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3.3 Vorgehen, Material und Untersuchungen

Das Material der ersten Erhebung bestand aus halb-strukturierten Interviews. Die gesamten Protokolle der Gespräche wurden einer thematischen Inhaltsanalyse unterzogen (Bardin, 1986). Dabei wurde deduktiv und induktiv vorgegangen. Über die Untersuchung der Gründe hinaus, die zu einer vorzeitigen Lehrvertragsauflösung geführt haben, haben diese Analysen den Prozess verdeutlicht. Für die zweite Erhebung wurden halbstrukturierte Interviews geplant. Die Rücklauflaufquote lag bei 30% (N=16). Unter Berücksichtigung unserer besonderen Stichprobe (hohe Mobilität) handelt es sich dabei aus unserer Sicht um ein gutes Ergebnis. Darüber hinaus wurden Daten auf zwei komplementären Wegen erhoben: Mit einem Fragebogen (N=6) und mit Hilfe einer Durchsicht der administrativen Dossiers (N=20). Nach Prüfung der Informationen, die mit Hilfe der Interviews gesammelt wurden, scheint es bei diesem Schritt keine Verzerrungen zu geben. Die Situationen der Personen, die wir nicht interviewen konnten, unterscheiden sich nicht von den Situationen der Personen, die wir für ein Gespräch getroffen haben.

Die halb-strukturierten Interviews haben detaillierte Informationen über die aktuelle Situation von 16 Jugendlichen, über ihre Wege zwischen der Lehrvertragsauflösung und dem Zeitpunkt des zweiten Gesprächs und über ihr subjektives Erleben des Übergangs geliefert. Die Fragebögen (N=6) haben den Erhalt von ähnlichen, aber eher Fakten bezogenen Informationen ermöglicht. Die Durchsicht der individuellen administrativen Dossiers (N=20) hat faktische Informationen geliefert (Wiederaufnahme der Ausbildung, erneute Lehrvertragsauflösung etc.), jedoch keine über die Situation nach der Ausbildung. Unsere grösste Schwierigkeit bestand im Umgang mit diesen besonders heterogenen Daten.

3.4 Ein heterogenes und komplexes Datenmaterial

Trotz der Heterogenität der Daten konnten verschiedene Analysen durchgeführt werden. Eine thematische Inhaltsanalyse hat es ermöglicht, den Prozess, der zu einer Lehrvertragsauflösung führt, zu erfassen und ihre Ursachen nachzuvollziehen. Sie hat es ausserdem ermöglicht, diese Ursachen im Hinblick auf den Übergang zu betrachten. Eine deskriptive Analyse hat zu einem detaillierten Bild von der Situation der Jugendlichen vier Jahre nach der Lehrvertragsauflösung geführt und es ermöglicht, ihre Wege seit der Lehrvertragsauflösung bis zur zweiten Datenerhebung nachzuvollziehen. Die thematische Inhaltsanalyse hat auch ein präzises Abbild der Wege der 16 Jugendlichen sowie ihres Standpunktes bezüglich ihrer Erfahrungen geliefert.

Unser Interesse liegt in der qualitativen Längsschnittbetrachtung, die es ermöglicht, diese Wege zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie sich zusammensetzen und inwiefern sie sowohl mit Blick auf das generelle Phänomen des Übergangs Schule-Arbeit als auch mit Blick auf den dort stattfindenden Prozess der beruflichen Sozialisation aufschlussreich sind. Der neu aufgeworfenen Frage, mit der Übergangsphasen als Raum der Sozialisation aufgefasst werden, nähern wir uns mit Hilfe der Rekonstruktion der verfolgten Wege (siehe Abbildung 1), vor allem aber auch mit Hilfe der Inhaltsanalyse an, welche die Ereignisse thematisiert, die diese Zeiträume kennzeichnen. Die Ergebnisse wurden der Literatur gegenübergestellt, welche die Eingliederung und die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt thematisiert (Nicole-Drancourt & Roulleau-Berger, 2002; Paugam, 2000).

 
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