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4 Empirische Befunde

Die empirische Analyse erfolgt in zwei Schritten. Im ersten Schritt wird die Berufsaspiration der Jugendlichen in der 8. Klasse in der Weise untersucht, wer von den Jugendlichen aus welchen Gründen typische „Frauenberufe“ oder „Männerberufe“ präferiert. Im Übergang zum zweiten Analyseschritt steht die Frage im Vordergrund, ob solche geschlechtsspezifische Berufsaspirationen sowohl den intergenerationalen Statuserhalt befördern als auch die Berufsausbildung auf SekII-Stufe erzwingen. In einem zweiten Schritt erfolgt die empirische Modellierung der Berufsbildungsentscheidung unter besonderer Berücksichtigung ihrer Mechanismen und der horizontalen Segregation nach Geschlecht.

4.1 Geschlechtstypische Berufsaspirationen

Um die Frage theoriegeleitet zu klären, wer von den Mädchen bzw. Knaben die als „Frauen- und Männerberufe“ definierten Wunschberufe aus welchen Gründen noch in der 9. Klassenstufe präferiert, wurden getrennte Schätzungen nach Geschlecht vorgenommen. [1] Kurz vor Ende der Pflichtschulzeit lässt sich keine herkunftsbedingte Selektivität – nach höchstem Bildungsniveau und Klassenlage des Elternhauses – für die Mädchen bei der Aspiration für so genannte Frauenberufe feststellen. Dies trifft auch auf die Knaben zu. Wie theoretisch erwartet, erhöhen Berufswünsche, die eine Berufsausbildung voraussetzen – bei beiden Geschlechtern – die Wahrscheinlichkeit, dass ein geschlechtsspezifischer Beruf präferiert wird. Bei den Knaben deutet sich zudem an, was mit der humankapitaltheoretischen Sicht kompatibel ist, dass sie „Männerberufe“ mit guten Weiterbildungsmöglichkeiten als nützliche Berufsziele präferieren, die auch eine Berufsmaturität erfordern. Im Unterschied zu den Knaben wählen die Mädchen offensichtlich „Frauenberufe“, weil sie davon ausgehen, diese erfolgreich erlernen und ausüben zu können (vgl. die Beiträge von Schafer und Baeriswyl sowie von Hofmann und Häfeli in diesem Band). Bei zunehmender Gewichtung des beruflichen Erfolgs entscheiden sich Mädchen gegen einen „Frauenberuf“. Interessant ist der Befund, wonach Frauen, die einen Berufswunsch haben, der einen tertiären Bildungsabschluss voraussetzt, mit geringerer Wahrscheinlichkeit einen „Frauenberuf“ präferieren.

Die Ergebnisse verweisen darauf, dass die in der Schweiz bestehende, hohe Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt in engem Zusammenhang steht mit dem Angebot der beruflichen Bildung und dem Anteil einer Schulabgangskohorte, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheidet. Die Berufsaspirationen stehen demnach eher mit Bildungsaspirationen in Zusammenhang als mit Geschlechterrollenorientierungen. Entgegen einer Vielzahl von Studien, die aus sozialisationstheoretischer Sicht die Bedeutung von Geschlechterrollen für geschlechtsspezifische Berufswahlen betonen, spielt für die hier untersuchten Mädchen die Wichtigkeit der Berufstätigkeit der Frau, der Einkommensmaximierung, des beruflichen Erfolgs, der Familienbildung sowie der Versorgung des Haushaltes keine exponierte Rolle für die Wahl eines „Frauenberufs“. Dies trifft auch auf die Knaben zu.

  • [1] Aus Platzgründen wird auf die Abbildung der Ergebnisse verzichtet. Auf Wunsch werden die Ergebnisse von den Autoren zur Verfügung gestellt.
 
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