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6.4 Vertiefung 1: Telefonisches Interview mit Computerunterstützung

Nachdem zuvor ein Überblick über die verschiedenen Befragungsmodi und die wichtigsten Kriterien des Einsatzes gegeben worden ist, soll das Telefoninterview noch etwas genauer dargestellt werden – gerade wegen seiner Praxisrelevanz in der angewandten Sozialforschung. Die Überbrückung geografischer Distanzen und die Computerunterstützung bei der Befragung, Datenverarbeitung und Ergebnispräsentation sind die wesentlichen Merkmale dieses Befragungstyps: dem Computer Assisted Telephone Interview (CATI).

6.4.1 Der elektronische Fragebogen

Wie schon im letzten Kapitel angedeutet, birgt der Einsatz eines Fragebogens diverse Fehlerquellen bei der Datenerhebung und -weiterverarbeitung. Einen Fragebogen korrekt und vollständig auszufüllen, hört sich leichter an, als es ist. Häufig fällt dann erst bei der Datenbereinigung auf, dass manche Antworten gar nicht oder nur unvollständig ausgefüllt sowie Filteroder Trichterfragen nicht korrekt beachtet wurden. Derartige Fehler machen einen Fall unbrauchbar – das kostet Zeit und Geld und mindert die Qualität der Stichprobe. Gerade in der Verhinderung dieser Fehler liegt die große Stärke der Computerunterstützung, denn der Fragebogen liegt in diesem Fall als Datei vor. Genauso wie bei der konventionellen Form erhält der Interviewer seine Anweisungen schriftlich – allerdings mit dem Unterschied, dass er in der Papierform trotz aller Anweisungen Fehler machen konnte, die ihm nun der Computer nicht gestattet. Die Programmierung läuft so, dass etwa bei Filterführungen der Interviewer bei bestimmten Antworten automatisch zur „richtigen“ nächsten Frage geleitet wird und der Ablauf der Befragung nur dann weitergeht, wenn er die vorherige Antwort des Befragten korrekt eingegeben hat. Auch falsche Eingaben akzeptiert das Programm nicht und bittet den Interviewer, einen korrekten Wert einzugeben.

Neben der Vermeidung von Fehlern unterstützt die Technik auch die Rotation von Itembatterien. Unter dem Stichwort Primacy-/Recency-Effekte wurde beschrieben, dass die Erinnerung nachweisbar eher an erstund letztgenannten Items (etwa Titeln von Zeitschriften) hängen bleibt als an denen in einer Mittelposition. In Faceto-Face-Befragungen ist der Interviewer deshalb angehalten, solche Vorlagen zu mischen, um eine Zufallsauswahl herzustellen – ein recht umständliches Procedere. Diesen Vorgang übernimmt der elektronische Fragebogen selbständig und liefert bei der entsprechenden Stelle immer eine zufällig hergestellte Reihenfolge von Items: die Validität der Ergebnisse wird gesteigert.

Ein erheblicher Zeitund (somit auch) Kostenfaktor bei Face-to-Face-Interviews ist die Dateneingabe und -bereinigung. Kreuzchen auf dem Papier müssen als Daten in den Computer gefüttert werden. Das kostet nicht nur Zeit, sondern ist eine weitere Fehlerquelle, die mit dem Einsatz des CATI wegfällt, denn der Interviewer gibt seine Kreuzchen gleich in Form von Daten ins Programm ein. Da das Programm nur korrekte und vollständige Daten akzeptiert, ist dies zugleich die Datenbereinigung.

 
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