höhe von 1,2 Mrd. € erzielt. Dies entspricht 14,15 € je Einwohner. Mit diesen Einnahmen finanzierten die öffentlichen Kultureinrichtungen 20,5 % ihrer Ausgaben.

Für ausgegliederte Kultureinrichtungen (z. B. Eigenbetriebe und GmbHs) können nur auf der Zahl dieser Einrichtungen und Analogien beruhende Zahlen genannt werden. Demnach ergeben sich nach vorsichtigen Schätzungen, die davon ausgehen, dass sich die Unterstützungsbereitschaft bei diesen Einrichtungen in

Abb. 4.1 Öffentliche und private Kulturfinanzierung 2009 in Mio. Euro. (© Eigene Graphik, Daten: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2012, S. 79)

derselben Höhe wie bei den öffentlichen bewegt – wogegen nach aller Erfahrung die private Bereitschaft zu Zuwendungen bei staatsferner organisierten Institutionen eher höher liegt – Ausgaben des privaten Bereichs in etwa nochmals derselben Größenordnung.

Rund neun Mrd. Euro öffentlicher Kulturfinanzierung stehen damit rund 2,3 Mrd. € privater Finanzierung gegenüber (vgl. Abb. 4.1).

Vollständig privat finanzierte Kultureinrichtungen (wie z. B. die Musicaltheater oder Rockkonzerte) bleiben bei dieser groben Schätzung unberücksichtigt.

Nach anderen Schätzungen beläuft sich die Kulturförderung durch Spender und Mäzene derzeit in Deutschland auf ca. 600 Mio. €, entsprechend etwa sieben bis acht Prozent des gesamten Kulturetats (Höhne 2009, S. 198).

Der Begriff „Mäzentatentum“ geht auf Gaius Maecenas (um 70–8 v. Chr.) zurück, der als Vertrauter des Kaisers Augustus vor allem die Dichter seiner Zeit (Horaz, Vergil u. a.) förderte.

Im Gegensatz zum Sponsoring, das auf Leistung und Gegenleistung beruht, sind Mäzenatentum und Spenden nicht an eine wirtschaftliche Gegenleistung gebunden, sondern zumindest grundsätzlich durch Altruismus, Idealismus und Selbstlosigkeit des Gebenden motiviert.

Die Initiative zum mäzenatischen Engagement geht – zumindest in der Regel – aus persönlichen Motiven vom Mäzen selbst aus. Dessen Wille und Fähigkeit, Teile seines Vermögens der Öffentlichkeit zu überlassen, sind das ausschlaggebende Moment. Mäzenatentum ist deshalb keine Form der aktiven Kulturfinanzierung (man kann kaum, wie etwa beim Fundraising, aktiv und professionell und das heißt letztlich lautstark um Mäzene werben) und das finanzielle Ergebnis ist kaum beeinflussbar. Wenn sich aber ein Mäzen findet, kann dessen Engagement durch den Kulturbetrieb selbst oder dessen Träger maßgeblich unterstützt und gefördert werden, etwa durch infrastrukturelle Vorleistungen (z. B. Ausweisung von Bauland, Zurverfügungstellung eines öffentlichen Gebäudes etc.) und administrative Flexibilität. Gerade an diesem Punkt sind immer wieder auch mäzenatische Schenkungen gescheitert, wenn beispielsweise über die Entgegennahme und Betreuung einer privaten Kunstsammlung kommunalpolitisch gestritten wurde.

Zum größten Aufschwung des privaten Engagements in der Kulturförderung führte die Entstehung großer Vermögen mit der Entwicklung der Industrie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die sozialen und moralischen Implikationen des Mäzenatentums ermöglichten es den Industriellen, zu ihrem neu erworbenen Reichtum eine entsprechende soziale Stellung hinzuzugewinnen. Philanthropisches Handeln und selbstbewusstes Verfolgen eigener gesellschaftlicher Ziele ließen sich im Mäzenatentum verbinden. In diesem Sinne kann „bürgerliches Mäzenatentum als Strategie der Umwandlung von Geld in Kulturprestige verstanden werden“ (Höhne 2009, S. 206).

Bis heute spielt das Prinzip des Tausches neben jeweils spezifischen subjektiven Motiven eine wichtige Rolle im mäzenatischen Handeln: Getauscht wird dabei vor allem „ökonomisches in soziales (oder kulturelles) Kapital. Der Tausch verliert aus dieser Perspektive seine rein monetäre Bedeutung und wird zum Bindeglied zwischen Ökonomie und Kultur. Der Schenkende schafft (…) ein Netzwerk sozialer, langfristig nützlicher Verpflichtungen. Im Rahmen dieser Überlegungen läßt sich auch das Verhältnis von Sammeln und Schenken einordnen. Beide Handlungsformen sind Strategien im Kampf um soziale und kulturelle Anerkennung“ (Frey 1999, S. 18).

Die häufigste Form des Mäzenatentums ist eine mehr oder minder große (im Allgemeinen in Deutschland weitaus kleinere als in den USA) Spende, die entweder allgemein einer kulturellen Einrichtung zur Verfügung gestellt oder einem bestimmten Zweck gewidmet wird. Eine Spende kann in verschiedenen Formen erfolgen:

• Geldspende

• Sachspende – beispielsweise Geräte und Ausrüstungsgegenstände (z. B. für die Restaurierungswerkstatt eines Museums) oder Kunstwerke bis hin zu ganzen Sammlungen

• Aufwandsspende – beispielsweise Nutzung des Eigentums des Spenders durch Dritte (z. B. Überlassung von Räumen für eine Veranstaltung) oder Leistungen, die unentgeltlich durch den Spender erbracht werden (z. B. Arbeitsleistungen eines Mitglieds im Förderverein)

Als Hemmnis für das Mäzenatentum erweist sich immer wieder, dass Spenden in Deutschland – im Gegensatz zu den USA, wo ein viel größerer Rahmen der Absetzbarkeit gilt – nur zu einem Teil steuerlich geltend gemacht werden können. Zwar werden für eine Verbesserung der steuerlichen Bedingungen des Mäzenatentums vor allem durch die Konferenz der Kultusminister der Länder regelmäßig Vorstöße unternommen. Deren Erfolgsaussichten bleiben allerdings angesichts der Situation der öffentlichen Kassen auch in den nächsten Jahren eher gering.

Kunstmuseen und Kunstsammler haben grundsätzlich verschiedene Ansätze und Arbeitsweisen. Während ein Kunstmuseum eine langfristige – im Idealfall über Jahrhunderte – kunstwissenschaftliche Systematik und Schwerpunktsetzung nach Epochen, Schulen oder Gattungen pflegt, arbeitet ein Sammler nach seinen individuellen Vorlieben. Aus einer möglichen Kooperation ergibt sich deshalb ein Tableau von Chancen und Risiken, das analog auch für das Mäzenatentum in anderen Kulturbereichen gilt (vgl. Tab. 4.2).

Als spezifische Art der Unterstützung vor allem für Bildende Künstler gehört auch das Corporate Collecting eher zu den Formen des Mäzenatentums, obwohl es auch Aspekte des Sponsorings aufweist: Unternehmen bauen als Teil der Unternehmenskommunikation Kunstsammlungen auf (z. B. Sammlung Deutsche Bank, Daimler Kunstsammlung), um gesellschaftliche Verantwortung zu dokumentieren. Dieser Kommunikationsprozess bezieht sich sowohl auf das allgemeine und spe-

Tab. 4.2 Chancen und Risiken einer Kooperation für Sammler und Museen. (Quelle: Höhne 2009, S. 209)

Chancen für Museen

Risiken für Museen

Erschließung zeitgenössischer Kunst durch Sammler

Verlust des inhaltlichen Zusammenhanges der Sammlung

Erhöhung der Aktualität und Attraktivität der Sammlung

Mitbestimmungsbedürfnis der Sammler

Finanzielle Entlastung

Öffentliche Präsentation privater Kunstwerke

Chancen für Sammler

Risiken für Sammler

Kunstwissenschaftliche Kontextualisierung der Sammlung

Verlust der Verfügungsgewalt

Anerkennung für kulturelle Leistungen

Unzureichende Präsentation der Sammlung (z. B. nur eines Teils der Sammlung, während die übrigen Werke ins Depot kommen)

Konservatorische Betreuung der Sammlung

Finanzielle und ideelle Wertsteigerung der Sammlung

zifische Erscheinungsbild des Unternehmens als auch auf die Werte und Denkweisen, die die Kunst visualisieren soll. Darüber hinaus soll durch die Kunst an die Motivation und Identifikation der eigenen Mitarbeiter appelliert werden. Die im Bereich des Corporate Collecting engagierten Unternehmen haben sich innerhalb des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft zu einem „Arbeitskreis Corporate Collecting“ (ACC) als Austauschund Beratungsplattform zusammengeschlossen und ein gemeinsames Positionspapier zu ihrer Arbeit herausgegeben kulturkreis.eu/images/stories/downloads/acc/acc_positionspapier.pdf – Zugriff 21.12.2014).

 
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