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4 Zusammenfassung aus Sicht der Paradigmen

Unter Verwendung des Instruments der Faktorenübersicht (Abbildung 4) ergibt sich zusammenfassend folgendes Problemgemenge im Bereich der Sozialen Arbeit. Die dabei genannten Faktoren sind oft paradigmenübergreifend, damit diese jedoch diskutiert werden können, wurden sie in ihrer Hauptwirkungsweise den einzelnen Paradigmen zugeordnet.

4.1 Structional Strains Ansatz

Die Auswirkungen der Ökonomisierung haben bereits zu deutlichen Folgen für die Arbeitsleistungserbringer geführt. Angesichts der wachsenden Umsatzund Gewinnerwartungen werden diese in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Mit den sich erhöhenden Gewinnen wird sich ebenfalls die Prekarisierung erweitern, welche immer stärker Anlass geben wird sich zu mobilisieren. Insofern kann der Anlass für Proteste und eine soziale Bewegung als gegeben erachtet werden (Kap. 2.3.1). Die Deprivationserfahren werden demnach weiter zunehmen, jedoch ist die Nachteilswahrnehmung getrübt durch die flächendeckende Prekarisierung aller Berufsgruppen in Deutschland, da sich diese im Vergleich nicht stark voneinander Unterscheiden und viele weitere Berufsgruppen betroffen sind.

Die zweite Ebene des Ansatzes beschreibt die sozialstrukturelle Basis als Bedeutsam. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit die Menschen verunsichert sind aufgrund der Prekarisierung und der damit verbundenen existenziellen Ängste vor dem sozialen Abstieg. Die Orientierung der Betroffenen fällt dabei oft auf andere Berufsgruppen, in denen die Arbeitsbedingungen noch prekärer sind, und sie sind von daher bereit die eigene Prekarisierung eher hinzunehmen, da diese in Gänze noch nicht ganz zu vergleichen ist mit denen in anderen Berufen. Dieser Vergleich der Berufsgruppen untereinander hat eine Abwärtsspirale zur Folge, welche sich fortlaufend an den noch schwächeren Berufsgruppen orientiert. Die flächendeckende Prekarisierung aller Berufsgruppen, wird dadurch zu einem sich selbst begünstigenden Prozess, bei dem die ArbeitsleistungserbringerInnen glauben, im Vergleich noch relativ gute Arbeitsbedingungen zu haben. Auf individueller Ebene ist darüber hinaus auch von Bedeutung, ob die Personen daran glauben, dass sich etwas durch Proteste verändert. Hinzu kommt in dieser Berufsgruppe eine grundlegende Zufriedenheit durch die Sinnhaftigkeit mit der eigenen Arbeit, welche im Gegensatz zur Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen steht und eine teilweise negierende Wirkung haben könnte, wenn hierbei nicht ausreichend differenziert wird. Hinsichtlich der Protestbereitschaft von Personen findet in der sozialen Arbeit darüber hinaus, eine starke Auslese statt, wer überhaupt Soziale Arbeit studieren darf. Der Numerus clausus in diesem Studium, welcher vergleichbar ist mit Jura, Medizin oder Psychologie (siehe EHB, ASH, KHSB, HTWK-Leipzig etc.), verlangt eine hohe Konformität an das bestehende System als Voraussetzung für das Studium. Gleichzeitig hat es eine Konformität an das bestehende System zur Folge, welches erlerntermaßen, als „gut“ und „richtig“ empfunden wird und somit die individuelle Protestbereitschaft ebenfalls beeinflusst. Aus der Geschichte von Sozialer Arbeit geht zudem hervor, dass in dieser Berufsgruppe stets eine hohe ideelle Überzeugung vorlag (Kap. 2.1.1), welche schon immer der Gefahr ausgesetzt war, ausgenutzt zu werden. Dabei könnte der Umstand, dass es sich hinsichtlich der sozialstrukturellen Mobilisierungsbasis um eine gesamte Profession von Helfenden und Unterstützenden handelt, zu einer wichtigen Ressource werden.

 
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