Desktop-Version

Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Methoden der empirischen kommunikationsforschung

< Zurück   INHALT   Weiter >

13.4 Unabhängige und abhängige Variablen

Bei wissenschaftlichen Experimenten unterscheidet man grundsätzlich zwischen unabhängigen Variablen, die aktiv vom Forscher verändert werden, und den abhängigen Variablen, mit deren Messung eine Veränderung beobachtet werden soll. Im Beispiel ist das Rauchen bzw. Nichtrauchen die unabhängige Variable, das Auftreten von Lungenkrebs die abhängige. In der Kommunikationsforschung sind die unabhängigen Variablen häufig variierte Medieninhalte, im Prinzip kann aber jeder Sachverhalt, den der Forscher manipuliert, unabhängige Variable [1] sein:

• Filmsequenzen,

• Werbespots,

• Kleidung eines Versuchsleiters,

• Raumausstattungen usw.

Ein konkretes Beispiel für eine unabhängige Variable in der Kommunikationswissenschaft wäre die Bebilderung von Fernsehnachrichten. Wir wollen feststellen, ob Bilder die Informationsaufnahme bei Nachrichten fördern oder eher vom Nachrichtentext ablenken. Einer Gruppe von Versuchspersonen wird eine Nachricht mit Fernsehbildern (Bebilderung ja) präsentiert, einer in ihren Merkmalen identischen Gruppe werden die Nachrichten ohne Bilder (Bebilderung nein) gezeigt. Die abhängigen Variablen sind Merkmale, deren Veränderung gemessen wird. In unserem Beispiel könnte das die Erinnerung an die Inhalte der Nachrichten sein. Diese würde im Anschluss an die Präsentation gemessen, so dass damit unsere Forschungsfrage beantwortet werden könnte. In der Kommunikationswissenschaft sind diese abhängigen Variablen üblicherweise Urteile, Einstellungen, Wissen oder Verhaltensweisen von Menschen, im Zusammenhang mit Experimenten auch Versuchspersonen genannt. Merkmale, deren Veränderung beobachtet wird, könnten sein:

• Aggressionspotential,

• Gehorsam,

• Erinnerung,

• Einstellung gegenüber Fremden usw.

13.5 Störvariablen

Störvariablen sind all jene Einflussfaktoren, die die abhängige Variable ebenfalls beeinflussen und im Ablauf eines Experiments unkontrolliert auftreten. In jedem Fall beeinträchtigen sie das generelle Ziel von wissenschaftlichen Experimenten, nämlich, einen kausalen Zusammenhang zwischen Ursache (z. B. Bebilderung) und Wirkung (z. B. Erinnerungsleistung) zu identifizieren. Störvariablen sind Sachverhalte oder Merkmale, die durch die Zusammensetzung der Versuchspersonen, die Durchführung des Experiments oder den Messvorgang bedingt sein können. Ziel eines jeden Experiments ist es deshalb, die Wirkung von Störvariablen entweder zu neutralisieren oder aktiv in die Untersuchung einzubeziehen. Das setzt allerdings voraus, dass man die Störvariable kennt und sie dann als zusätzliche unabhängige Variable ins Untersuchungsdesign einfügen kann. Störvariablen könnten in unserem Beispiel zu Fernsehnachrichten darin bestehen, dass 1) sich die beiden Versuchsgruppen nicht völlig gleichen (in der einen sind beispielsweise mehr Personen, die regelmäßig Nachrichten sehen), 2) während der Untersuchung der einen Gruppe ein Handwerker den Raum betritt und die Versuchspersonen ablenkt oder 3) der Fernseher aussetzt, so dass die Nachrichten unterbrochen wurden.

  • [1] Unabhängige Variablen werden in der Literatur auch als Treatment oder als Stimulus bezeichnet
 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics