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2.4 Prognose des objektiven Ausbildungserfolgs, gemessen an den Ausbildungsabschlussnoten

Zwar wurden bereits knapp 50 Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung identifiziert und von Häfeli und Schellenberg (2009, S.7ff.) in einem Literaturüberblick unter Berücksichtigung der drei Handlungsebenen in die sieben Einflussbereiche Person, Familie, Schule und Lehrpersonen, Betrieb und Berufsbildende, Beratungs- und Interventionsangebote, Freizeit und Peers und Gesellschaft gruppiert. Eine Prognose der Ausbildungsqualifikation in der dualen Ausbildung fand allerdings spärlich statt (vgl. Velten & Schnitzler, 2011, S. 45). Für Inputfaktoren auf der Mikroebene konnte gezeigt werden, dass der objektive Ausbildungserfolg mit den durchschnittlichen Schulabschlussnoten des vorangegangenen Bildungsabschlusses vorhergesagt wird (vgl. Velten & Schnitzler, 2011, S. 47), wobei höhere Zusammenhänge mit den theoretischen Abschlussnoten gefunden wurden (vgl. Baron-Boldt, Schuler & Funke, 1988). Eignungsdiagnostische Studien identifizieren zusätzlich zu den Schulnoten die Indikatoren allgemeine Intelligenz, fachspezifisches Vorwissen, mathematische Kenntnisse, Lesekompetenz und Gewissenhaftigkeit als einflussreich für die Lehrabschlussnoten (vgl. Abele & Nickolaus, 2009).

Wie bereits angedeutet, konnten für Persönlichkeitsdimensionen substantielle Zusammenhänge mit der beruflichen Leistung nachgewiesen werden (vgl. Barrick & Mount, 1991), wobei sich Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität als die validesten Merkmale zur Vorhersage beruflicher Leistung erwiesen haben (vgl. Barrick, Mount & Judge, 2001). Befunde, inwiefern die Persönlichkeitsdimensionen den objektiven Ausbildungserfolg in der dualen Berufslehre prognostizieren, liegen derzeit nicht vor. Ebenfalls unklar ist, inwiefern der sozioökonomische Hintergrund den objektiven Ausbildungserfolg beeinflusst.

Für Prozessfaktoren konnte gezeigt werden, dass das globale Interesse an den Inhalten des Ausbildungsberufs (vgl. Beck, 2000, S. 27) und das Lernendenmerkmal Hoffnung (vgl. Wandeler, Lopez & Baeriswyl, 2011, S. 140) einen Einfluss auf die Abschlussnoten haben. Weiter ist anzunehmen, dass wie auch in anderen Bildungsinstitutionen, individuelle Schülermerkmale wie unterschiedliche Erwartungs- und Wert-Komponenten, Lernmotivation, Selbstwirksamkeitserwartung, Attributionsstil, Kontrollüberzeugungen, erreichte Lernerfolge vor und während der Ausbildung, familiäre Lernumwelten aber auch die Peers (vgl. Schrader & Helmke, 2008, S. 287) massgeblichen Einfluss auf den Lernerfolg während der Berufslehre und somit auch auf den objektiven Ausbildungserfolg haben.

Neben den individuellen Faktoren auf der Mikroebene sind auch kontextuelle Faktoren der Mesoebene für den Ausbildungserfolg der Lernenden relevant. Auf der Seite des Ausbildungsbetriebs konnte gezeigt werden, dass betriebliche Bedingungen während der Berufslehre eine wesentliche Rolle bei Lehrvertragsauflösungen, bei der Arbeitszufriedenheit und dem beruflichen Engagement spielen (vgl. Häfeli & Schellenberg, 2009, S. 98). Somit ist anzunehmen, dass unterschiedliche Ausbildungsbetriebsfaktoren (z.B. Betriebsorganisation, Betriebsgrösse, Ausbildungsintentionen und Ausbildungs- und Betreuungsqualität) den objektiven Ausbildungserfolg der Lernenden massgeblich beeinflussen können. Auf der Seite der ausbildenden Berufsfachschulen ist diese Beeinflussung des objektiven Ausbildungserfolgs zum Beispiel durch das Betreuungsverhältnis, die Klassenzusammensetzung, die Unterrichtsqualität oder die Lehrkompetenz ebenfalls naheliegend.

Zu guter letzt lassen sich vielfältige kontextuelle Faktoren, die auf der Makroebene den objektiven Ausbildungserfolg beeinflussen, identifizieren. So haben geburtenstarke Jahrgänge, allgemeine Wirtschaftslage, branchenspezifische Faktoren wie Fachkräftemangel respektive -überschuss und kantonale sowie regionale Bildungsstrukturen einen massgeblichen Einfluss auf die Berufslaufbahn von Heranwachsenden und wahrscheinlich auch auf den objektiven Ausbildungserfolg in der dualen Berufslehre (vgl. Häfeli & Schellenberg, 2009, S. 108f.). Allerdings spielen diese Einflüsse der Makroebene auf den objektiven Ausbildungserfolg der Lernenden für die vorliegende Untersuchung keine zentrale Rolle, weil nur Daten eines Abschlussjahrgangs zur Verfügung stehen. Deshalb wird diese Handlungsebene im Folgenden nicht weiter thematisiert.

 
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