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4 Ergebnisse

Im nachfolgenden Ergebnisteil werden zunächst die Korrelationen der Merkmale in den einzelnen Kohorten beschrieben und für das Passungskonstrukt die Assoziation mit inhaltlich verwandten Konstrukten ausgewiesen (Validierung). Anschliessend wird überprüft, ob die erfassten Merkmale über die drei Kohorten hinweg inhaltlich vergleichbar sind. In einem dritten Auswertungsteil erfolgen Analysen zur Beziehung zwischen den Merkmalen der Entscheidungsfindung und der Passungswahrnehmung.

4.1 Merkmalsbezogene Charakterisierung der Kohorten

Die erfassten Merkmale sind in allen Kohorten untereinander gering bis teilweise mittelstark miteinander korreliert. Die Zusammenhangsmuster erweisen sich, bis auf eine Abweichung in der dritten Kohorte, in allen Kohorten gleich (vgl. Tab 2). In der ersten und zweiten Kohorte ist die Informationssuche mit der Entscheidungsverzögerung positiv assoziiert [Kohorte 1: r(457) = .10, p < .05; Kohorte 2: r(582) = .06, p < .05]. In der dritten Kohorte ist diese Verbindung negativ [Kohorte 3: r(143) = -.26, p < .05]. Alle anderen Zusammenhänge zeigen in allen Kohorten die gleiche Richtung, wobei auf den mittelstarken Zusammenhang des Merkmals „Anstreben eines idealen Berufs“ mit der „Informationssuche“ in der zweiten Kohorte [Kohorte 2: r(582) = .46, p < .05], bzw. auf eine ebenfalls mittelstarke negative Assoziation zwischen der „Entscheidungsverzögerung“ und der „Passungswahrnehmung“ in der dritten Kohorte hinzuweisen ist [Kohorte 3: r(143) = -.37, p < .05].

Tabelle 2 Kohortenspezifische Korrelationen zwischen den erfassten Merkmalen.

Im nächsten Schritt wird versucht, das im einleitenden Teil beschriebene Passungsverständnis, vor allem jedoch dessen Bezug zur Identitätskonzeption, anhand zweier Konzepte empirisch korrelativ zu validieren. Dazu wird einerseits die Wahrnehmung einer beruflichen Kontinuität in den Blick genommen. Berufliche Kontinuität meint, dass sich Menschen über die Zeit im Kontext ihrer berufsbiografischen Entwicklung als Einheit verstehen (Neuenschwander, 1996). Eine hohe Ausprägung bedeutet, dass ihre beruflichen Entscheidungen die Fortsetzung ihres Entwicklungsprozesses ermöglichen. Wie in der Tabelle 3 ersichtlich ist, besteht über die drei Kohorten hinweg ein wesentlicher Zusammenhang zwischen der Kontinuitätswahrnehmung und der Ausprägung der Passungswahrnehmung. Diese Passungswahrnehmung betrifft also auch die Wahrnehmung der Jugendlichen, eine konzise berufliche Entwicklung zu schaffen (vgl. Tab. 3).

Tabelle 3 Passung, Kontinuitätswahrnehmung und Engagement; korrelative Beziehungen.

Der Zusammenhang der Passungswahrnehmung mit dem zweiten Identitätsaspekt, dem Engagement und der Verbundenheit mit Ausbildung und Beruf (Commitment), ist schwächer. Dieser Aspekt bezeichnet eine Art Arbeitsethos, das den Wert der Arbeit für das eigene Leben betont und diesen Wert in den eigenen Lebensvollzug integriert. Auch dieses Konzept ist mit dem hier vorgestellten Passungsverständnis verbunden, jedoch in allen Kohorten deutlich weniger eng als die Wahrnehmung einer beruflichen Kontinuität. In der dritten Kohorte ist diese Korrelation nicht signifikant (vgl. Tab. 3). Diese korrelativen Beziehungen zeigen, dass ins vorliegende Passungsverständnis Engagement und betriebliche Eingebundenheit einfliessen. Insgesamt hängt das hier vorgestellte Passungswahrnehmung weniger mit dem Engagement und der Verbundenheit mit dem Beruf, als vielmehr mit dem Ermöglichen einer Kontinuitätserfahrung zusammen.

 
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