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Jugendrevolten in Europa

Gewalt und zerstörerische Wut als flüchtige Handlungsermächtigung

Arne Schäfer und Matthias D. Witte

In den letzten Jahren haben zahlreiche Jugendproteste die europäischen Metropolen erschüttert . Die Gestalt des Protestes hat vielfältige Ausdrucksformen angenommen und wurde von unterschiedlichen Bevölkerungsschichten getragen . Der Beitrag „Jugendrevolten in Europa“ ergründet die Motive der Jugendlichen und beleuchtet die sozialen Hintergründe der Ausschreitungen exemplarisch an Vorkommnissen in England (2011) und Schweden (2013), bei denen Jugendliche aus armen, segregierten Stadtvierteln für schwere Unruhen gesorgt und tagelang einen gesellschaftlichen Ausnahmezustand erzeugt haben .

1 Einleitung

In den letzten Jahren haben zahlreiche Jugendproteste die europäischen Metropolen erschüttert . Die Gestalt des Protestes hat vielfältige Ausdrucksformen angenommen und wurde von unterschiedlichen Bevölkerungsschichten getragen . In England und Schweden haben Jugendliche aus armen, segregierten Stadtvierteln für schwere Unruhe gesorgt und tagelang einen gesellschaftlichen Ausnahmezustand erzeugt . Was sind die Motive der Jugendlichen? [1] Wie lassen sich die Jugendriots erklären? Was sind die sozialen Hintergründe der Ausschreitungen? Zunächst beleuchten wir die Jugendrevolten in England, die sich im August 2011 zu landesweiten Krawallen ausbreiteten und als schlimmste Unruhen seit über 20 Jahren gelten . Danach richten wir den Blick nach Schweden . Im Mai 2013 randalierten vor allem jugendliche Immigranten aus unteren sozialen Schichten im vermeintlichen Wohlfahrtsparadies Schweden . Sowohl die Proteste in England als auch in Schweden sind Ausdruck von Spaltungsprozessen, die die westlichen Gesellschaften durchziehen . Abschließend rekonstruieren wir die Mechanismen, die zu einer Eskalation der Gewalt beitragen .

  • [1] Uwe Sander war Projektleiter des von der DFG finanzierten Drittmittelprojektes "Motivstrukturen jugendlicher Globalisierungskritiker – Eine quantitativ-statistische Typologie" (Laufzeit 2007-2008), in dem wir mitgearbeitet haben . Ziel des Projektes war die statistische Erfassung der Motivstrukturen von jugendlichen Globalisierungskritikern . Dazu wurden insgesamt 3 .578 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren befragt, die an Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm bei Rostock im Juni 2007 teilnahmen . Mittels clusteranalytischer Auswertungsverfahren wurde eine Typologie der Motivstrukturen der jugendlichen Demonstranten erstellt . Dieses Projekt war der Startschuss für unsere Beschäftigung mit Jugendprotesten in Europa .
 
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