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2.1 Entwicklungsursprünge der Sozialen Arbeit

Bei der Betrachtung der Beziehungen zwischen Sozialer Arbeit und sozialen Bewegungen wurde die sozialpolitische Vergangenheit deutlich, welche permanent in der Ausübung von SozialarbeiterInnen zum Ausdruck kommt und einen wesentlichen Teil der Profession ausmacht. Die Bedeutung dieser Vergangenheit ist, bedingt durch den Handlungsrahmen der Sozialgesetzgebung, für die Soziale Arbeit hoch aktuell. Die Vernachlässigung der Thematisierung um die politische Dimension von Sozialer Arbeit hat eine unkritische und unpolitische Soziale Arbeit zur Folge, wie im Folgenden verdeutlicht wird. Dabei wird unter anderem die Kritikfähigkeit an aktuellen gesellschaftlichen Problemlagen gehemmt und dadurch die Herausbildung einer sozialen Bewegung erschwert. Dieser Entwicklungsursprung ist jedoch historisch betrachtet nur einer von zwei Ursprüngen, welche die aktuellen sozioökonomischen Verhältnisse und damit die Faktoren für eine Herausbildung einer sozialen Bewegung in dieser Berufsgruppe maßgeblich beeinflussen. Diese zwei wesentlichen Entwicklungsursprünge werden im Weiteren als „Mildtätigkeit und Barmherzigkeit“ sowie „Stabilisierung und Sicherung“ bezeichnet und sollen im Folgenden näher konkretisiert werden.

2.1.1 Entwicklungsursprung I – Mildtätigkeit und Barmherzigkeit

„Ein Studium der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, das geschichtslos vermittelt wird … bleibt weitgehend nur an der Oberfläche seiner Professionalisierung“ (Zeller, 1994, zit. n. Schilling, 2012: 16) und würde zentrale Folgen der damals wie heute bestimmenden Faktoren, bedingt durch die Entwicklungsgeschichte, vernachlässigen. Die Geschichte der organisierten sozialen Tätigkeitsbereiche geht historisch mindestens bis auf das 12. Jahrhundert zurück, mit seinem Almosenwesen im Mittelalter. Im 14. bis 16. Jh. Entwickelte sich das Almosenwesen weiter zur Armenpflege in der Neuzeit bis zum Ende des Absolutismus und Beginn der Aufklärung. Im 19. Jh. wandelte sich die Armenpflege in eine Armenfürsorge zur Zeit der Industrialisierung (in Deutschland, in anderen Teilen Europas bereits früher, z. B. England im 18. Jh.).

Mit Beginn des 20. Jh. begann die Professionalisierung in diesem Bereich. So wurde zunächst aus der Wohlfahrtspflege die Sozialpädagogik und Sozialarbeit und später die „Soziale Arbeit“ (Schilling, 2012). Im Brockhaus wird „Sozialarbeit“ und „Sozialarbeiter“ folgendermaßen definiert:

Sozialarbeit: „historisch in der Nachfolge von Armenhilfe, Fürsorge und Wohlfahrtspflege entstandener Begriff, dem lange diejenigen beruflichen Tätigkeiten zugeordnet wurden, mit denen Menschen in bes. schwierigen Lebenssituationen materiell, d. h. durch Geld und Sachleistungen, unterstützt werden. Die Ursprünge der Sozialarbeit liegen in den ehrenamtlichen Tätigkeiten der spätmittelalterlichen Armenpfleger … Heute werden die sozialen Tätigkeiten, die sich historisch aus sozialpädagogischen und fürsorglichen Handlungsfeldern entwickelt haben, unter der einheitlichen Bezeichnung

"soziale Arbeit" zusammengefasst“. (Zwahr, 2006: 585 ff.)

Sozialarbeiter: „i. e. S. Absolvent einer Fachhochschule für Sozialarbeit; das Studium ist ähnlich aufgebaut wie das zum "Sozialpädagogen". I. w. S. jeder, der eine berufliche Tätigkeit im Bereich der "sozialen Arbeit" ausübt“. (Zwahr, 2006: 586)

In dieser Entwicklungsgeschichte waren die Aufsuchenden von jeher vor allem männlich und die Fürsorge in erster Linie weiblich (Sachße, 2011). Bedingt durch diese Geschichte, ist die Soziale Arbeit immer geprägt gewesen von:

§ Ehrenamt,

§ einer Feminisierung

§ und einer zentralen Klientenzentrierung.

Diese Faktoren bestimmen nach wie vor die aktuelle Entwicklung der sozialen Arbeit und die Erwartungen der Beteiligten auf beiden Seiten (die SozialarbeiterInnen und die Gesellschaft). Deutlich wird dies in Kapitel 3.2, zusammen mit den resultierenden Folgen für die Herausbildung einer sozialen Bewegung.

 
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